WDR-Film bringt Betroffene zusammen

Warum Kinder keine Tyrannen sind

WDR-Film bringt Betroffene zusammen

Das WDR Fernsehen zeigt am 11. August um 22:15 Uhr noch einmal die Dokumentation "Warum Kinder keine Tyrannen sind". Der Film von Nicole Rosenbach (Redaktion: Jessica Briegmann) hat nach seiner Erstausstrahlung am 9. August als "story im Ersten" eine außergewöhnlich große Resonanz erfahren.

"Warum Kinder keine Tyrannen sind – Das System Dr. Winterhoff" befasst sich mit dem Kinderpsychiater Michael Winterhoff. Mit seinem Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" löste er bereits 2008 eine heftige Erziehungsdebatte aus. Im Film kommen ehemalige Patient:innen und Erziehungsberechtige zu Wort und erheben schwere Vorwürfe gegen ihn. Dabei geht es vor allem um den Einsatz eines ruhigstellenden Medikaments mit dem Namen Pipamperon, das Michael Winterhoff bei Kindern auch als Langzeittherapie eingesetzt hat.

Wir haben mit der Autorin des Films, Nicole Rosenbach, gesprochen.

Frau Rosenbach, wie sind Sie denn auf das Thema gekommen?

Nicole Rosenbach: Ich habe 2015 schon zwei Filme über die Jugendhilfe gedreht (unter anderem "Mit Kindern Kasse machen") und aus dieser Zeit viele Kontakte. So bekam ich immer wieder Hinweise darauf, dass Heimkinder von Dr. Michael Winterhoff sehr fragwürdig behandelt würden.

Wie lange haben Sie für den Film recherchiert?

Nicole Rosenbach: Ein Jahr lang, aber immer wieder mit Pausen. Diese ergaben sich schon dadurch, dass es gar nicht so leicht war, an Unterlagen zu kommen…

Womit wir schon bei der Frage wären, welche Schwierigkeiten sich bei der Recherche ergeben haben…

Autorin Nicole Rosenbach

Nicole Rosenbach: Das begann schon damit, dass der betroffene Kinderpsychiater fast nichts Schriftliches an seine Patient:innen gegeben hat. Ich musste jede Anschuldigung der Betroffenen aber belegen können. Also habe ich die entsprechenden Ämter gebeten, mir Akten herauszugeben, was aber recht viel Zeit in Anspruch nahm. Es war auch nicht so, dass die Behörden besonders entgegenkommend reagiert hätten, als ich meine Anfragen gestellt habe. Und es gab leider auch keine Offenheit bezüglich des Themas bei der kassenärztlichen Vereinigung und der Ärztekammer.

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihren Film bisher bekommen und wie bewerten Sie diese?

Nicole Rosenbach: Wir haben ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass die Reaktionen auf den Film so stark sein würden. Es haben sich nicht nur viele weitere Betroffene gemeldet, sondern auch Sozialpädagog:innen und Therapeut:innen. Darüber hinaus Jurist:innen, die den Opfern ihre Hilfe kostenfrei angeboten haben.

Außerdem haben zahlreiche Zuschauer:innen Geld gespendet, damit die Betroffenen sich juristisch wehren können – man darf ja nicht unterschätzen, dass Verfahren dieser Art sich über Jahre hinziehen können und sehr kostspielig sind, wenn zum Beispiel Gutachten erstellt werden müssen.

Was der Film auch erreicht hat: Die Betroffenen haben sich zusammengeschlossen und wollen nun gemeinsam vorgehen. Sie tanken auf – bisher waren sie ganz allein.

Werden Sie an dem Thema dran bleiben?

Nicole Rosenbach: Gerade durch die überwältigenden Reaktionen, die der Film ausgelöst hat, möchten wir natürlich auch berichten, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Ich denke, dass es hier zu weiteren Fernsehberichten kommen wird. Man kann sagen: Wir sind bereits dabei.

Warum Kinder keine Tyrannen sind die story 11.08.2021 44:10 Min. UT Verfügbar bis 01.01.2099 WDR Von Nicole Rosenbach

Stand: 11.08.2021, 17:05