Besuch bei der Klemmbrett-Guerilla

Akte mit Foto von Adolf Sauerland

Unterschriften gegen OB Sauerland

Besuch bei der Klemmbrett-Guerilla

Von Katrin Schlusen

Die Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg" will Oberbürgermeister Adolf Sauerland aus dem Amt drängen. Bis zum 19. Oktober will sie 60.000 Unterschriften zur Abwahl des Stadt-Chefs vorlegen - und es sieht so aus, als ob sie es schafft.

"Hat einer Plakate mit? Vielleicht im Auto?" Theo Steegmann schaut in die Runde. Das Treffen ist wie immer öffentlich - gekommen ist aber vor allem der harte Kern, das sogenannte Organisationskomitee der Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg". Sie sind die treibende Kraft hinter der Unterschriftenaktion zur Abwahl von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Bis zum 19. Oktober 2011 wollen sie 60.000 Unterschriften sammeln - und es sieht so aus, als ob sie es diesmal schaffen. Denn 40.000 Signaturen liegen bereits im Safe bei der Deutschen Bank. "Diese Unterschriften haben wir und zwar sicher", sagt Theo Steegmann, einer der drei Sprecher der Initiative.

Unterschiedliche Bürgerinitiativen rauften sich zusammen

Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg" sammelt Unterschriften

Zweiter Abwahlversuch von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland

Dabei sah es Mitte Juni 2011 noch gar nicht danach aus, als ob die neue Unterschriften-Aktion Erfolg haben könnte. In einem Café in Marxloh trafen sich erstmals verschiedene Bürgerinitiativen und lose Gruppen. Sie wollten zusammenarbeiten, obwohl sie unterschiedlicher politischer Meinung waren und sich auch nicht besonders mochten. Der Starttag stand schon fest: Am 20. Juni sollte es unter großem Medienrummel losgehen mit der zweiten Unterschriftenaktion zur Oberbürgermeister-Abwahl. Viele fragten sich, ob es eine gute Idee war, den Start der Aktion ausgerechnet kurz vor die Sommerferien zu legen. Es gab Streit und einige stiegen noch vor Beginn aus. "Das war am Anfang schwierig", gesteht Theo Steegmann. "Aber mittlerweile haben alle erkannt: Das Ziel steht über allem."

15 Prozent der Wahlberechtigten müssen unterschreiben

Theo Steegmann, Sprecher der Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg"

Theo Steegmann: "Wir werden es schaffen"

Einen ersten Versuch hatte es bereits im Herbst 2010 gegeben. Nach einer Unterschriftenaktion wurde im Stadtrat über die Abwahl von Sauerland abgestimmt. Jedoch ohne Erfolg, denn die nötige Zweidrittelmehrheit an Stimmen kam nicht zustande. In der Zwischenzeit hat der NRW-Landtag jedoch eine Änderung des Paragraphen 66 der Gemeindeordnung beschlossen. Diese Änderung macht es nun möglich, dass Bürger einer Stadt ihren Bürgermeister direkt abwählen können. Dazu müssen bei einer Stadt mit der Größe Duisburgs 15 Prozent der Wahlberechtigten einen Abwahl-Antrag innerhalb von vier Monaten unterzeichnen. Wenn das geschafft ist, werden alle Duisburger an die Wahlurnen gebeten. Mit einer einfachen Mehrheit könnte Sauerland abgewählt werden.

Dauernder Einsatz belastet Beziehungen

Wie erfolgreich sie beim Einsammeln der Unterschriften sind, hängt vom Stadtteil ab, wie Petra Sewgat erklärt. "Zweidrittel der Menschen empfangen uns mit offenen Armen", sagte sie. "Da ist dieses Gefühl, dass die Stadt wach wird." Einer der Helfer sammelt unter der Woche täglich Unterschriften am Stand eins, am Lifesaver-Brunnen in der Innenstadt. "Das hat schon zu Beziehungsstress geführt", sagt der Mann. Seine Freundin sei unzufrieden damit, dass er seine ganz Freizeit in das Projekt Abwahl investiere. Petra Swegat ergänzt: "Man kann diese Arbeit nur durchhalten, wenn die Familie dahinter steht."

"Einer hält das Plakat hoch, einer nimmt das Klemmbrett"

Die Mitglieder der Bürgerinitiative achten bei ihrer Arbeit darauf, sich nicht juristisch angreifbar zu machen. Wer an einem Stand Unterschriften sammelt, braucht eine Genehmigung. Der 24-jährige Ünsal Başar hatte eine Idee, wie sich an einigen Stellen auf Stände verzichten lässt und die Bürokratie umgangen werden kann: "Einer hält das Plakat hoch, einer nimmt das Klemmbrett", beschreibt Başar sein Vorgehen. Er nennt das: Klemmbrett-Guerilla. "Man muss auch bei einer Bürgerinitiative ein bisschen Action reinbringen", sagt er.

In der nächsten Woche will Başar den anderen erklären, wie man Soziale Netzwerke wie Facebook und Co. noch besser für die Werbung um Unterschriften einsetzen kann. "Es ist schwer, die Jugendlichen zu erreichen", sagt Petra Swegat. Aber noch haben sie knapp zwei Monate Zeit, um die verbliebenen 20.000 Stimmen zu sammeln. Initiativen-Sprecher Theo Steegmann kündigt an: "Wenn wir die Unterschriften an das Wahlamt übergeben, wird es eine große Party geben."

Stand: 15.08.2011, 02:00