"Die Gewalt ging eindeutig von uns aus"

Garzweiler-Proteste

"Die Gewalt ging eindeutig von uns aus"

Von Jürgen Döschner

  • Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes spricht exklusiv mit dem WDR Hörfunk
  • Neue Vorwürfe gegen Polizei, RWE und privaten Sicherheitsdienst
  • "Die Gewalt ging eindeutig von uns aus."

Nach jüngsten Recherchen des WDR hat die RWE zur Abwehr und Festsetzung von Demonstranten am vergangenen Wochenende im Braunkohletagebau Garzweiler auch eine private Sicherheitsfirma angeheuert. Das Unternehmen IWSM – Industrie- und Werkschutz Mundt GmbH – aus Frechen soll demnach an besagtem Wochenende mit rund einem Dutzend Männern im Einsatz gewesen sein. Ein Mitarbeiter der Firma IWSM hat sich in einem Exklusiv-Interview mit dem WDR Hörfunk ausführlich zu den Ereignissen in Garzweiler geäußert.

Ein Sicherheitsmitarbeiter fixiert einen Demonstranten am Boden

Der Einsatzleiter der Sicherheitsfirma fixiert einen Aktivisten

Auslöser war jenes Foto, welches der WDR am vergangenen Mittwoch (19.08.2015) im Internet veröffentlicht hatte. Es zeigt einen Mann mit Sonnenbrille und gelb-grüner Warnweste, der einen Aktivisten offenbar mit Gewalt auf den Boden presst und festhält. Hubert K., Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes IWSM sagt dazu im Interview mit dem WDR: "Ich bin damit nicht einverstanden. Ich bin eher gewaltlos – so bin ich erzogen, so ist mein Charakter. Ich woll’t ganz einfach auch dazu beitragen, dass die Wahrheit so’n bisschen ans Licht kommt." K. war am vergangenen Wochenende gemeinsam mit rund einem Dutzend Kollegen in der Braunkohlegrube in Garzweiler im Einsatz. Im Auftrag von RWE. Seinen Namen haben wir hier geändert. Als er das Foto sah, erkannte er seinen Kollegen und Einsatzleiter. An den Einsatz erinnert er sich gut.

"Wir sind auf die Aktivisten losgegangen"

Es habe die Anweisung gegeben, die Aktivisten aufzuhalten. Der Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes habe gesagt, "nehmt Kabelbinder mit – festhalten, fesseln und der Polizei dann übergeben." Angriffe von Demonstranten gegen sich oder seine Kollegen hat der Angestellte der Sicherheitsfirma nicht erlebt oder beobachtet. Meist seien die Demonstranten vor den Einsatzkräften weggelaufen. Das habe man versucht zu verhindern, und dabei wurde dann auch von den Angehörigen der Firma IWSM Gewalt angewendet. "Zum Beispiel, indem Beine gestellt wurden, so dass Aktivisten drüber gestolpert sind, ein anderer hat Zugriff gemacht und mit Kabelbinder gefesselt."

Von Anfang an Bauchschmerzen

Hubert K. erklärt, Er sei von Anfang an mit großen Bauchschmerzen in dieses Wochenende gegangen. Aber die meisten seiner Kollegen hätten das anders gesehen. Sie seien nach dem Einsatz teilweise regelrecht euphorisch gewesen. "Manche haben geprahlt damit – wie viele hast Du denn bekommen ... Es wurden halt Geschichten erzählt, von den Leuten, die da Aktivisten festgehalten haben."

Einsatzleiter ist in Urlaub

RWE und die Sicherheitsfirma bestätigten gegenüber dem WDR ihre Zusammenarbeit und den gemeinsamen Einsatz in Garzweiler. Im Gegensatz zu den Schilderungen habe es aber durchaus gewaltsame Übergriffe von Aktivisten auch gegen IWSM-Mitarbeiter gegeben. Deren Aufgabe sei es gewesen, im Rahmen des sogenannten "Jedermannsrechts" widerrechtliche Eindringlinge in das Betriebsgelände festzuhalten. Sollten die Sicherheitsleute jedoch "unverhältnismäßig vorgegangen sein, wäre das nicht akzeptabel", so der RWE-Sprecher wörtlich. RWE versprach "konsequente Aufklärung". Die Firma IWSM sagte ebenfalls eine Prüfung der Vorwürfe zu. Geschäftsführer Michael Mundt bestätigte, dass auf dem besagten Foto der Einsatzleiter zu sehen sei. Allerdings befinde sich dieser zurzeit im Urlaub.

Stand: 21.08.2015, 16:43