Medienkompetenz statt Mathe

Unter professioneller Anleitung wurden beim ARD_Jugendmedientag im WDR eigene Formate produziert.

Medienkompetenz statt Mathe

Vier Schulklassen aus dem WDR-Sendegebiet haben am ARD-Jugendmedientag ihre eigene Radio- bzw. Fernsehsendung produziert. Rund 100 Jugendliche nutzten das Mitmach-Angebot in der Medienwerkstatt WDR STUDIO ZWEI.

"Trump ist tot, Gucci ist pleite und es gibt Pläne für die Modernisierung von Schulen", sagt Alva in die Kamera. Die Schülerin ist eine von über 100 Jugendlichen, die das Mitmach-Angebot in der Medienwerkstatt WDR STUDIO ZWEI am 12. November 2019 genutzt hat. Vier Schulklassen aus dem Sendegebiet haben dort am ARD-Jugendmedientag ihre eigene Radio- bzw. Fernsehsendung produziert.

Unterstützung erhielten sie dabei von Clare Devlin vom Funk-Instagram-Kanal "Mädelsabende" und Ralph Caspers, der unter anderem "Die Sendung mit der Maus" moderiert. Die 1LIVE-Moderatorin Tina Middendorf gab dem Radio-Team eine exklusive Führung durch den Sender, Matthias Opdenhövel von der "Sportschau" meldete sich per Videobotschaft beim Fernseh-Team.

Auch Ralph Caspers (rechts), der unter anderem die "Sendung mit der Maus" moderiert, unterstützte die Nachwuchsreporter*innen.

Zuerst hieß es aber noch zuhören: Die Coaches, die die Jugendlichen durch den Tag begleiten, erklären, wie Sendungen fürs Radio und Fernsehen produziert werden, welche Jobs dafür nötig sind, wie Social Media einbezogen wird und woran man Fake News erkennt. Erst dann geht es an die Arbeit.

Der Blick hinter die Kulissen

Charlotte und Finya wollen die Radio-Sendung moderieren. Wie ihr erster Satz on air lauten soll, wissen sie schon: "Jo Leute, anlässlich des ARD-Jugendmedientags stehen wir beide heute mit unserem Deutsch-LK im Studio." Jo Leute, das klinge locker, nicht so abgelesen und passe gut zur Zielgruppe, begründen die Schülerinnen ihre Wortwahl. Moderieren, das wollten die beiden schon immer mal, jetzt haben sie endlich die Gelegenheit.

Parallel erklärt die Technikerin Elke Kühr den Schülern Noah, Mark und Robert die bunten Lampen und Knöpfe am Radio-Mischpult. Und dann geht es auch schon ans Ausprobieren. Die Technikerin verschwindet in der gläsernen Sprecherkabine, Mark zählt von zehn runter, schiebt einen Regler hoch. Laut ertönt ein Jingle, die Erkennungsmelodie von 1LIVE. Die Jungs können sich ein Grinsen nicht verkneifen, das finden sie offensichtlich cool. "Wir interessieren uns einfach für Technik und dafür, was hinter den Kulissen passiert. Deswegen haben wir uns heute für diesen Job entschieden", sagen die Schüler.

Das Ergebnis stimmt offensichtlich: Mit Clare Devlin (links) hören sich die jungen Leute ihre eigene Sendung an.

Bevor die Schüler*innen ihre eigene Sendung gemeinsam mit Clare Devlin anhören, setzt sich die Journalistin zu ihnen, stellt sich den Fragen der Klasse und erzählt aus ihrem Arbeitsalltag: Erstaunt sind die jungen Leute darüber, wie viel hinter den Kulissen geplant und organisiert ist. Dass der Text beim Kollegengespräch, das sie gerade selbst im Studio geführt haben, tatsächlich schon vorher feststeht zum Beispiel. Und auch, dass auf Instagram die meisten Beiträge inszeniert sind, scheint die Schüler*innen dann doch zum Nachdenken zu bringen.

Über Trump und Marshmallow-Regen

Im Studio gegenüber produzieren die Schüler*innen einer anderen Klasse ihre eigene Fernseh-Sendung. Emil, Leon und Tobias haben sich für den Job als Redakteure entschieden und bereiten die Nachrichten und das Wetter vor. Es soll um Wirbelstürme in Deutschland gehen. Trump soll auf jeden Fall auch ein Thema sein. Sie recherchieren und diskutieren über ihre Ideen. Als sie sich schließlich geeinigt haben, tippen sie die Nachrichten in ein Tablet. Der Text erscheint dann später auf dem Telepromter.

In der Regiezone A sitzt jeder Handgriff.

Antonia und Elena bereiten sich derweil auf das Interview mit Ralph Caspers vor und schauen dafür ins Internet. "Wir können ja nichts fragen, was schon überall im Netz steht", überlegt Antonia. Aber ob Moderator schon immer sein Traumjob war und ob er aufgeregt ist vor der Sendung, wollen sie auf jeden Fall wissen.
Dann ist auch schon Zeit für die Aufzeichnung, es wird lauter und wuseliger. "5, 4, 3, 2", zählt jemand runter und es geht los: "Kommen wir nun zu den Nachrichten", sagt Alva. "Es wird vermutet, dass Trump gestorben ist." Weitere fiktive Nachrichten und das Wetter folgen – mit Wirbelstürmen und Marshmallow-Regen, ein Grinsen kann sich Co-Moderator Jacob nicht verkneifen.

Medienkompetenz soll Spaß machen

"Mein Highlight war, dass Ralph Caspers heute da war", sagt Alva nach dem Drehtag. "Aber es war auch toll zu sehen, was man alles mit der Technik machen kann. Jetzt haben wir einen Blick dafür, was da so im Hintergrund passiert und wir haben gelernt, wie schnell man auf Tricks reinfallen kann."

Ein Ziel des Projekts: Schüler*innen sollen unterscheiden können, was Fake News und reale News sind.

"Uns ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln, aber auch zu zeigen, dass der WDR ein Sender ist, der Spaß macht", sagt Annette Busch-Wiesenthal, Projektleiterin des ARD-Jugendmedientags beim WDR. "Wir wollen Orientierung geben in dem großem Dschungel der Sender und Social Media, damit die Schüler*innen unterscheiden können, was Fake News und was reale News sind."

Und Medienpädagogik steht beim WDR nicht nur zum Jugendmedientag auf dem Programm: WDR-Kinderstudio, WDR-Kinderführung und das WDR STUDIO ZWEI bieten an allen Werktagen außerhalb der Ferien Kindern und Jugendlichen spannende Einblicke in die Arbeit und das Programm des Hauses.

Stand: 14.11.2019, 11:22