Hat sich der WDR arm gerechnet?

Hat sich der WDR arm gerechnet?

"Spiegel" und "Spiegel Online" kommen zu dem Schluss, der WDR habe sich arm gerechnet. Stimmt das? Ein Faktencheck.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (KEF) hat dem WDR 60,7 Millionen Euro für die kommende Beitragsperiode gestrichen. Grund: Der WDR habe das Geld in der Vergangenheit zwar beantragt und erhalten, aber nicht ausgegeben. Das berichten aktuell der "Spiegel" und Spiegel Online - und kommen zu dem Schluss: Der WDR hat sich arm gerechnet. Aber stimmt das? Ein Faktencheck.

Hat sich der WDR ärmer gerechnet, als er ist?

Nein, das hat er nicht. Für die Instandhaltung des Filmhauses hatte der WDR in seinem Haushalt Mittel zurückgestellt. Diese hat er tatsächlich bisher nicht für diesen Zweck ausgegeben. Stattdessen hat er die Mittel genutzt, um den Kauf des Hauptstadtstudios Berlin sowie der WDR-Arkaden vorzufinanzieren.

Durfte der WDR das Geld denn überhaupt für diese Projekte ausgeben?

Ja, denn beide Maßnahmen waren bereits von der KEF genehmigt und die entsprechenden Mittel bewilligt. Allerdings stand das Geld noch nicht vollständig zur Verfügung, der WDR hätte also Kredite aufnehmen müssen. Dies wäre für die Beitragzahler aber die deutlich teurere Lösung gewesen.

Aber fehlt jetzt nicht das Geld für die Instandhaltung des Filmhauses?

Nein, denn hierfür kann der WDR jetzt die Mittel verwenden, die für die anderen Maßnahmen, also das Hauptstadtstudio und die Arkaden, bewilligt wurden. Diese fließen in Form des Rundfunkbeitrags an den WDR zurück und stehen damit wiederum für das Filmhaus zur Verfügung.

Wenn der WDR für die Sanierung des Filmhauses 130 Mio. Euro bei der KEF angemeldet hat, kassiert er dann doppelt? Er hat dafür doch bereits Geld zurück gestellt.

Nein, der WDR kassiert nicht doppelt. Die KEF hat dem WDR für die Sanierung des Filmhauses 130 Mio. Euro anerkannt. Diese werden zum Großteil durch die bereits gebildeten Rückstellungen finanziert. Für den Teil, der durch Rückstellungen finanziert wird, fließt nicht noch einmal Geld, dieses hat der WDR im Zuge der Rückstellungsbildung bereits bekommen.

Wie kommt die Summe von 130 Mio. Euro für das Filmhaus zustande? In der Presse waren niedrigere Zahlen zu lesen.

Die 130 Mio. Euro sind die Gesamtkosten für das Projekt, in der Summe sind auch Kosten z.B. für die technische Ausstattung des Gebäudes oder den Umzug der Mitarbeiter enthalten. Die niedrigeren Zahlen bezogen sich auf die reinen Baukosten.

Stand: 27.02.2016, 11:18