Der WDR auf der Berlinale 2020

Die Berlinale 2020 findet vom 20. Februar bis zum 1. März statt.

Der WDR auf der Berlinale 2020

  • Schlingensief-Doku feiert Weltpremiere
  • Drama "Exil" mit Mišel Matičević und Sandra Hüller
  • WDR präsentiert Event-Serie "Unsere wunderbaren Jahre"

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) geht in diesem Jahr mit insgesamt vier Produktionen auf der Berlinale 2020 an den Start. Neben dem von Visar Morina inszenierten Drama "Exil" und dem Event-Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre" präsentieren sich zwei hochintensive Dokumentarfilme.

Vom Kunstblutrausch zum Staatskünstler

Eine Premiere der besonderen Art findet in der Reihe "Panorama – Dokumente" der Berlinale statt. "Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien" von Bettina Böhler unternimmt nämlich als erster Film den Versuch, den Ausnahmekünstler Christoph Schlingensief, der 2010 im Alter von nur 49 Jahren verstarb, in seiner ganzen Bandbreite zu dokumentieren.

Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien

Im Fokus der Doku steht hier der "Familienmensch" (Schlingensief über Schlingensief), der in seinen Arbeiten gleichermaßen das Verhältnis zu den Eltern in Oberhausen und die Hassliebe zu Deutschland thematisiert hat. "In das Schweigen hineinschreien" durchlebt die ganze Entwicklung Schlingensiefs, vom quasi pubertierenden Filmemacher im Kunstblutrausch, über den Bühnenrevoluzzer von Berlin und Bayreuth, bis hin zum vermeintlichen, allseits geehrten Staatskünstler, der kurz vor seinem Tod die Einladung erhält, den Deutschen Pavillon in Venedig zu gestalten. Das Portrait ist eine Koproduktion von Filmgalerie 451 mit RBB und WDR, unterstützt durch die Film- und Medienstiftung NRW. (WDR-Redaktion: Jutta Krug)

Tiefen des Dschungels

Mit "Die Insel der hungrigen Geister" bringt der WDR einen weiteren Dokumentarfilm ein. Der inzwischen mit etlichen Preisen ausgezeichnete Film (u.a. "Best Documentary Feature" @ Tribeca Film Festival 2018) führt die rigide menschenverachtende Asylpolitik Australiens anhand eines Internierungslagers für Geflüchtete auf einer entlegenen Insel im Indischen Ozean vor Augen. Er hat es jetzt in die Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis 2020 geschafft und läuft in der LOLA-Reihe der Berlinale.

Die Insel der hungrigen Geister

Inhaltlich zeigt die Produktion ein in den Tiefen des mystischen Dschungels verborgen gelegenes Gefangenenlager, in dem tausende Asylsuchende auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist die Trauma-Therapeutin Poh-Lin Lee. Die Regisseurin Gabrielle Brady begleitet Poh-Lin zu Therapie-Gesprächen. Sie hat einen außergewöhnlichen Zugang zu den sehr persönlichen Geschichten und Gefühlszuständen der Menschen. Die atmosphärischen, fast traumartigen Bild- und Tonsequenzen der Insel untermalen die Stimmung und Beklommenheit die Poh-Lin aus den Therapiesitzungen nach Hause begleiten und immer schwerer auf ihr lasten.

Die Doku ist eine Chromosom Film Produktion in Koproduktion mit Third Films, Various Films, Echotango, dem BFI und dem WDR. Gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, Screen Territory Australia, Proteus, dem Get Up Fund, der Bertha Foundation und GNS Ceramics. Der Weltvertrieb läuft über Autlook Filmsales. (WDR-Redaktion: Jutta Krug)

"Exil" mit Mišel Matičević und Sandra Hüller

Der im Kosovo geborene und in Deutschland lebende Chemieingenieur Xhafer (gespielt von Mišel Matičević) fühlt sich aufgrund seiner ethnischen Herkunft am Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert. Als eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartenzaun hängt, ist für ihn sofort klar, dass seine rassistischen Kollegen dahinterstecken müssen. In jedem Ereignis, jeder Äußerung, jeder Geste sieht er einen Beweis dafür. Xhafer fühlt sich von Tag zu Tag unwohler. Seine deutsche Frau Nora (verkörpert von Sandra Hüller/"Toni Erdmann") ist zunehmend müde, dass er alle und alles ständig des Rassismus verdächtigt. Als Xhafer schließlich seinen Job, seine Frau und seine Familie verliert, findet er sich in einem Drahtseilakt wieder, hin- und hergerissen zwischen seinem Leben als integrierter Mittelschicht-Familienmensch und Fremder in seiner Wahlheimat.

"Exil" mit Mišel Matičević und Sandra Hüller

Das aufrüttelnde Drama, welches in der Sektion "Panorama-Programm" der Berlinale aufgeführt werden soll, ist eine 121-minütige Chronik einer schleichend wachsenden, womöglich aber auch nur eingebildeten Bedrohung. In weiteren Rollen des Films sind unter anderem Rainer Bock, Thomas Mraz und Flonja Kodheli zu sehen.

Der Thriller vom vielfach ausgezeichneten Regisseur Visar Morina ("Babai" & "Von Hunden und Tapeten") über die Themen Paranoia und Identität ist eine Komplizen Film Produktion in Koproduktion mit Frakas Productions, Ikonë Studio, WDR, Arte, VOO und BeTV, gefördert von Film- und Medienstiftung NRW, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutscher Filmförderfonds, Tax Shelter of the Belgian Federal Government, Casa Kafka Pictures Movie Tax Shelter Empowered by Belfius, Medienboard Berlin-Brandenburg, Eurimages, Kosovo Cinematography Center, Filmförderungsanstalt. (WDR-Redaktion: Andrea Hanke)

Gesellschaftspanorama des Wirtschaftswunders

Beim Berlinale Series Market des European Filmmarket präsentiert der WDR die Event-Serie "Unsere wunderbaren Jahre" von Elmar Fischer mit Katja Riemann, Thomas Sarbacher, Elisa Schlott, Vanessa Loibl, Anna Maria Mühe, Ludwig Trepte, Franz Hartwig, David Schütter und Hans-Jochen Wagner in den Hauptrollen. Ein mitreißendes Gesellschaftspanorama des Wirtschaftswunder-Deutschlands der 40er und 50er Jahre, das am 20. Juni 1948 mit der Ausgabe von 40 druckfrischen D-Mark beginnt. Die Einführung der neuen Währung bedeutet die Chance für einen Neuanfang und den Aufbruch in eine neue Zeit.

Elisa Schlott und David Schütter in "Unsere wunderbaren Jahre"

"Unsere wunderbaren Jahre" basierend auf dem Roman von Peter Prange ist eine Produktion der UFA Fiction in Koproduktion mit MIA Film im Auftrag des WDR und der ARD Degeto für Das Erste, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW. (Das Erste, 18., 21. und 25. März 2020, jeweils 20.15 Uhr). (WDR-Redaktion: Caren Toennissen)

Stand: 19.02.2020, 11:53