Bundesjagdgesetz: Weniger Rehe, weniger Blei

Jäger zielt am Rand einer Wiese mit dem Gewehr

Bundesjagdgesetz: Weniger Rehe, weniger Blei

Von Stefan Michel

Die Jäger sollen mehr Rehe töten, damit neue Bäume auf den Kahlflächen sprießen können. Und sie sollen mit weniger Blei schießen. Am Freitag hat der Bundesrat darüber beraten.

Rehe knabbern gerne die Triebe junger Bäumchen ab, und Hirsche schälen gerne deren Rinde ab. Auf den 300.000 Hektar Fläche, auf denen Dürre und Borkenkäfer den Wald vernichtet haben, könnten von alleine keine Bäume nachwachsen. Weil es zu viele Rehe und Hirsche gebe.

So sieht das die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf. Deshalb sollen die Jäger "insbesondere eine Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen." Das heißt: ohne die jungen Bäumchen einzuzäunen, was teuer ist.

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Wald vor Wild?

Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält das für richtig. Zwar seien Rehe "normaler Bestandteil jedes Ökosystems". Es seien ihrer aber zu viele, um den "Waldumbau, der wegen der Klimakrise massiv nötig ist", hinzubekommen.

Ganz ähnlich sieht das Georg Schirmbeck, der Vorsitzende des Deutschen Forstwirtschaftsrates: "Ich freue mich, wenn ich ein Reh laufen sehe. Aber wenn ich zehn, 15 Rehe gleichzeitig laufen sehe und dahinter eine Anpflanzung habe, dann weiß ich, dass meine Bäume keine Chance haben."

Gewehrschutz auch für Monokulturen?

"Dieses generelle Reduzieren des Rehwildes ist eigentlich mit dem Tierschutz nicht vereinbar", findet dagegen Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW.  "Da müssten doch eigentlich mal die Tierschützer auf die Barrikaden gehen."

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Zum Schutz einer Monokultur?

Vor allem, wenn die Waldbesitzer gebietsfremde Arten wie die Douglasie aus Nordamerika pflanzen wollten oder Monokulturen aus nur einer Baumart, dann sei ihnen schon zuzumuten, dass sie ihre Bäumchen wenigstens selbst durch Zäune schützen, statt dass die Jäger "jedes Reh, das wir dort sehen, totschießen" müssten.

Das sieht der Bundesrat übrigens auch so. Er fordert, dass in den maßgeblichen Satz des Gesetzes die Wörtchen "standortgerecht" und "artenreich" eingefügt werden, so dass er dann besagen würde, dass die Jäger "insbesondere eine Verjüngung des standortgerechten und artenreichen Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen."

Damit wäre klargestellt, dass die Jäger keine Schützenhilfe zur Aufzucht monotoner Baumplantagen leisten müssen.

Bundesjagdgesetz: Weniger Rehe, weniger Blei

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Stand: 18.12.2020, 12:02