Der Mann für gewisse Stunden wird 70

Der Mann für gewisse Stunden wird 70

Von Antonia Kasparek

Am 31. August 2019 feiert US-Schauspieler Richard Gere seinen 70. Geburtstag. 1980 wurde er mit dem Film "American Gigolo" ("Ein Mann für gewisse Stunden") zum Star.

Erfolg und Sex-Appeal haben Richard Gere zu einem von Hollywoods Großen gemacht. Doch heute ist er fast genauso bekannt für sein politisches Engagement. In den rund 50 Jahren seiner Karriere überzeugte er als Finanz-Jongleur, Cop, Psychiater genauso wie als charmanter Geschäftsmann, Reporter, Anwalt oder Obdachloser.

Erfolg und Sex-Appeal haben Richard Gere zu einem von Hollywoods Großen gemacht. Doch heute ist er fast genauso bekannt für sein politisches Engagement. In den rund 50 Jahren seiner Karriere überzeugte er als Finanz-Jongleur, Cop, Psychiater genauso wie als charmanter Geschäftsmann, Reporter, Anwalt oder Obdachloser.

Geboren wird Richard Tiffany Gere 1949 in Philadelphia. Sein Vater ist Versicherungsvertreter, die Mutter Hausfrau. Schon als Kind hat er Spaß an Musik, spielt Klavier, Gitarre und Trompete. Parallel entdeckt er den Sport, fährt Ski. Ein Philosophiestudium bricht er ab – der Broadway lockt. 1973 trat er in London im Musical Grease auf, danach folgten Shakespeare-Stücke bei der US-Truppe Young Vic Company. 1978 verhalf er einem Freund, dem später sehr berühmten Fotografen Herb Ritts, mit einem Foto zum Durchbruch.

Zum Star und zum Sexsymbol wurde er als Edel-Callboy in "Ein Mann für gewisse Stunden" ("American Gigolo"). Der Film bringt ihm 1980 den Durchbruch. Richard Gere spielt den Gigolo Julian Kaye, der in Los Angeles wohnt und unter Mordverdacht gerät. Giorgio Moroder für die Filmmusik und Deborah Harry (Blondie) für den Song "Call Me" wurden im Jahr 1981 für den Golden Globe Award nominiert.

Als Hollywood-Star etablierte er sich mit Filmen wie "Ein Offizier und Gentleman" (1982) und "Atemlos" (1983). Sein Aussehen und sein Talent für charakterstarke Rollen brachten ihm die Hauptrollen ein. Den Titelsong "Up Where We Belong" von "Ein Offizier und Gentleman" wollte der Produzent erst aus dem Film streichen. Das Lied stieg später auf Platz Eins in den US-Charts und gewann einen Golden Globe und einen Oscar.

"Cotton Club" ist eine Mischung aus Gangster- und Musikfilm. Im Jahr 1928 bemüht sich der weiße, irischstämmige Jazztrompeter Dixie Dwyer (Richard Gere) im schwarzen New Yorker Stadtteil Harlem verzweifelt, ein Engagement zu bekommen. Der Fim von Francis Ford Coppola wurde 1985 in der Kategorie Bester Film – Drama für einen Golden Globe Award nominiert.

Dass Richard Gere auch singen kann, beweist er unterhaltsam in der Musicalverfilmung "Chicago" (2002), mit Catherine Zeta-Jones und Renée Zellweger. Diese Rolle machte ihm großen Spaß: "Die Story war gut, das Team sensationell. Das Tanzen und auch der nachträgliche Zuspruch waren umwerfend."

Schon in "Pretty Woman" hatte Richard Gere selbst am Klavier gesessen und eine eigene Komposition vorgetragen. Zusammen mit Julia Roberts begeistert er in der märchenhaften Liebeskomödie von Garry Marshall weltweit die Kinofans. Damals hatte Richard Gere übrigens noch braune Haare – ganz im Gegensatz zu dem Silbergrau, das ihn heute schmückt. Doch um ihn im Film seriöser wirken zu lassen, wurden seine Schläfen grau gefärbt.

Fast zehn Jahre später, im Jahr 1999, spielen das Hollywood-Traumpaar Julia Roberts und Richard Gere in "Die Braut, die sich nicht traut" nochmal ein Paar. Regie führte wieder Garry Marshall. Der Film kam bei den Kritikern aber nicht so gut an wie "Pretty Woman".

Eine andere Seite von sich zeigte Richard Gere in dem Film "Das Gesetz der Straße". Er spielt den ausgebrannten Polizisten Eddie Dugan, der sieben Tage vor seiner Pensionierung nach Brooklyn versetzt wird, um jüngeren Kollegen zu zeigen, wie man sich im gefährlichsten Stadtviertel New Yorks verhält. Durch die 22 Jahre harter Arbeit abgestumpft, erträgt er seine Schichten nur noch mit Alkohol und der Gesellschaft einer Prostituierten.

Einige Kritiker halten den Film "Arbitrage" (2012) für die Bestleistung in Richard Geres langer und erfolgreicher Karriere. Es ist ein Thriller um Geld und Gier, in dem er einen erfolgreichen Hedgefondsmanager und Multimillionär spielt.

Im zweiten Teil der Seniorenkomödie "Best Exotic Marigold Hotel" hatte neben Judy Dench und Maggie Smith auch Richard Gere eingecheckt. Er spielt routiniert mit bezauberndem Lächeln den Amerikaner Guy Chambers (Richard Gere) – der wahrheitsgemäß sein Alter im Film mit 64 angibt. Das alles vor dem faszinierenden Hintergrund des indischen Rajastan.

Der protestantisch erzogene Richard Gere bekam auf einer Nepal-Reise 1978 einen bleibenden Eindruck von der östlichen Spiritualität. Seit Anfang der 90er Jahre bekennt er sich zum Buddhismus und gilt als Freund des Dalai Lama. Er engagiert sich für die Rechte der Tibeter und prangerte 1993 während der Oscar-Zeremonie die chinesische Tibet-Politik an.

Zeitweise lebt Richard Gere in einem Haus in Dharmshala, dem Exilsitz des geistlichen Oberhaupts des tibetischen Buddhismus. 1987 gründete er das Tibet-Haus in New York.

Die 36-jährige Spanierin Alejandra Silva ist seine dritte Ehefrau. Im Februar wurde Richard Gere mit 69 Jahren nochmal Vater. Es ist der erste gemeinsame Nachwuchs des Paares. Die beiden lernten sich 2014 in einem Luxushotel in Italien kennen, das Alejandra mit ihrem Ex-Mann gekauft hatte und damals managte. Richard Gere und Alejandra Silva haben jeweils bereits ein Kind aus einer vergangenen Beziehung.

Vorher war Richard Gere von 1991 bis 1995 mit dem Topmodel Cindy Crawford verheiratet.

Ab 1996 war er dann mit der Schauspielerin und ehemaligen Bond-Girl Carey Lowell liiert, 2000 wurde ihr gemeinsamer Sohn Homer James Jigme geboren. Der tibetische Name Jigme bedeutet "der Furchtlose". Gere und Lowell heirateten im November 2002, trennten sich im September 2013 und wurden im Oktober 2016 geschieden.

Gleich zweimal erklärt das "People Magazine" Frauenschwarm Richard Gere zum "Sexiest Man Alive". Genau genommen gewann Richard Gere einmal 1993 als Teil des "Sexiest Couple" zusammen mit Cindy Crawford und einmal als "Sexiest Man" (1999). "Sexiest Man Alive" ist eine internationale Auszeichnung, die jährlich vom US-amerikanischen "People Magazine" verliehen wird.

Richard Gere steht immer noch gern vor der Kamera, aktuell in der BBC-Fernsehserie "MotherFatherSon". Darin verkörpert er Max Finch, einen mächtigen Medienunternehmer – eine Art Citizen Kane, wie Gere sagt, ein Typ mit Schattenseiten, aber nicht wirklich schlecht.

Mit seiner "Gere Foundation" unterstützt Richard Gere humanitäre Projekte. Dieses Jahr wurde er dafür mit dem Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2019 für sein wohltätiges Engagement und lebenslange Verpflichtung für die Menschenrechte ausgezeichnet.

Vor kurzem sah man Richard Gere auf dem spanischen Seenotrettungsschiff "Open Arms", der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms, das tagelang mit 121 Flüchtlingen zwischen Malta und Italien kreuzte. Gere half Lebensmittel an Bord zu bringen und warb für die Rettung der Flüchtlinge.

Im Laufe seiner Karriere wurde Richard Gere mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter vier "Golden Globes" als Bester Hauptdarsteller ("Chicago", "Arbitrage", "Pretty Woman", "Ein Offzier und Gentleman") und einer "Goldene Kamera". Aber bisher bekam er keinen "Oscar".

Am 31. August 2019 wird Richard Gere nun 70 Jahre alt. Der Schauspieler mit dem silberglänzenden Haar, zurückhaltender Ausstrahlung, skeptisch blickenden schmalen Augen und verhaltenem Lächeln sieht sich längst nicht mehr als Sexsymbol: "Mit zunehmendem Alter habe ich irgendwann gemerkt, dass die einzigen Momente, die uns Menschen auf lange Sicht wirklich Freude bereiten, diejenigen sind, in denen wir anderen helfen können."

Stand: 30.08.2019, 09:16 Uhr