WDR Ensembles spielen wieder vor Publikum

Konzert mit Corona-Sicherheitsabstand

WDR Ensembles spielen wieder vor Publikum

  • WDR Ensembles erstmals wieder vor Publikum
  • Erste Auftritte nach dreimonatiger Corona-Pause
  • Funkhaus-, Sinfonieorchester sowie Rundfunkchor
  • Organisation war "ein aufwändiger Akt"

Es gibt wohl kaum einen Teil des öffentlichen Lebens, der von den Corona-Schutzmaßnahmen nicht betroffen ist. Dies umfasst natürlich auch den Musikbereich, denn Großveranstaltungen wie Konzerte wurden komplett ausgesetzt und lange geplante Programme, Tourneen und Events mussten ersatzlos abgesagt werden. Auch bei den WDR-Ensembles führte dies zu einer dreimonatigen Konzertpause.

Untätig war man in dieser Zeit allerdings nicht. In den ersten Wochen haben sich die Musiker*innen noch auf viele Kammermusik-Projekte konzentriert, die im Internet als Video zu erleben waren. Die zunehmende Lockerungen ließen aber langsam die Möglichkeit einer Rückkehr in einen regulären Konzertbetrieb erkennen.

Vorbereitungen waren ein organisatorischer Akt

Der obligatorische Mundschutz durfte während der Konzerte abgenommen werden.

Der obligatorische Mundschutz durfte während der Konzerte abgenommen werden.

Am Wochenende war es endlich soweit: Am Freitag (19.06.2020) trat das WDR Sinfonieorchester in der Kölner Philharmonie auf, das WDR Funkhausorchester am Freitag und Samstag im Funkhaus Wallrafplatz und der WDR Rundfunkchor am Samstag in der Kirche St. Aposteln – und das alles erstmals wieder vor Publikum.

Die eigentlich geplante Aufführung des Sinfonieorchesters mit Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester mit Igor Levit als Solisten konnte zwar aufgrund der großen Besetzung des Werkes nicht stattfinden, aber dafür gelangten in zwei einstündigen Konzerten Stücke von unter anderem Mozart, Schubert, Wagner, Enescu und Ibert mit kleinerem Orchesterapparat zur Aufführung – dies allerdings auch unter besonderen Bedingungen.

Zuschauer*innen warten vor der Kölner Philharmonie auf das erste öffentliche Konzert des WDR Sinfonieorchesters seit Corona.

"Das zu organisieren war schon ein aufwändiger Akt. Wir mussten im Vorfeld umfangreiche Pläne aufstellen, in Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen der Kölner Philharmonie, die mit dem WDR-Krisenstab, zu dem auch ein Sicherheitsingenieur und der Betriebsarzt zählenbesprochen wurden", erklärt Dr. Christoph Stahl, Leiter der Hauptabteilung Orchester und Chor im WDR. "Daraufhin wurde beim Krisenstab eine Genehmigung beantragt, wie viele Musiker*innen unter Berücksichtigung der Abstandsregel auf der Bühne sitzen dürfen", führt er weiter aus. Die Basis für diese Entscheidung legten Gutachten, Studien und gesetzliche Verordnungen, wie die alle vierzehn Tage aktualisierte Corona-Schutzverordnung NRW.

Damit aber nicht genug: Parallel galt es unter Berücksichtigung der Gefährdungs- und Hygienevorschriften auch Pläne für die Anzahl des Publikums und der Maßnahmen zu seinem Schutz vorzulegen. Diese mussten dann wiederum unter Einbeziehung des Gesundheitsamts von der Stadt Köln abgenommen werden. Die gleichen Prozesse galt es auch für das Funkhaus abzustimmen, wo das WDR Funkhausorchester ebenfalls in reduzierter Besetzung ein Programm für Streichorchester spielte.

Letztlich wurde für die fast 2.200 Personen fassende Philharmonie eine Kapazität von 440 Zuschauer*innen je Konzert bewilligt; ins Funkhaus Wallrafplatz durften 99 statt der sonst üblichen über 600 Zuschauer*innen. Die Karten wurden dann mit großer Resonanz unter den Abonnent*innen verlost. Zusätzlich gab es noch eine Gewinnaktion auf WDR 3. "Wir haben uns wirklich darüber gefreut, wie viele Leute sich für Karten beworben haben. Durch dieses Feedback merkt man auch, wie sehr unser Publikum die Konzerte vermisst", so Dr. Stahl.

Christian Macelaru

Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Cristian Măcelaru in Aktion.

Neben dem obligatorischen Mundschutz, der allerdings während der Konzerte abgenommen werden durfte, galten für die Gewinner*innen auch eine Registrierungspflicht und eine unter Berücksichtigung der Abstandsregel erstellte Sitzordnung. Den hohen organisatorischen Einsatz bei der Durchführung der Konzerte nahm Dr. Stahl gerne in Kauf: "Es war wahnsinnig viel Arbeit, das in die Wege zu leiten. Aber wir freuen uns alle riesig. Die Interaktion von Musiker*innen und Publikum ist ja essenziell. Und auch als ich schon bei den Proben zum ersten Mal wieder den Klang von so vielen Musiker*innen gehört habe, war das für mich wie Wellness für den Geist".

Kommende Spielzeit wird kurzfristig geplant

Querflötist des WDR-Sinfonieorchesters

Der Querflötist spielte zum Schutz der anderen Musiker*innen und des Publikums abgeschirmt hinter Plexiglas.

Im Hinblick auf die im September startende Konzertsaison ist die Planung natürlich eine Rechnung mit vielen unbekannten Faktoren. "Für die nächste Spielzeit arbeiten wir momentan mit verschiedenen Szenarien. Gerade beim WDR Sinfonieorchester wird ja extrem langfristig geplant. Unsere ursprüngliche Planung müssen wir jetzt in eine kurzfristige Planung umwandeln. Und selbst die ist immer noch mit vielen Fragezeichen versehen", erklärt Dr. Stahl. Das große Engagement für die Konzerte am Wochenende fand seine Belohnung im langen und herzlichen Applaus und einem dankbaren Publikum.

"Nach so langer Zeit freut man sich, wieder in ein Konzert gehen zu können. Dafür nimmt man auch die Vorkehrungen in Kauf. Das Erlebnis steht im Vordergrund. Das ist das, was zählt", freut sich Sinfonieorchester-Abonnentin Ilona Kessler. Auch die Musiker*innen waren glücklich: "Es war traumhaft! Dafür macht man das ja. Man spielt für Menschen und macht mit ihnen die gleiche Emotionsreise durch die Stücke. Standing Ovations kenne ich, aber das jemand im Konzert 'Dankeschön!' ruft, habe ich noch nie erlebt", begeistert sich Fagottist Henrik Rabien.

Stand: 22.06.2020, 15:27