Eine Dorfgemeinschaft im Aufbruch

Eine Dorfgemeinschaft im Aufbruch

Der Braunkohlebagger ist schon zu sehen, die Uhr tickt für das Dörfchen Manheim bei Kerpen. Die ersten 60 Familien sind bereits nach Manheim-neu gezogen, der Rest der Dorfgemeinschaft plant und packt. Ein Dorf auf Wanderschaft.

Manheim von weitem

Ein typisches Dörfchen im Rhein-Erft-Kreis: Manheim ist mehr als 1.000 Jahre alt. Von Weitem sieht das Dorf aus wie eh und je.

Ein typisches Dörfchen im Rhein-Erft-Kreis: Manheim ist mehr als 1.000 Jahre alt. Von Weitem sieht das Dorf aus wie eh und je.

Doch im Ortsinneren sind eindeutige Hinweise auf den Wandel. Auf den Straßen stehen Container vor vielen Häusern.

Seit fast 40 Jahren steht fest: Die etwa 1.600 Bewohner müssen ihre Häuser verlassen und ihr Dorf dem Tagebau Hambach der RWE-Power überlassen.

Die Braunkohlebagger sind nur noch wenige Kilometer entfernt. Manheimer Schafe lassen sich davon nicht den Appetit verderben.

Das Dorfleben hat sich seit Beginn der Umsiedlung vor eineinhalb Jahren sehr verändert: Die letzte Kneipe hat vor einem Jahr geschlossen, zum Einkaufen geht's nach Kerpen und die ersten Wohnhäuser stehen leer.

Allmählich erobert die Natur die verlassenen Gebäude.

Ob der alte Volvo noch eine Chance bekommt?

Verschiedene historische Elemente des alten Dorfes ziehen mit um nach Manheim-neu, das nur wenige Kilometer entfernt entsteht. Dazu gehören Wegekreuze, die Kapelle und ein Kriegerdenkmal.

Die Manheimer Pfarrkirche wird abgerissen. Der Abschied vom Gotteshaus fällt vielen Dorfbewohnern schwer.

Genau wie die Umsiedlung des Friedhofs.

Im Frühjahr 2014 soll der neue Friedhof fertig gestellt sein. Dann werden die Gräber in mehreren Etappen umgebettet.

Während das alte Dorf langsam verwaist, wächst und gedeiht das neue Dorf.

Etwa zwei Drittel der Manheimer Haushalte werden im Laufe der nächsten Jahre nach und nach umsiedeln. 60 Familien haben bereits ihre Neubauten bezogen.

Bei den Möbeln wird manchmal noch improvisiert.

Die Bauarbeiter ziehen fleißig einen Rohbau nach dem anderen hoch.

So mancher Vorgarten kann sich schon sehen lassen.

Wobei die meisten Bäumchen im neuen Dorf noch sehr klein sind.

Ob ein Gastronom sein Glück in Manheim-neu versuchen wird, ist noch nicht klar, aber die Bauarbeiter und Bauherren können sich dort in einer Imbissbude stärken.

Zwei Jahre begleitete ein Fernsehteam von" Hier und Heute" die Dorfgemeinschaft und berichtet jetzt in einer dreiteiligen Doku-Serie von den Abenteuern der Manheimer.

Stand: 23.11.2013, 06:00 Uhr