Mit dem Nikolaus rund um die Welt

Mit dem Nikolaus rund um die Welt

Von Serin Khatib

Am 6. Dezember kommen Kinder besonders leicht aus dem Bett. Vor der Tür wartet schließlich ein prallgefüllter Stiefel. Auch in anderen Ländern wird der heilige Nikolaus gefeiert – auf die unterschiedlichste Art und Weise.

Schokonikolaus

Wenn Kinder in Deutschland ihren frischgeputzen Stiefel am 5. Dezember vor die Tür stellen, dann darf am nächsten Morgen vor allem einer nicht fehlen: der Schokonikolaus.

Wenn Kinder in Deutschland ihren frischgeputzen Stiefel am 5. Dezember vor die Tür stellen, dann darf am nächsten Morgen vor allem einer nicht fehlen: der Schokonikolaus.

Heutzutage wird der Nikolaus oft so dargestellt wie der Weihnachtsmann. Dabei haben die beiden nichts miteinander zu tun. Der echte Nikolaus lebte im vierten Jahrhundert in der heutigen Türkei. Schon als junger Erwachsener wurde er zum Bischof der kleinen Stadt Myra geweiht. Und deshalb hat er keine rote Weihnachtsmütze getragen – so, wie es fälschlicherweise oft dargestellt wird – sondern eine Bischofsmütze: die sogenannte Mitra. Der heilige Nikolaus soll den Armen Gold geschenkt haben und Unschuldige aus dem Gefängnis befreit haben. Am 6. Dezember ist er gestorben, weshalb an diesem Tag immer noch an den Schutzheiligen erinnert wird.

In unserem Nachbarland, den Niederlanden, heißt der Nikolaus Sinterklaas und wird stets von seinem Helfer Zwarte Piet, dem schwarzen Peter, begleitet. Seit vielen Jahren spaltet die Hautfarbe jenes Helfers die Nation. Ist die traditionelle Figur rassistisch oder nicht? Der Zwarte Piet wird meist nämlich von schwarz angemalten Weißen dargestellt. Zurückzuführen ist der Zwarte Piet auf eine Legende, nach der Sinterklaas und sein Helfer im November per Schiff in Holland ankommen und bei einer Parade Pfeffernüsse an die Kinder verschenken. Auch auf der Karibikinsel Aruba bringt der Sinterklaas Geschenke für die Kinder. Der Grund: Aruba ist ein autonomer Staat innerhalb des Königreichs der Niederlande.

In Russland wird der 6. Dezember nicht als Nikolaustag gefeiert. Trotzdem kamen tausende russisch-orthodoxe Gläubige in die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, um die Gebeine des Heiligen Nikolaus von Myra zu küssen. Nachdem die Reliquie 930 Jahre in der Basilika San Nicola im italienischen Bari aufgewahrt wurde, kam sie am 21. Mai 2017 in der russischen Hauptstadt an.

Die Nikolauskirche im türkischen Demre, das früher Myra hieß: Wenn es nach der türkischen Denkmalschutzbehörde geht, dann liegen die Gebeine vom heiligen Nikolaus weder in Bari noch in Moskau – sondern immer noch genau hier. Dort wollen sie dieses Jahr das echte Grab entdeckt haben. Die türkischen Archäologen erklären, dass die Seefahrer aus Bari damals die falschen Knochen mitnahmen. Ob mit oder ohne Grab – jedes Jahr pilgern tausende Christen am 6. Dezember zur Wirkungsstätte von Nikolaus.

Grüezi Samichlaus! So wird der Nikolaus in der Schweiz genannt. Mit dabei ist auch meistens sein Begleiter Schmutzli – mit schwarz geschminktem Gesicht, rasselnden Schellen, Sack und der Rute. Früher soll der Schmutzli sogar Teufelshörner getragen haben – gruselig! Und wenn ein Kind nicht brav war, dann landete es im Sack des Schmutzlis. Heutzutage ist der Kinderschreck aber nur noch selten dabei, wenn der Nikolaus Nüsse, Mandarinen und Lebkuchen an die Kinder verteilt.

Was in der Schweiz der Schmutzli ist, ist in Österreich und Bayern der Krampus. Schon von weitem kann man am Abend des 5. Dezembers die Krampusse hören, wenn sie mit großen Glocken durch die Straßen ziehen, um Menschen zu erschrecken. Den unartigen Kindern haben die gruseligen Gestalten früher sogar Prügel angedroht. Auch in Ungarn, Tschechien, Teilen Norditaliens und Teilen Kroatiens begleiten die Krampusse den Nikolaus. Die Krampusse trifft man aber nicht nur am Nikolaustag, sondern auch bei den traditionellen Krampussläufen, bei denen sie zu Hunderten durch die Straßen jagen.

In den USA wissen die Kinder, wie sie den Nikolaus besänftigen. Am Vorabend des 6. Dezember stellen sie ein Glas Milch und Kekse in den Hausflur. Der eigentlich Grund für die nette Geste ist aber gar nicht dazu gedacht, dem Nikolaus etwas Gutes zu tun. Die Kinder wollen viel mehr herausfinden, ob der Nikolaus wirklich da war. Wenn das Glas ausgetrunken ist und die Kekse verputzt wurden, dann ist das der klare Beweis: Der Nikolaus war wirklich da!

In der arabischen Welt ist Nikolaus "Baba Noel". Der Nikolaustag wird bei den arabischen Christen nicht am 6. Dezember gefeiert, sondern erst, wenn bei uns der ganze Weihnachtsschmuck schon wieder weggepackt ist und die Wunderkerzen ausgepackt werden: am 31. Dezember. Die Nikolausfeier in der Türkei ähnelt mittlerweile allerdings eher unserem Heiligabend. Es gibt Geschenke, einen Weihnachtsbaum und Glockengeläut. Nur für Glühwein ist es vielleicht dann doch zu warm.

Stand: 04.12.2017, 10:27 Uhr