Der tiefe Fall der Trixie Dörfel

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl, vor ihr ein kleiner Glastisch

Der tiefe Fall der Trixie Dörfel

Im vergangenen Jahr war Sängerin und Schauspielerin Trixie Dörfel (Olli Dittrich) der strahlende Star des Weihnachts-Spezials. Ein Jahr später sind von „Trixies Wonderland“ nur noch Scherben übrig.

Es ist neun Uhr, doch das Team vom »ARD Morgenmagazin« bleibt auf seinen Positionen – bis auf die Moderatoren: Anna Planken geht, Claudia Akgün (Cordula Stratmann) kommt. Aus "Morgenmagazin" wird "Frühstücksfernsehen", bekannt aus der allerersten Folge von Olli Dittrichs "TV-Zyklus". Jetzt begrüßt die stets gut gelaunte Akgün Dittrichs Protagonistin aus dem vergangenen Jahr: die Sängerin und Schauspielerin Trixie Dörfel, natürlich gespielt vom Meisterkomiker selbst. "Wenn Realität auf Wirklichkeit trifft", sagt Olli Dittrich, als sich die beiden Figuren aus seinem täuschend ähnlichen Paralleluniversum in der Fernsehkulisse begegnen. Sein neuester Streich – "Der tiefe Fall der Trixie Dörfel – Ein Promispezial" – ist "eine bewegende Reportage aus der Welt des Show-Geschäfts", sagt die Pressemitteilung. Bei aller Tragik, die die Situation birgt – Dörfel erscheint angetrunken zum Interview – spielen Dittrich und Stratmann so saukomisch, dass die Leute vom "Morgenmagazin" immer wieder lachen müssen – einfach, weil alles so echt wirkt.

Herr Dittrich, vergangenes Jahr noch die Weihnachts-Show, alles schien so perfekt. Zu perfekt?

Eigentlich nicht, es hätte ja nicht besser laufen können für die Diva: ein neues Album mit Weihnachtsliedern auf dem Markt, ein Auftritt in einer großen ARD-Weihnachts-Show mit Stefanie Hertel, eine Hochglanz-Homestory in der Bogenhausener Villa und dann auch noch die Chance, die eigene Kosmetiklinie "TriXiebzehn" zu einem unschlagbaren Preis im Relaunch-Paket zu Weihnachten bewerben zu dürfen. Aber dann passiert, was so vielen großen Stars passiert: ein kleiner Ausrutscher, und diese schöne Welt bricht innerhalb weniger Tage zusammen. Dabei sind die BoulevardMedien natürlich auch sehr hilfreich. Nach Trixie Wonderland nun Trixie Nightmare.

Welche Rolle spielt Ex-Ehemann Peter Pudl in dem Drama?

Peter Pudl, Trixie Dörfels zweifacher Ex-Ehemann, ist ein honoriger und eigentlich zurückhaltender Grandseigneur. Ein erstklassiger Regisseur (Grimme-Preis für "Schatten ohne Wiederkehr") mit einer Engelsgeduld, was Trixie betrifft. Seit Jahren lässt er sie in seiner Villa weiter wohnen, obgleich die gemeinsamen Ehejahre dort lange vorbei sind. Er will eigentlich kein Aufsehen, und schlechte Presse braucht er schon mal gar nicht, jetzt, kurz vor Abschluss der Trilogie "Babylon München". Aber genug ist genug. Trixie hat Mietschulden in fünfstelliger Höhe bei ihm, und dass sie seine Villa für "Trixie Wonderland" als ihren Palast ans Fernsehen verscherbelt hat, ist ihm bitter aufgestoßen. Ein paar unbedachte hochemotionale Äußerungen von Trixie via BILD über ihn haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Das haben die Medien schnell kapiert und investigativ nachgefragt.

Mit welchen bekannten TV-Formaten wäre das „Promispezial“ zu vergleichen?

Es ist eine Art "Red-Explosive Brisant-Panorama-Story im Ersten", als Nachtmagazin.

Jede Folge des "TV-Zyklus" hat Sie vor spezielle Herausforderungen gestellt, sei es eine innovative Aufnahmetechnik oder das Tragen von BH und Damenschuhen. Welchen besonderen Schwierigkeiten stellen Sie sich in dieser Folge?

Trotz aller Fiktion stets bei der Wahrheit zu bleiben. Trixie Dörfel und die ihr widerfahrende gnadenlose Fratze des Boulevards haben wir natürlich frei erfunden. Könnte aber alles wahr sein, das ist der Witz. Zum Lachen ist das, aber eben keine Comedy. Diese Balance zu halten, ist immer die größte Herausforderung.

Es geht, wie der Titel sagt, um den tiefen Fall eines Stars: Geht der Boulevard-Journalismus unfair mit gefallenen Helden um?

Fragen Sie Boris Becker.

Sie sind selbst ein Prominenter. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Kollegen von der Presse?

Eigentlich ganz gut, Schwein gehabt. Ich bin aber auch kein Glamour-Boy, der mit seinem Privatleben offensiv eine Steilvorlage nach der anderen liefert. Und über meine Arbeit ist eigentlich fast immer recht fair berichtet worden, auch wenn die Kritik gelegentlich hart war.

Warum sind so viele Menschen eigentlich so scharf auf Promiklatsch? Immerhin lebt ein ganzes Genre des Journalismus davon.

Na ja, ich denke, der naturgegebene Voyeurismus, der wohl in jedem von uns schlummert, wird gut gekitzelt durch die Stories aus der Welt des Reichen, Bunten und Schönen. Oder jenen, die dazu gemacht werden, die dann eher bekannt dafür sind, bekannt zu sein. Man ist halt neugierig, wie die Prominenz so lebt und liebt, Geld ausgibt oder mit Schulden verarmt, heiratet oder sich wieder trennt, betrügt, belügt oder wieder versöhnt. Nüchtern oder besoffen. Hauptsache: irgendwie Drama.

Was glauben Sie: Kommt Trixie Dörfel, die, wie ich mit allem Respekt behaupten würde, doch ein "altes Zirkuspferd" ist, wieder auf die Beine?

Natürlich, denn es gibt immer Zuversicht! Und wir sehen und hören auch einiges davon. Trixie Dörfel und ihr ’73er-Hit "Zwei Kugeln Eis mit Sahne" wird endlich wieder zu hören und zu sehen sein. Ein Evergreen, ein Leckerbissen für Alt und Junggebliebene.

Das Interview erschien in der aktuellen Dezember/Januar Ausgabe des WDR print Magazins.

Stand: 13.12.2018, 15:32