Diagnose: Alzheimer, andere Demenz oder Depression?

Ein Arzt hört mit Hilfe des Stethoskops die Herzgeräusche eines Patienten ab.

Alzheimer

Diagnose: Alzheimer, andere Demenz oder Depression?

Von Franziska Badenschier

Wo ist der Haustürschlüssel? Was wollte ich eben erzählen? Worum ging es in dem Fernsehfilm gestern Abend? Manch einer tut das ab – man wird halt alt. Aber solche Situationen können auf etwas Ernsteres hinweisen: auf eine Alzheimer-Demenz. Denn Vergesslichkeit ist oft das erste Symptom – und ein Warnzeichen. Wenn Sie also das Gefühl haben, dass es Ihnen ähnlich geht: Gehen Sie lieber früher als später zum Arzt.

Diagnose Schritt für Schritt

Am besten gehen Sie zunächst einmal zu Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin: Er oder sie kennt Sie bestimmt schon länger und kann deswegen leichter erkennen, ob Sie geistig nicht mehr ganz so fit sind wie früher.

Mit einem kurzen psychologischen Test lässt sich herausfinden, wie gut Sie sich noch an etwas wiedererinnern können. Viele Patienten können sich einen Begriff unmittelbar einprägen und schnell wiedergeben. Aber ein paar Minuten später sind diese Begriffe dann weg: aus dem Gedächtnis gelöscht.

Ist es Alzheimer oder etwas anderes?

Wenn Sie mit Ihrer Bezugsperson oder einem Angehörigen zum Arzt gekommen sind, kann der Arzt auch diesen Begleiter befragen. Ihre Begleitung hat vielleicht beobachtet, ob sich Ihr Verhalten geändert hat, zum Beispiel, ob Sie neuerdings Stimmungsschwankungen haben oder sich zurückziehen.

Vielleicht wird Ihnen der Arzt auch etwas Blut abnehmen – so lässt sich feststellen, ob vielleicht Ihr Stoffwechsel nicht in Ordnung ist und Sie deswegen vergesslich sind oder sich anders verhalten als sonst.

Außerdem werden Sie vielleicht zu einer Kernspin- oder Computertomografie geschickt. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft erklärt in einem Merkblatt: Bei der Alzheimer-Krankheit sind die Blutwerte in der Regel normal.

Die Bilder der Kernspin- oder Computertomografie zeigen jedoch, dass das Gehirnvolumen in bestimmten Bereichen kleiner ist als üblich. Allerdings ist das im ganz frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung nicht immer schon zu erkennen.

Die Hirnaufnahme aus einer Positronen-Emissions-Tomographie.

Das rechte Gehirn ist gesund, das linke gehört einem Alzheimer-Patienten

Tests in der Gedächtnis-Sprechstunde

Weiterhelfen können auch Fachärzte wie Psychiater oder Neurologen. Oder Sie gehen in eine Gedächtnis-Sprechstunde. Hier werden Sie umfangreich getestet, und die Aufgaben sind anspruchsvoller.

So soll herausgefunden werden, ob Ihre Vergesslichkeit und Ihre Erinnerungslücken noch akzeptabel für Ihr Alter sind – oder tatsächlich Symptome einer leichtgradigen Demenz.

Vielleicht werden Sie auch gebeten, eine sogenannte Liquor-Punktion machen zu lassen. Liquor ist die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit und wird umgangssprachlich auch Nervenwasser genannt.

Punktion bedeutet so viel wie "Entnahme". Die Flüssigkeit wird mit einer Nadel im Bereich der Lenden-Wirbelsäule entnommen. Das kann etwas wehtun und hinterher haben manche Patienten Kopfschmerzen.

Dann wird untersucht, ob in Ihrem Nervenwasser die für Alzheimer typischen Proteine zu finden sind: das Beta-Amyloid, das zu den gefürchteten Plaques verklumpt, oder das Tau-Protein, das durch zerstörte Nervenzellen freigesetzt wird. Wenn diese Proteine gefunden werden, dann bedeutet das: Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit ist es tatsächlich Alzheimer.

Die Positronen-Emissions-Tomografie

Mittlerweile hat sich ein weiteres Verfahren etabliert, mit dem sich Alzheimer erkennen lässt – und das mitunter so früh, dass Sie noch nicht einmal Warnzeichen bei sich bemerkt haben. Dieses Verfahren nennt sich Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Damit lässt sich der Zucker-Stoffwechsel im Gehirn sichtbar machen.

Bei Alzheimer-Patienten wird in bestimmten Hirnarealen weniger Zucker verstoffwechselt als üblich. Anhand des Nervenwassers, des sogenannten Liquors, kann die Konzentration bestimmter Eiweiße untersucht werden, die zeigt, ob sie sich bereits im Gehirn angelagert haben.

Völlige Gewissheit, ob eine Demenz tatsächlich vom Alzheimer-Typ ist, kann es aber erst spät geben, sehr spät – nämlich, wenn der Patient gestorben ist und das Gehirn einer Autopsie unterzogen wird. Dann wird das Hirngewebe genau untersucht. Wenn dann die Ablagerungen aus Plaques und Neurofibrillen vorhanden sind, war es tatsächlich Alzheimer.

Eine Röhre für die Positronen-Emissions-Tomographie.

Ein Positronen-Emissions-Tomograph

Weiterführende Infos

Stand: 24.06.2019, 11:00