19. August 2005 - Vor 40 Jahren: Erster Botschafteraustausch mit Israel

Stichtag

19. August 2005 - Vor 40 Jahren: Erster Botschafteraustausch mit Israel

Das hat es in Jerusalem zuvor noch nicht gegeben: Eine Militärkapelle spielt die deutsche Nationalhymne. Der israelische Präsident Salman Schasar nimmt das Beglaubigungsschreiben des ersten Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in dem jungen Staat entgegen. Während der Zeremonie am 19. August 1965 belagern 1.500 Demonstranten die Residenz des Staatsoberhauptes. Sie rufen "Nazi raus" und "You are unwelcome". Ihr Wortführer ist Menachem Begin, Chef der rechten Cherut-Partei. (1977 wird er israelischer Ministerpräsident.)

Aber auch Linke nehmen an der Demonstration teil. Die Stimmung ist aufgeheizt: Viele Israelis lehnen diplomatische Beziehungen mit Deutschland zwanzig Jahre nach dem Ende des Holocaust ab. Außerdem ist Botschafter Rolf Pauls ein Veteran aus Hitlers Armee, Ritterkreuzträger der Wehrmacht. Gegen ihn fliegen Steine. Die berittene israelische Polizei verhindert, dass einige Demonstranten die Absperrungen durchbrechen. Der Empfang des israelischen Botschafters Asher Ben-Nathan wenige Tage später in Bonn ist auf anderer Ebene eher kühl. "Bundespräsident Lübke kam auf mich zu", erinnert sich Ben-Nathan, "und fuhr mich an: 'Warum haben sie unseren Botschafter so beschimpft und mit Steinen beworfen?'"

Den Weg für die diplomatischen Beziehungen mit Israel hatte Adenauers Politik der "Wiedergutmachungs"-Zahlungen geebnet. Aber Bundeskanzler Ludwig Erhardt macht sich für den Botschafteraustausch erst stark, als die DDR diplomatische Beziehungen mit Ägypten aufnimmt. Schnell hebt der Bundestag die Verjährungsfrist für Nazi-Morde auf, über die kurz zuvor noch heftig debattiert wurde.

Zwei Jahre nach Pauls Antrittsbesuch muss sich Israel gegen den Angriff der arabischen Staaten wehren. In nur sechs Tagen siegt die Armee des jungen Staates, erobert Ost-Jerusalem und besetzt weite bislang arabische Gebiete. Deutschland stellt sich in diesem Krieg demonstrativ auf die Seite Israels. Pauls übt Solidarität mit dem Überlebensrecht des jüdischen Staates. Das wendet sein Image. "In diesen Tagen ging ich in Jaffa in ein Restaurant, in dem Musik gemacht wurde," erzählt Pauls, "und als ich reinkam, unterbrach der Klavierspieler die Musik und intonierte die ersten Takte des Deutschlandlieds und das Publikum applaudierte dazu."

Stand: 19.08.05