28. April 2005 - Vor 100 Jahren: Erster Intelligenztest vorgestellt

Stichtag

28. April 2005 - Vor 100 Jahren: Erster Intelligenztest vorgestellt

Urteilsfähigkeit, Auffassungsgabe, Erkenntnisvermögen, Geist, Durchblick, Köpfchen, Grütze, Grips, Hirn, Verstand, Weisheit, Ratio, Klugheit - all diese Begriffe haben mit Intelligenz zu tun. Aber was ist Intelligenz? "Man kann sich darauf einigen, dass es die Fähigkeit ist, Probleme zu lösen, sich auf neue Situationen einzustellen und rasch und kompetent darauf zu reagieren", erklärt Professor Joseph Kessler, Neuropsychologe am Kölner Max-Planck-Institut. Ein andere Definition besagt: "Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst."

Francis Galton, ein Vetter von Charles Darwin, versucht Mitte des 19. Jahrhunderts, durch Schädelvermessungen auf die Größe des Gehirns und damit auf die Intelligenz zu schließen. Seine These: Für das Denkvermögen seien die Gene ausschlaggebend. In diesem Zusammenhang verwendet er den Begriff Eugenik. Seine Forderung, "eine hochbegabte Rasse von Menschen durch verständiges Verheiraten während aufeinander folgender Generationen zu erzeugen", mündet später in die faschistische Rassentheorie der Nazis.

Was hat der IQ mit dem Leben zu tun?

inen anderen Ansatz verfolgen der Psychologie-Professor Alfred Binet und sein Kollege Theodore Simon. Sie wollen die Intelligenz mit Hilfe von Fragen testen. Im Auftrag des französischen Erziehungsministeriums entwickeln die beiden ein Verfahren, um mögliche Lernbehinderungen bei Kindern zu erkennen. Am 28. April 1905 wird der erste Intelligenztest der Öffentlichkeit vorgestellt. 30 Fragen müssen die Kinder im Binet-Test beantworten. Die leichtesten zuerst. Abhängig vom Alter und der geistigen Entwicklung scheitert ein Kind früher oder später. Den Kindern werden zum Beispiel Bilder gezeigt, auf denen sie Sinnwidrigkeiten erkennen sollen. In anderen Aufgaben müssen sie Sätze ergänzen oder nachsprechen. Binet warnt davor, den Test zu überschätzen: "Die Skala erlaubt keine Messung der Intelligenz, da intellektuelle Fähigkeiten nicht addiert und somit nicht wie lineare Oberflächen gemessen werden können."

Doch Binets Warnung verhallt ungehört. Am Ende von Intelligenztests steht schon bald als Ergebnis eine Zahl - der so genannte Intelligenzquotient, kurz IQ. Die durchschnittliche Leistung wird willkürlich auf einen Mittelwert von 100 Punken festgelegt. Ab einem IQ von 140 gilt der Getestete als genial. Umgekehrt wird ein Mensch mit einem Wert von 70 als schwachsinnig bezeichnet. Kritiker behaupten, die Tests selbst seien wenig intelligent: "Was sagt eigentlich dieser IQ, wenn ich bestimmte Rechenaufgaben sehr schnell lösen kann? Was hat das mit dem Leben zu tun?", fragt Professor Kessler.

Stand: 28.04.05