Der WDR auf der re:publica 2019

Der WDR auf der re:publica 2019

Die Digitalkonferenz re:publica steht diese Woche unter dem Motto "tl;dr: too long; didn't read". Der WDR präsentiert sich bei der Konferenz ganz im Zeichen von Bildung und Medienkompetenz.

Eine Schriftrolle mit dem Roman zieht sich wellenförmig durch die Haupthalle der re:publica.

Wie fasst man "Moby Dick" zusammen? "Es geht um einen Wal und niemand hat es gelesen", so Alexandra Wolf, Programmchefin der re:publica bei der Eröffnung am Montag. Eine Schriftrolle mit dem Roman zieht sich wellenförmig durch die Haupthalle der re:publica 2019. Sie symbolisiert das Motto der Messe: tl;dr – eine Abkürzung für "Too long; didn’t read". Im Internet heißt das, dass ein Text zu lang ist, um ihn in seiner Gänze zu lesen, oft gefolgt von einer kurzen Zusammenfassung, um das Verstehen zu vereinfachen.

Wie fasst man "Moby Dick" zusammen? "Es geht um einen Wal und niemand hat es gelesen", so Alexandra Wolf, Programmchefin der re:publica bei der Eröffnung am Montag. Eine Schriftrolle mit dem Roman zieht sich wellenförmig durch die Haupthalle der re:publica 2019. Sie symbolisiert das Motto der Messe: tl;dr – eine Abkürzung für "Too long; didn’t read". Im Internet heißt das, dass ein Text zu lang ist, um ihn in seiner Gänze zu lesen, oft gefolgt von einer kurzen Zusammenfassung, um das Verstehen zu vereinfachen.

Folgt man dieser Schriftrolle durch die Halle, findet man links von ihr den Stand des WDR, an dem es auch um einfaches Verstehen geht. Sei es beim "Programmieren mit der Maus", der VR-Bar oder der Klangkiste – am Stand dreht sich alles um einfache und direkte Zugänge zu Wissen und Lernen.

Kaum etwas macht beim Programmieren so viel Freude wie der Ausruf "es funktioniert!" Hören wird man das beim "Programmieren mit der Maus" wohl oft. Am Stand des WDR können Kinder genauso wie interessierte Erwachsene die ersten Schritte mit der Programmiersprache Scratch lernen. An drei Stationen werden sie behutsam an ein Thema herangeführt, das in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird. Sei es in der IT-Branche oder im Videospiel-Bereich: Eine Programmiersprache sprechen zu können, wird genauso relevant sein wie das große Einmaleins.

An fünf Laptops können Besucher*innen des WDR-Stands mit einfachen "Drag und Drop"-Befehlen die Maus zum Drehen bringen, sich vervielfältigen lassen oder die Farbe ändern – und das Ergebnis dann in den Sozialen Medien teilen. Wie ein Puzzle passen Programmier-Bausteine zusammen, die auf Scratch basieren, die sich besonders an Heranwachsende richtet. Sind die grundlegenden Funktionen beim "Programmieren mit der Maus" verstanden, können sie im nächsten Schritt selbstständig ihre ersten Programmierversuche starten. "Programmieren mit der Maus" kann bereits im Internet von Zuhause aus ausprobiert werden. Im nächsten Schritt soll das Programm dann an Schulen ausgerollt werden.

Programmieren-Lernen geht nicht nur vor einem Bildschirm mit einer Maus in der Hand. Am Stand des WDR können Interessierte spielerisch – in Form eines Brettspiels – lernen, wie Programmier-Befehle funktionieren. Dabei haben sie zwar auch eine Maus in der Hand, jedoch handelt es sich dabei um eine Spielfigur, die auf einem Spielbrett bewegt wird. Mit einfachen Befehlen wie "Geradeaus" oder "Drehen" wird die Maus dabei zu ihrem Ziel manövriert – am besten so simpel wie möglich.

Wie viele Blätter sollen die Blume haben? Welche Farbe? Und wie groß die Blüte? Das sind einige Entscheidungen, die Besucher*innen hier treffen müssen, um am Ende einen schönen Magnet mitzunehmen, der die Maus mit einer Blume in der Hand zeigt. Mit einfachen Touch-Befehlen gilt es, die simple Programmier-Sprache kennenzulernen, die hinter den Auswahlmöglichkeiten steckt. Und am Ende kommt etwas Handfestes dabei raus – denn der Magnet zeigt das, was man selbst programmiert hat.

Virtual Reality ist was zum Spielen – könnte man meinen. Noch ist sie vor allem aus der Games-Industrie bekannt. Doch wird diese Technologie auch bereits intensiv in anderen Bereichen angewandt. So etwa bei der Vermittlung von Wissen. Am Stand des WDR bietet die VR-Bar die Möglichkeit, lebendig zu lernen. Etwa, indem Besucher und Besucherinnen in ein Bergwerk hinabsteigen und erleben können, wie die Arbeit unter Tage aussieht. Oder man taucht ab in den "Blautopf" bei Ulm, eine unterirdische Höhlenlandschaft. Insgesamt fünf Landesrundfunkanstalten der ARD haben ihre VR-Projekte für die Bar beigesteuert.

Ein paar Gehminuten von der Station Berlin entfernt liegt der VR-Truck des WDR. Hier können Besucher*innen eine Reise nach Bottrop unternehmen, wo bis Ende 2018 das Bergwerk Prosper Haniel im Betrieb war. In einer "4D Experience" in einem umfunktionierten Ü-Wagen kann man in dieses letzte Steinkohlebergwerk virtuell einfahren. An einer anderen Station kann die Zeche auf eigene Faust erkundet werden. Photogrammetrie ist eine Methode, in der Fotografien eine räumliche Tiefe gegeben wird. Durch diese Technik können Besucher*innen sich durch das virtuelle Bergwerk bewegen. Dabei erklärt ihnen ein Bergmann das, was sie gerade sehen.

Ein Mann steht auf einer vibrierenden Platte, mit einer Oculus-VR-Brille auf dem Kopf und atmet den Duft des Bergwerks ein, der ihm durch eine Windmaschine um die Nase geweht wird. Zusätzlich sorgen Wärmestrahler für die passende Temperatur. Um die vollkommende Immersion geht es hier – das Nachempfinden eines Berufs, den es seit Ende 2018 nicht mehr gibt.

An einer anderen Station kann die Zeche auf eigene Faust erkundet werden. Photogrammetrie ist eine Methode, in der Fotografien eine räumliche Tiefe gegeben wird. Durch diese Technik können Besucher*innen sich durch das virtuelle Bergwerk bewegen. Dabei erklärt ihnen ein Bergmann das, was sie gerade sehen.

Eröffnet wurde die Konferenz von Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident forderte in seiner Rede die großen sozialen Netzwerke und Internetkonzerne zur Kooperation bei der Sicherung der Debattenqualität im Netz auf. Zugleich wandte sich Steinmeier gegen Untergangsszenarien aufgrund der digitalen Veränderungen.

Ganze 94.000 Abonnenten zählt der Account von Mädelsabende auf Instagram schon. Drei Frauen stehen hier abwechselnd vor der Kamera oder dem Smartphone um über anspruchsvolle und komplexe Themen zu sprechen – für jeweils eine Woche. Dabei gehe es vor allem um den jungen, feministischen Blick, sagt Clare Devlin vom WDR bem rbb TalkLab. So behandelte der Kanal etwa eine Woche lang das Thema Fehlgeburten, präsentierte Fakten genauso wie persönliche Geschichten. "Wir bekommen über 100 Nachrichten am Tag, teilweise zu krassen Themen", sagt Devlin. Dieser direkte Kontakt sei es auch, der eine Plattform wie Instagram so wichtig mache. "Es ist die Plattform, wo die jungen Menschen sind."

Wie ein Champignon sei die Wissensvermittlung in 59 Sekunden. So die Präsentator*innen, die das Quarks-Format auf der re:publica vorstellten. Quarks kennt man seit 25 Jahren als 45-minütige Fernsehsendung. Heute kann man sie auch auf Facebook, YouTube und Instagram finden, wo das Wissen in knapp einer Minute vermittelt wird. Der Champignon ist dabei so zu verstehen: Das Wurzelwerk, die Recherche, kann man gar nicht sehen. Der Pilz wächst aber erst, wenn die Wurzeln tief genug eingedrungen sind. Danach finden die User den Champignon in den Sozialen Medien, verdauen ihn und können bei Schwierigkeiten direkt nachfragen.

"Was macht ein Tattoo eigentlich mit dem Körper?", ist so eine Frage, die in 59 Sekunden beantwortet werden könne. Freilich ginge das auch in einem langen Dossier, in dem dann etwa erst Protagonisten und Forscher vorgestellt und Methoden erläutert werden. Oder aber man konzentriere sich auf die Kerninfo, die auch nach dem Lesen des Dossiers bei den Leser*innen zurückbleiben würde: Die Farbe setzt sich in den Lymphknoten ab.

Während des Talks konnten die Besucher*innen auch direkt selbst diese Methode testen. Anhand eines ausgeteilten Blattes mit einem Storyboard zum Thema Impfschutz konnten sich alle überlegen, welche der aufgeführten Infos eigentlich wirklich zur Beantwortung der Frage beitragen, wie Impfen nicht nur einem selbst, sondern auch den Mitmenschen helfen kann. Das wegzustreichen, was nicht zu dieser Kerninfo gehört, fiel den meisten wahrlich nicht leicht. Und genau darum gibt es ein Format wie Quarks in 59 Sekunden.

Zwischen die Zeilen schauen wollen Vassili Golod und Jan Kawelke von Cosmo auf der Bühne 5 der re:publica. Sonst schallt der Podcast "Machiavelli" für Rap und Politik aus Lautsprechern oder Kopfhörern in den Wohnungen der User. Hier sitzen die beiden Moderatoren mit der Rapperin Sookee und der CDU-Politikerin Diana Kinnert zusammen auf dem Podium vor Publikum. Intim ist diese Vierer-Runde dennoch. Denn es geht durchaus um persönliche Themen: Feminismus, Vielfalt, Aktivismus.

Sookee rappt über Diversität: "Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die pluralistisch funktioniert, ohne Ausgrenzung", sagt sie. Die vermeintliche Diskrepanz zwischen Feminismus und Rap thematisiert sie auch in ihren Texten. Diana Kinnert steht für modernen Konservatismus. Zur CDU sei sie gekommen, weil ihr die christliche Soziallehre immer nah war und ihr Wertkonservatismus in Bereichen wie der Bildung wichtig sei.

"Mach doch deine eigene Partei", fordert Sookee Diana Kinnert auf. Denn wirklichen Rückenwind bekomme sie aus der Partei ja nicht. Doch sei Kinnert daran interessiert, den Durchschnitt junger Menschen in den etablierten Parteien zu spiegeln. "Ich bin nicht aus Spaß in diesem Verein", sagt sie. Sondern es sei eine Bürgerpflicht, sich in der Partei einzubringen, die einem am nächsten steht. Denn nur so könnten auch Themen wie Digitalisierung vorangebracht werden: Wenn sich junge Menschen engagieren. "Ich würde mir eher einen Fuß abnagen als in eine Partei einzutreten", entgegnet Sookee. Außerhalb einer Partei könne sie viel mehr bewegen, als in den alten Strukturen einer Partei, etwa auch durch ihren Rap.

Die 640 Sitzplätze vor Stage 2 sind restlos belegt als WDR-Redaktionsleiter Georg Restle zum zweiten "Monitor"-Forum auf der re:publica lädt. Gemeinsam mit Marietta Slomka (ZDF heute), Florian Klenk (Falter) und Vanessa Vu (ZEIT online) diskutiert er in diesem Jahr über Agendasetting und Relevanzkriterien im digitalen Zeitalter. Wonach entscheidet man als Journalist*in, ob das, was im Netz gerade viele beschäftigt, wirklich ein relevantes Thema ist? Gibt es noch allgemein gültige Relevanzkriterien?

Darüber, dass Kriterienkataloge aus dem Lehrbuch nur bedingt weiterhelfen, sind sich die vier Medienprofis schnell einig. Vielmehr sei über die Bedeutung eines Vorfalls im Einzelfall zu entscheiden. In welcher Gesellschaft wir leben (wollen), sei dabei oft eine leitende Fragestellung, aus der sich Kriterien ableiten ließen. "Jedoch ist es zunehmend problematisch, dass Journalisten als Zensoren geframet werden, die für das Zurückhalten von Informationen auch noch Geld verlangen", beschreibt "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk die aktuelle Situation in Österreich. Den Konsument*innen den Wert des Handwerks Journalismus wieder bewusst zu machen, sei daher die zentrale Zukunftsaufgabe.

ZEIT-Redakteurin Vanessa Vu spricht sich dafür aus, nicht nach den allgemein gültigen Relevanzkriterien zu suchen, sondern viel mehr die Vielfalt im Journalismus zu fördern und wertzuschätzen. In der abschließenden Fragerunde stellt das Publikum den Journalist*innen auf dem Podium vor allem Fragen zu aktuellen Themen und ihrer Relevanzbeimessung, wie bspw. bei der (fehlenden) Berichterstattung zu Notre Dame oder dem menschengemachtem Klimawandel.

"Es geht um ein neues Verständnis von Geschichte", sagt Stefanie Vollmann, WDR-Autorin im rbbTalkLab. Zeitzeug*innen werden nicht mehr lange an Schulen von ihren Leben berichten können – wie also diese Erfahrung bewahren? Eine Lösung ist die App "WDR AR 1933-1945", die User auf ihr Smartphone oder Tablet herunterladen können. "Durch die Technologie holen wir die Zeitzeug*innen ins Wohnzimmer oder den Klassenraum", sagt Vollmann.

Schaut man durch das Display des Geräts, sitzen da Menschen im Lehnsessel im Wohnzimmer oder einem Stuhl in der Schule und erzählen von ihrem Leben. Augmented Reality nennt sich das. Die kurzen Geschichten von drei bis vier Minuten funktionieren viel unmittelbarer als etwa ein Geschichtsbuch. Erste Versuche an Schulen hätten bereits gut funktioniert. Und Die Schüler*innen gäben gute Tipps: "Wir sollten damit keine Werbung auf Facebook machen, da sei keiner der jungen Generation mehr. Lieber Instagram."

Was, wenn man eine Zielgruppe ansprechen möchte, die noch jünger ist als die auf Instagram? Man geht zu Tik Tok. Das meint zumindest Robert Rack, Redakteur bei 1LIVE. Denn hier erreiche man die unter 18-Jährigen. Doch was ist Tik Tok? Eine App, die Video mit Musik verbindet, die User etwa dazu animiert, lippensynchron zu einem Song zu singen. Doch könne sie auch für informative Formate genutzt werden. Mit "Fragenhagel" zum Beispiel, in dem Stars wie Kontra K, Namika, Matthias Schweighöfer oder Carolin Kebekus kurze Fragen gestellt werden, auf die sie spontan und frontal in die Kamera antworten müssen.

"Ein Foto mit der Maus" heißt es am Stand des WDR immer dann, wenn die Maus vorbeispaziert um sich mit den Besucher*innen abzulichten. Direkt bildet sich eine Traube von begeisterten Menschen – vor allem Erwachsenen – die für ihre Profile in den Sozialen Medien dringend ein Bild mit der Maus haben wollen.

Eindruck von der re:publica 2019.

Kinder lernen "Programmieren mit der Maus".

Am WDR-Stand können Kinder genauso wie interessierte Erwachsene die ersten Schritte mit der Programmiersprache Scratch lernen.

Im rbb TalkLab geht es um die Grundlage des Journalismus: Recherche. Julia Friedrichs, Head-Autorin von "docupy" des WDR, und Daniel Moßbrucker, freier Journalist bei "Reporter ohne Grenzen", sprechen darüber, wie preisgekrönte Storys entstehen. "Wir vernetzen Filme und Online", sagt Julia Friedrichs. Das Team von "docupy" bestehe aus vier Online- und vier Film-Autor*innen und jeder Inhalt werde gleichzeitig für beide Ausspielwege gedacht. Dabei habe man jedoch gerade im Internet vieles anders machen wollen, als es die vermeintlichen Social-Media-Regeln vorgeben. Etwa Videos ins Internet zu stellen, die länger sind als ein paar Sekunden. "Wenn es gut recherchiert ist, kommt es nicht auf die Länge an".

Das Internet und die User könnten jedoch auch direkt die Inhalte von "docupy" beeinflussen, die im Film gezeigt werden. So wurde etwa der Umstand behandelt, dass Deutsche nicht gerne über Geld sprechen. Dafür saßen Lars Eidinger und eine Komparsin vor der Kamera, um sich darüber auszutauschen, was sie an einem Drehtag verdienen. Dieser Dialog animierte die User, ihr Gehalt zu posten – und das floss wiederum in einen neuen Film ein.

"Was, wenn wir bald kaum noch im Auto sitzen?", ist eine Frage, die viele Radiomacher*innen beschäftigt, sagt Schiwa Schlei, Programmchefin von "WDR Cosmo". Zusammen mit Elisabeth Kirchner, Online-Leiterin von Radio "Fritz", spricht sie beim rbb TalkLab. Es geht um den vermeintlichen Tod des Radios und das Aufleben von Podcasts – kurzum, um die Digitalisierung im Radio. "Unsere Marke steht für etwas – Vielfalt und Integration etwa – und diese Inhalte müssen wir in den Vordergrund stellen", sagt Schlei. Es gehe nun darum, die Plattformen zu bespielen, wo die Menschen sind.

So hat "WDR Cosmo" etwa den Podcast "Machiavelli" ins Leben gerufen, der den Musikjournalismus des Radios weiterführt. Oder "Cosmo Tech", wo über Digitalisierung gesprochen wird. "Ich hoffe, dass das Digitale mehr Druck aufs Radio ausüben wird", betont Schlei. Es müsse um starke Inhalte und große Persönlichkeiten gehen, das seien die Stärken des Radios. Zwar sei sie sicher, dass es zukünftig weniger Radiosender geben wird – Stichwort Auto – doch durch die Fokussierung auf die Stärken könne Radio auch zukünftig relevant bleiben.

Natürlich darf der Intendant des WDR nicht ohne Button von der Maus die Messe verlassen. Darum besucht er den Stand des WDR und lässt sich von der Programmiererin Patricia Ennenbach ("Programmieren mit der Maus") zeigen, wie er sein eigenes Maus-Design gestalten kann. Ein paar Programm-Module per Touchscreen zusammengefügt und schon dreht sich die Maus, vervielfältigt sich und wird dann transparent – das perfekte Motiv für einen Button, der kurzum ausgedruckt und gestanzt wird. Ein schönes Andenken an die re:publica 2019.

Wenn wir jetzt noch fünf bis zehn Jahre warten, sind alle Zeitzeug*innen der NS-Zeit gestorben und können ihre Geschichte nicht mehr erzählen. Das zu bewahren, wird mit der App "WDR AR 1933-1945" möglich. Im fünften Stockwerk des Kühlhauses stellt die WDR-Autorin Stefanie Vollmann das Bildungsprojekt im Rahmen der re:publica vor. Sie erzählt von der Entstehung des Teilprojekts "Unsere Freundin Anne Frank", das am 11. Juni in der App erscheinen soll. "Wir wollen das Emotionale erhalten", betont sie und berichtet von ihren Begegnungen mit den beiden Freundinnen von Anne Frank, Hannah Goslar und Jacqueline van Maarsen.

"Das Heute und Damals verbinden, Geschichte erlebbar machen", darum geht es laut Stefanie Vollmann in "WDR AR 1933-1945". Durch die neue Technik der Augmented Reality sei ein neues Erzählen möglich – das habe die beiden Freundinnen von Anne Frank direkt überzeugt, mitzumachen. Beide mussten dafür ein Green-Screen-Studio besuchen, in dem sie in einem Sessel gefilmt wurden. Das Bild wird dann im Anschluss ausgeschnitten, digitalisiert und per Smartphone oder Tablet in das Zuhause oder den Klassenraum der User*innen projiziert. "Es war zwar schwierig, in diesem Setting die gebührende Nähe herzustellen", sagt Vollmann. Doch erste Versuche in Schulen hätten bereits gezeigt, dass die Schüler*innen schnell eine emotionale Verbindung zu dieser Form des Lernens herstellen können.

Die meisten User*innen sitzen nicht im Wohnzimmer, wenn sie auf Instagram sind – sondern sie sind unterwegs. In der U-Bahn, im Bus, zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit oder der nächsten Verabredung. Daher steckt das "Mädelsabende"-Team des WDR die meiste Zeit in die Erstellung von Untertiteln. "Wir schließen sonst einfach viele Leute aus, die unterwegs keinen Ton anhaben", sagt Clare Devlin, WDR-Journalistin und Presenterin von "Mädelsabende". Man wolle mit Instagram eine App nutzen, die sonst kaum mit Information und Bildung in Verbindung gebracht werde. Mit Clare Devlin steht die WDR-Redakteurin Verena Lammert auf der Bühne des überfüllten Media Cubes im Rahmen der Media Convention Berlin.

Neben einzelnen Story-Beispielen, etwa eine Woche, die sich um Menschen mit Behinderungen dreht, erklären Clare Devlin und Verena Lammert, wie die Produktion hinter "Mädelsabende" aussieht. Fast alle Smartphones schnellen in die Höhe und machen ein Foto, als ein Slide angestrahlt wird, in dem die Programme vorgestellt werden, mit denen etwa der Videoschnitt am Smartphone oder die Untertitelung erledigt werden. Das Interesse am "Wie" ist also sehr hoch bei diesem überaus weiblichen und jungen Publikum, das sich auch in den User-Zahlen wiederfindet: 94 Prozent der "Mädelsabende"-Abonnent*innen sind Frauen und 50 Prozent im Alter von 18 bis 24.

Stand: 06.05.2019, 18:55 Uhr