Karstadt-Mitarbeiter verzichten auf Geld

Ein-Euromünze und Teile von Euroscheinen

Weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Karstadt-Mitarbeiter verzichten auf Geld

Für die Rettung möglichst vieler Karstadt-Häuser wollen die Mitarbeiter auf 150 Millionen Euro verzichten. Wenn die Gewerkschaft dem zustimmt, will der Insolvenzverwalter seinen Plan vorstellen.

Die Arbeitnehmervertreter einigten sich mit dem Arcandor- Insolvenzverwalter am Samstag (07.11.2009) auf entsprechende Eckpunkte für den Sanierungsbeitrag der Beschäftigten. Maximal 17 Kaufhäuser sind jetzt noch von der Schließung bedroht. Die Arbeitnehmer sind bereit, 75 Prozent des Weihnachtsgeldes, des Urlaubsgeldes und der Vorsorgeleistungen auf ein Treuhandkonto einzuzahlen, wie Verdi-Sprecherin Cornelia Haß sagte. "Damit sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, das Unternehmen aus der Insolvenz herauszuführen und so viele Standorte wie möglich zu sichern."

50 Millionen Euro pro Jahr

Gegen Eingriffe in die monatlichen Löhne und Gehälter hatte sich die Gewerkschaft von Anfang an gesperrt. Die Regelungen sollen rückwirkend ab 1.September gelten und eine Laufzeit von drei Jahren haben. Die Zugeständnisse haben nach Angaben des Insolvenzverwalters ein Volumen von 50 Millionen Euro im Jahr. Wie Verdi erläuterte, soll mit dem Geld die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sichergestellt werden. "Ist das Unternehmen bis 2012 aus der Insolvenz, soll es auch wieder das volle Urlaubs- und Weihnachtsgeld geben", sagte Gewerkschaftssprecherin Haß. Sollte es keinen wirksamen Insolvenzplan geben und zu einem Abverkauf wie bei Quelle kommen, fließe das Geld vom Treuhandkonto an die Mitarbeiter zurück.

Mindestens 109 Filialen sollen bestehen bleiben

Eine Schließung steht nach Angaben des Insolvenzverwalters nur noch bei 17 statt wie bislang bei 19 Häusern zur Debatte. Damit werde der Betrieb in mindestens 109 Filialen fortgesetzt. Wieviele Häuser am Ende geschlossen würden, hänge auch von Dienstleistern und Lieferanten ab. Dazu sagte die Verdi-Sprecherin: "Wir gehen davon aus, dass letztlich deutlich weniger als 17 Häuser geschlossen werden. Wir haben jedenfalls das Unsere dafür getan." Verdi appellierte an die Besitzer der Karstadt-Immobilien, die Rettung des Kaufhaus-Konzerns "jetzt nicht durch überzogene Mietforderungen" zu gefährden. Dazu berichtete die Wirtschaftswoche, das Immobilien-Konsortium Highstreet, das zuletzt Mieteinnahmen von rund 277 Millionen Euro von Karstadt erhalten habe, sei dem Vernehmen nach zu Zugeständnissen bereit. Dazu gehöre wohl auch der Verzicht auf starre Mietsteigerungsklauseln.

Karstadt zuletzt tief in den roten Zahlen

Am Montag (09.11.2009) muss die Verdi-Tarifkommission den ausgehandelten Eckpunkten noch zustimmen. Am Dienstag (10.11.2009) will Insolvenzverwalter Görg auf der Gläubigerversammlung in Essen seinen Sanierungsplan für Karstadt vorlegen und damit die Weichen für den Einstieg eines möglichen Investors stellen. Pro Filiale sind zwischen 120 und 250 Mitarbeiter beschäftigt. Im letzten ordentlichen Geschäftsjahr 2007/08 machte die Warenhauskette über 270 Millionen Euro Verlust. Interesse an einer Übernahme von Karstadt-Filialen bekundete in den vergangenen Monaten immer wieder der Düsseldorfer Handelskonzern Metro.

Stand: 08.11.2009, 11:33