Hörfunk 1985-2005: In der Konkurrenz konkurrenzlos

Hörfunk 1985-2005: In der Konkurrenz konkurrenzlos

Mut, etwas anderes zu machen, Mut zum Neuen blieb eine WDR-Tugend, die im Rückblick einen guten Teil des Erfolgs auch des WDR-Hörfunks in einer veränderten Medienwelt ausgemacht hat.

Ulrike Wöhning

1986 moderierte Ulrike Wöhning als erste Frau das WDR-"Mittagsmagazin". Im "Morgenmagazin" hatte Chefredakteur Dieter Thoma schon etwas früher eine Doppelmoderation eingeführt, in der auch Stimmen von Moderatorinnen zu hören waren. Frauen in den aktuellen Magazinen signalisierten eine gesellschaftlich relevante Veränderung im WDR-Hörfunk. Der Klang der Programme wurde entschieden weiblicher und Frauen begründeten eine neue Kultur der Hörernähe.

1986 moderierte Ulrike Wöhning als erste Frau das WDR-"Mittagsmagazin". Im "Morgenmagazin" hatte Chefredakteur Dieter Thoma schon etwas früher eine Doppelmoderation eingeführt, in der auch Stimmen von Moderatorinnen zu hören waren. Frauen in den aktuellen Magazinen signalisierten eine gesellschaftlich relevante Veränderung im WDR-Hörfunk. Der Klang der Programme wurde entschieden weiblicher und Frauen begründeten eine neue Kultur der Hörernähe.

Senden, was die Hörer wollen: Nach dieser Formel bauten die kommerziellen Programmveranstalter in den 90er Jahren Sender auf, die binnen kurzer Zeit den Radiomarkt gravierend veränderten. Die Hörerforschung hatte Konjunktur und lieferte einfache Rezepte. Doch der Quotenwettlauf nach Rezept hätte das öffentlich-rechtliche Grundgesetz des Rundfunks ad absurdum geführt. Und die Erfahrung hatte gelehrt, dass Hörer durchaus lernfähig sind, mit Programmveränderungen also Erfahrungen machen, die zu Akzeptanz führe, wie sie bei einer Abfrage der Hörerpräferenzen zunächst unvorstellbar waren. Anders wäre zum Beispiel der stabile Aufstieg des "Mittagsmagazins" nicht zu erklären gewesen.
Bild: Chefsprecher Lothar Dombrowski im Studio des "Mittagsmagazins", 1986.

Früher als im Fernsehen war im Radio erwiesen, dass es große Programme für alle nicht mehr geben kann. Vielmehr haben die Radioprogramme mehr oder minder große Hörergruppen um sich geschart. Der Umbau des WDR-Hörfunks in sechs Programme war demnach konsequent und die moderne Antwort auf die Entwicklungstendenz des Hörfunks als Medium. Die Redaktion um eine Welle zu gruppieren, begann mit Eins Live. Das Konzept erwies sich als großer Erfolg und wurde in weiteren Reformschritten auf die anderen Hörfunkprogramme übertragen.
Bild: Die Eins Live-Redaktion 1997: v.l. Thomas Roth, Gerald Baars, Jessica Grether, Sandra Kölker, Petra Brandl, Mike Litt, Alexandra Wostrak, Andreas Neuhaus, Stephanie Ullmann, Alexander Walbeck und Anna Brandt

Aus WDR 4 wurde 1984 endgültig ein Vollprogramm. Leichte Schlagermusik überwiegend deutscher Provenienz und kurze, kompakte Informationen täglich von 6.00 bis abends 22.30 Uhr führten zu einem riesengroßen Erfolg beim Publikum in Nordrhein-Westfalen. Die Popularität stieg immer weiter an, die "Morgenmelodie" wurde bereits 1987 mit beinahe drei Millionen Hörern die meistgehörte Sendung des gesamten WDR-Hörfunks und kletterte an die Spitze der einschaltstärksten Programme in Deutschland.
Bild: 10 JAHRE WDR 4 1994 h.v.l.: Wolf-Dieter Stubel, Charly Wagner v.v.l.: Ulla Norden und Rolf Röpke

WDR 3 blieb seinem kulturell geprägten Profil treu, sendete klassische Musik, anspruchsvolles Wortprogramm vom "Kritischen Tagebuch" bis zu politischen Features und Dokumentationen: ein Programm für eine gebildete, anspruchsvolle und radiogeübte Minderheit.
Bild: MUSHROOM TALK 18.07.1986 In einem Studio des WDR in Köln trafen sich prominente Vertreter der Kunst- und Musikavantgarde zu einem mittlerweile legendären Pilzhappening: John Cage, George Brecht, Gerhard Rühm, Frans van Rossum, Dieter Schnebel, Klaus Schöning und Wolfgang Becker-Carsten. Sie saßen um einen Tisch, in dessen Mitte unter dem Mikrofon eine Schüssel mit Pilzen und einer delikaten Sauce standen, die sie im Laufe von zwei Stunden aßen und dabei plauderten.

WDR 2 hatte in den 80er Jahren WDR 1 längst sowohl in der Popularität beim Publikum als auch im Ansehen innerhalb des WDR abgelöst. Das Bedürfnis nach politischer Analyse und Erläuterung hatte nachgelassen, im Vordergrund stand zunehmend das Interesse an Service und an aktuellen, kurzen Informationen. Rock- und Popmusik lieferte dafür den angemessenen musikalischen Hintergrund. Die großflächigen Magazinsendungen am Morgen und Mittag prägten den Programmalltag von WDR 2. Experimentierfreudig blieb die Sendestrecke am Vormittag.
Bild: 25 Jahre "Morgenmagazin" in WDR 2 am 13. Februar 1992: Manfred Breuckmann und Christine Lemmen live aus dem Gläsernen Studio, zusammen mit Redakteur Peter Klunkert.

"Weltweit - nah dran". Mit diesem Slogan startete WDR 2 am 2. Januar in das Jahr 1995. Und das war Programm: Nicht mehr nur Auslandskorrespondentenberichte aus aller Welt und das aktuelle politische Geschehen aus Bonn und Düsseldorf waren dort zu erfahren. Auch regionale Nachrichten hatten ab sofort ihren Platz in WDR 2. Jeweils zur halben Stunde vormittags und nachmittags lieferten jetzt neun regionale Studios stündlich einen kurzen Nachrichtenblock. Dafür wurde die Frequenzkette auseinander geschaltet, sodass jede Region die sie betreffenden Nachrichten erhielt.
Bild: Die Arena im Programmzentrum von WDR 2 im Funkhaus Wallrafplatz, 2003.

Mit dieser Reform wurden erstmals für ein WDR-Radioprogramm neue organisatorische Strukturen eingeführt. Der "WDR 2 Desk" wurde ein Sendezentrum, in dem die Redakteure für die aktuellen Sendungen mit den Moderatorinnen und Moderatoren sowie den Technikern im Team zusammenarbeiteten. So wurde eine Planung für den ganzen Tag möglich, die die Doppelungen von Themen verhindern und gleichzeitig zeitsparende Koordination möglich machen sollte. Erstmals wurde mit der Einrichtung des Desk und der Wellenleitung die Verantwortung für ein 24-stündiges Programm auf ein Team übertragen.
Bild: Im Programmzentrum von WDR 2, Live-Sendung vor Publikum.
Die Programmreform hatte auch ihren Preis. Eingeführte Marken des WDR 2-Programms wie "Daheim und unterwegs" und das "Zeitzeichen" verschwanden aus dem Vormittag und wechselten die Welle. Ziel war ein Programm "aus einem Guss", mit einheitlicher Musikfarbe und wiedererkennbaren Programmtrailern und -trennern.

Die große Programmreform von WDR 5 am 1. April 1995 war das Ende der "Nordrhein-Westfalen-Welle". In den Regionalstudios wurden die Morgensendungen eingestellt, stattdessen gab es jetzt aktuelle Nachrichten über den Tag verteilt im Programm von WDR 2. An die Stelle der Magazine aus den Landesstudios trat in WDR 5 eine neue große politische Sendung, das "Morgenecho". "WDR 5 Radio" hieß nun das neue Programm.
Bild: WDR 5 "Morgenecho" 01.12.2004, Thomas Schaaf moderiert.

Noch gab es keinen Wellenchef bei WDR 5, die Arbeit teilten sich Werner Sökeland (Bild) für die Politiksendungen, Wolfgang Schmitz koordinierte den Vormittag und Hans Friemond den Nachmittag.

Die fünfte Welle blieb im ersten Anlauf hinter den Erwartungen der Redaktion zurück. "WDR Radio 5 hatte zu viel Kopf und zu wenig Emotion", so Wolfgang Schmitz (Bild) zu WDR Radio 5 vor der Reform 1997. Gefragt waren eine persönlichere Ansprache der Hörer sowie mehr Abstimmung im Tagesverlauf. Die Fachredaktionen sollten sich mit ihren Beiträgen stärker an den Sendeplätze orientieren. Als Wellenchef übernahm Wolfgang Schmitz diese Herausforderung.

Einige wichtige Änderungen traten am 1. September 1997 in Kraft: Die Sendestrecken wurden live moderiert, und es gab wieder Musik. Instrumentale Titel wurden eingespielt, zur Erholung für die Hörer zwischen langen Wortstrecken. Der Tag gliederte sich in Abschnitte, die einerseits die Vielfalt der Themen und Formen aufnehmen konnten und trotzdem Spielräume zuließen. Diese neue Struktur schaffte es, die Hörer anzusprechen und an das anspruchsvolle Programm zu binden. Stück für Stück konnten immer mehr Menschen gewonnen werden, WDR 5 einzuschalten.
Bild: WDR 5 Radiotag: SCHRÄGE ORTE - STARKE PLÄTZE am 22.07.2004. Wolfgang Schmitz, Monika Piel und Reporter Fritz Pleitgen am südlichsten Punkt des Landes NRW - der Nordspitze der Insel Nonnenwerth.

Während sich WDR 5 Schritt für Schritt entwickelte, trat Eins Live mit einem Paukenschlag auf den nordrhein-westfälischen Hörfunkmarkt. Am 1. April 1995 verschwand WDR 1, und es gab was auf die Ohren, nämlich die öffentlich-rechtliche Antwort auf formatiertes Privatradio, zugeschnitten in Form und Inhalt auf den Radionachwuchs ab 14 Jahren.

Vom Sendestart an galten für Eins Live eigene Regeln. Nicht nur, dass erstmals im Namen des Programms der WDR gar nicht vorkam, die öffentlich-rechtliche Herkunft also bewusst verschwiegen wurde. Auch räumlich separierten sich Redaktion und Technik Stück für Stück, zogen aus der Innenstadt und dem Umfeld des WDR-Funkhauses in den Kölner Mediapark.

Eins Live hatte von Anfang an ein klar strukturiertes Format. Die Überschriften der Sendestrecken waren auf die Zielgruppe abgestimmt, und vor allem die Ansprache und die Musik setzten Eins Live von den anderen WDR-Programmen deutlich ab. Hohen Stellenwert hatte die Hörerbeteiligung, die das Publikum an das Programm binden sollte und die durch Interaktivität wirksam unterstützt wurde. Gerade in der Zusammenführung der damals noch neuen Medien Internet und Email war Eins Live bahnbrechend.

"Domian" begann in Eins Live mit seinem Nachttalk, der später zeitgleich im Fernsehen übertragen wurde, und etablierte damit ein ganz spezielles Talkradio nach dem Vorbild US-amerikanischer Radiosender.

Die Idee, mit dem Publikum in Kontakt und ins Gespräch zu kommen, hat im WDR eine lange Tradition. Seit Anfang der 80er Jahre verstanden sich einzelne Redaktionen mit ihren Sendungen als Anwälte des Publikums und wollten eine größtmögliche Nähe herstellen.
Bild: WDR 5, "Funkhaus Wallrafplatz", 10.07.1994, Livesendung aus dem Radiomobil vom Wallrafplatz in Köln. Moderation: Dorothee Dregger, zu Gast: die Theologin Uta Ranke-Heinemann.

Das Internet ermöglichte eine neue Qualität der Kommunikation mit dem Publikum. Für jedes Programm wurden außerdem eigene Hotlines eingerichtet. Die schnelle Kommunikation erhöhte die Bindung und die Nähe an den Sender; gleichzeitig weckte sie aber auch Ansprüche und Erwartungen.
Bild: "Funkhaus Wallrafplatz" 10.07.1994 Livesendung vom Wallrafplatz in Köln. Moderation: Dorothee Dregger. Zu Gast: Der Schauspieler Peter Millowitsch.

Gerade auch im Hinblick auf die wachsende Konkurrenz durch kommerzielle lokale Hörfunkprogramme bündelte der WDR-Hörfunk seine Kompetenz, schnell und seriös zu berichten. Möglich wurde das durch längere Magazinstrecken, wie die Sendung "Zwischen Rhein und Weser", die 1991 erweitert wurde. Mit dem "Abendmagazin" schaffte der WDR die Möglichkeit, die Hörer auch nach 19.00 Uhr aktuell zu informieren. Später kam vormittags die "Westzeit" dazu. Die Sendungen wurden immer stärker miteinander verzahnt. Organisatorisch wurde dafür die Grundlage geschaffen, als 1993 der WDR 2-Desk als zentrale Schalt- und Arbeitsstelle der Redaktion eingeführt wurde.
Bild: 40 Jahre "Zwischen Rhein und Weser" 30.04.1990 v.l.: Brigitte Müller, Ulrich Wollenweber, Ulrich Hinz (Leiter), Ralf Andreas Bürk und Barbara Blum-Willmes

In enger Absprache mit den Redaktionsteams der einzelnen Sendungen sorgten ab 1993 der Wellenredakteur am Desk und der Desk-Leiter dafür, dass kein Thema versehentlich doppelt behandelt wird, dass Entwicklungen fortgeschrieben und Akzente im Programm gesetzt werden. Der Desk im WDR 2-Sendezentrum ist rund um die Uhr besetzt, um jederzeit aktuell reagieren zu können.
Bild: Modell des Programmzentrums von WDR 2.

Das Angebot an aktueller Information sei seit Mitte der 80er Jahre im Radioprogramm insgesamt gewachsen, so die WDR-Chefredakteurin Helga Kirchner. Der Grund dafür sei nicht nur die Zunahme der Magazine auf der Informationswelle WDR 2, sondern auch die vielfältigen Angebote in den anderen Programmen. Parallel zu dieser Programmerweiterung differenzierten sich die Informationssendungen entsprechend der Zielgruppen.
Bild: Im WDR 2-Programmzentrum

Seit Mitte der 80er Jahre hat sich die Arbeit der Hörfunk-Korrespondenten sowohl inhaltlich als auch technisch enorm verändert. Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen Korrespondenten die Vorgänge vor allem kommentierten und in ihren Auswirkungen abschätzten, steht heute die Tagesaktualität im Vordergrund.
Bild: ARD-Korrespondent Marcel Pott in Amman/Jordanien.

"Man muss sich einmischen" - das war das Motiv von Gerda Hollunder, die nach Buchhändlerlehre, Studium und ersten Hörfunkerfahrungen beim BR 1971 zum WDR kam. Frauen, Gesellschaft, Kultur waren die Themenschwerpunkte der auch gewerkschaftlich engagierten Redakteurin. 1992 wurde sie Kulturchefin im WDR, 1994 Programmdirektorin des Deutschland-Radios Kultur in Berlin..

Die Kommerzialisierung der Medienlandschaft veranlasste Mitte der 80er Jahre vor allem auch die Journalisten im Programmbereich Kultur, über die Grundsätze und Perspektiven ihrer Ressorts im WDR nachzudenken. Klar war, dass der Kulturauftrag des Senders alle Hörer einschließen musste: Die Hörer behielten unabhängig von Quoten den Anspruch auf eine formal wie inhaltlich optimale Vermittlung. Die Kulturberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk umfasste die Darstellung und kritische Begleitung aller kulturellen Prozesse: die Alltagskultur, die Bildung, die Wissenschaften, das künstlerische Leben und Schaffen sowie die vielseitigen Diskussionen über das gesellschaftliche Zusammenleben. Dabei legte der WDR besonders großen Wert auf Qualität in der Kulturberichterstattung, um sich von den Privatsendern abzugrenzen.
Bild: Jürgen Keimer, seit 1977 beim WDR, saß in den unterschiedlichsten Sendungen vor dem Mikrofon: unter anderem in der "Radiothek" oder den "Funkhausgesprächen". Parallel dazu entwickelte er als Redakteur neue Kulturformate wie "Die Budengasse" oder "Scala" mit.

Glanzstücke aus Kleinkunstkneipen und Kabarettbühnen standen seit 1967 im Mittelpunkt der "Unterhaltung am Wochenende" (Bild: Die Spieß-Girls) . Seit 1993 wurde die Sendung vor Publikum aufgezeichnet oder live ausgestrahlt. Durch die gesamte Radio-Unterhaltung zog sich das Kabarett wie ein roter Faden: Die "WDR-Kabarettfeste" oder die "Brettlspitzen" wurden vielen Fans ein Begriff.

1997 wurde das Spektrum der Unterhaltung erheblich erweitert. Die "Ohrenweide" ging auf Sendung (2004 umbenannt in "SpielArt", ein Joint Venture zwischen Unterhaltung und Hörspiel.
Bild: WDR 5-"SpielArt": Kein Land wie Rheinland. Fünf Jahrzehnte Hörbilder aus dem Rheinland. Armin E. Möller (r.) und Udo Prenzel (l.) bei der Recherche (1999).

Das Hörspiel blieb im WDR ein anerkanntes und gepflegtes Programmelement. Die Radiokunst wurde ein wichtiges Minderheitenprogramm und stärkte das Profil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein Trend war neben bewährten Formen die Adaption erfolgreicher zeitgenössischer Literatur. Durch solche Produktionen wurde der Sender auch in den Buch- und Musikläden präsent, denn die Hörspiele wurden nun auch kommerzielle verwertet. Hörspiele auch an öffentlichen Plätzen aufzuführen war ein weiterer Trend.
Bild: Wolfgang Schiffer kam 1976 als Hörspieldramaturg zum WDR, 1991 bis 2000 war er Leiter der Programmgruppe Künstlerisches Wort, danach Leiter der PG Wort WDR 3. Seit 2008 stand er der PG Hörspiel und Feature vor und betreute bis zu seiner Pensionierung 2011 die Sendung WDR 3 Hörspiel.

Die Ausrichtung der WDR-Wellen an unterschiedlichen Zielgruppen eröffnete dem WDR-Hörspiel weitere neue Möglichkeiten für Experimente, vor allem in der Verbindung von Jugend und Kultur. Beim "TelefonHörerMassaker" konnten sich 1997 die Hörer von Eins Live erstmals in ein interaktives Hörspiel einschalten. Michael Thorbecke (Bild) sprach den Privatdetektiv Ernst Christian Lüdtke.

Dass das Hörspiel immer bewusster in die Profile der WDR-Wellen einbezogen wurde, bereicherte die so unterschiedlichen Programme, kam aber vor allem der Existenzsicherung des Hörspiels selbst zugute. Der Versuch, das Hörspiel näher mit dem Programmumfeld zu verbinden, hatte bereits in den 80er Jahren eingesetzt und wurde immer weiter verfeinert.
Bild: Eins Live-Lauschangriff: Lars Rudolph sprach die Rolle des "Ager" in dem Krimi-Hörspiel "Rache" (2005).

Immer noch übertrugen 2004 die evangelische und katholische Kirche jeweils wochenweise Verkündigungssendungen wie Gottesdienste oder Andachten. Dabei haben sich parallel zu den Wellenprofilen eigene Formen entwickelt, sodass sich nach Zielgruppe die kirchlichen Beiträge im Radio unterscheiden. Die Redaktion "Religion/Theologie/Kirche" berichtete sowohl mit Kurzbeiträgen für die aktuellen Sendungen der WDR-Wellen als auch in eigenen Sendungen immer wieder - und nicht selten kritisch - über aktuelle Ereignisse.
Bild: Ekkehard Pohlmann arbeitete von 1988 bis 2004 in der Redaktion.

Die Nutzung der muttersprachlichen Hörfunksendungen des WDR schwand in der ersten Hälfte der 90er Jahre. Dieser Entwicklung wollte der damalige Hörfunkdirektor Fritz Pleitgen 1995 mit einem kosmopolitischen Vollprogramm entgegentreten. Im Mittelpunkt sollte in diesem Programm die Kommunikation zwischen Deutschen und Einwanderern stehen. 1998 wurde aus dem Konzept Programmrealität.
Bild: Im Rahmen ihres Journalistik-Studiums an der Uni Dortmund absolvierte Jona Teichmann 1985/86 ein Volontariat beim WDR in Köln. Später dort als Redakteurin festangestellt, wurde sie 2003 Chefin von "Funkhaus Europa".

Im August 1998 ging das "Kleine Funkhaus Europa" erstmals auf Sendung, ein 12-Stunden-Programm in Kooperation mit dem Berliner "Radio Multikulti". In das deutschsprachige Programm waren die muttersprachlichen Sendungen integriert und wurden Anfang 1999 um Polnisch und Russisch erweitert. Im Mai 1999 wurde das Programm massiv ausgeweitet: "Funkhaus Europa" blieb zwar organisatorisch an WDR 5 angeschlossen, sendet aber seitdem 24 Stunden täglich.
Bild: Erkan Arıkan, Leiter der Türkischen Redaktion beim Jubiläum "40 Jahre Köln Radyosu" am 30. November 2004.

Eine Sendung, die Menschen im mittleren Alter ansprechen soll, alte Leute nicht zu Greisen macht und die auch noch Hundertjährige ernst nimmt - das war das Programm, das der WDR-Redakteurin Gretel Rieber (Bild) vorschwebte. Und so konzipierte sie 1986 für die noch junge Welle WDR 4 die Sendereihe "In unserem Alter" für Menschen ab 50. Die Themenspanne reichte von Unterhaltung über Politik bis hin zu Literatur und Psychologie. Auch heute gehört die Sendung noch zum festen Programm auf WDR 4.

Mitte 1986 schlug WDR 1 insgesamt eine neue Richtung ein. Das Programm wollte am Nachmittag verstärkt junge Leute ansprechen, und aus "Rotlicht" wurde "Riff", der Wellenbrecher auf WDR 1. Eingerahmt wurde "Riff" auf WDR 1 durch Jugendsendungen wie "Hit Chips" und die "Flipp-Zeit". Doch das Mischprogramm WDR 1 brachte im dualen Rundfunksystem in den 90er Jahren nicht mehr genug Quote. Etwas Neues musste her - und es kam Eins Live.

Am 1. April 1995 ging es an den Start. Klassische Jugendthemen sollte es auf dieser Welle nicht mehr geben, dafür aber eine generationstypische Herangehensweise an die Alltagswelt. Fetzige Sendungen mit aktueller Musik waren das Sanierungsrezept für das angeschlagene Programm von WDR 1.
Bild: Eins Live Sommerparty, 1998.

Das Kinderprogramm hatte in den 80er Jahren im WDR einen schwierigen Stand. Am 2. Dezember 1990 ging dann "Lilipuz" mit einer Mischung aus Fiktion und Journalismus an den Start. Dieser Mix kam in den einstündigen Sendungen sonn- und feiertags gut an. Ab 1995 ging "Lilipuz" dann täglich auf Sendung - zuerst eine halbe Stunde und ab September 1997 fast eine Stunde lang.
Bild: von 1998 bis Ende 2003 hatte eine weitere Sendung des WDR-Kinderprogramms ihren Stammplatz auf der Kulturwelle WDR 3. "Papageno" war die erste Kindersendung im Hörfunk, die sich auf Musik spezialisiert hatte. 40 Minuten lang bot sie jeden Sonntag eine bunte Mischung aus Reportagen und Berichten, Hörspielen, Live-Interviews, Rätselaufgaben und Mitmach-Aktionen an.

Im Programmschema stellte die "Musikszene West" den Informationsbrennpunkt für Musik in Nordrhein-Westfalen dar: Redaktionen in den Landesstudios richteten die "Musikszene West" nach Wochentagen abwechselnd aus. Ab 1984 ging die "Musikszene West" zunächst montags bis freitags über WDR 1 auf Sendung. Nach dem Start von Eins Live wechselte sie auf WDR 3.

Im Zuge der partnerschaftlichen Zuwendung des WDR-Hörfunks zum Kulturleben in NRW entstanden spartenübergreifende Projekte wie die Wettbewerbsserie "Stadtmusik" und die Nachfolgereihe "Soundfabrik". Besondere Partnerschaften ging der WDR durch die "Rheinischen Musikfeste" ein. Galten die Festivals zunächst dem Musikleben und der Musikgeschichte der ausrichtenden Stadt, so stand seit 1989 zumeist eine ganze Region im Mittelpunkt. Ab 2006 führte der WDR die zuvor regional getrennten Musikfeste unter dem Titel "WDR Musikfest" weiter.
Bild: Rheinisches Musikfest Bonn mit der Violinistin Arabella Steinbacher und dem WDR Sinfonieorchester, 19. Juni 2005.

Mit unverminderten Anspruch widmete sich die Konzertreihe "Musik der Zeit" dem zeitgenössischen Schaffen. 1997 wechselte die Leitung von Wolfgang Becker-Carsten zu Harry Vogt, der schon seit 1991 die Konzerte regelmäßig betreut und auch die Leitung der "Wittener Tage für neue Kammermusik" innehatte. Er pointierte dort aktuelle Strömungen der Musik und ergänzte die Konzerte um Klanginstallationen, Ausstellungen und Musiktheater.
Bild: Das Nacht-Labor bei den "Wittener Tagen für neue Kammermusik", 2005.

Stand: 06.04.2016, 17:43 Uhr