22. März 1540 - Hinrichtung des Kaufmanns Hans Kohlhase

Hans Kohlhase

Stichtag

22. März 1540 - Hinrichtung des Kaufmanns Hans Kohlhase

Der Rosshändler Michael Kohlhaas ist einer "der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit". So will es Heinrich von Kleist in seiner berühmten Novelle von 1808. Zwei stolze Pferde, die er wegen eines fehlenden Passierscheins auf der Burg des Junkers Wenzel von Tronka zurücklassen musste, erhält er in entsetzlichem Zustand zurück. Da er anschließend kein Recht erhält, zieht er brandschatzend durch Brandenburg. Am Ende wird er hingerichtet.

Kleist hat den unglaublichen Stoff seiner Novelle nicht aus der Luft gegriffen. 300 Jahre, bevor er seine Erzählung niederschrieb, lebte Hans Kohlhase, dessen Geschichte ganz ähnlich wie die des Kleist‘schen Titelhelden verlief.

Eine Entschuldigung hätte ausgereicht

Geboren wird Kohlhase um 1500 in Tempelberg. Als Kaufmann in Cölln an der Spree ansässig, macht er sich im September 1532 mit zwei wohlgenährten Rappen auf den Weg zum Michaelismarkt in Leipzig. Als er im sächsischen Dorf Wellaune ein Bier trinken will, bekommt er Ärger mit dem Junker von Zaschwitz, der behauptet, dass die Pferde gestohlen seien. Kohlhase kann nicht beweisen, dass die Tiere ihm gehören – und muss sie zurücklassen.

Als Kohlhase zwei Wochen später zurückkommt, will der Junker ihm die Pferde nur gegen Futtergeld freigeben. Dann muss der Kaufmann erkennen, dass der Adelige die Tiere fast hat verhungern lassen. Wütend nimmt er seinen Besitz mit nach Cölln und kämpft von da an mit Briefen verbissen um sein Recht. Eigentlich aber geht es ihm vor allem um die verlorene Ehre: Kohlhase ist bereit, die Sache gegen die geringste Entschädigung und eine Entschuldigung des Junkers auf sich beruhen zu lassen.

Über 300 Gefolgsleute und Helfer

Doch dem Junker ist das Schuldeingeständnis gegenüber einem Bürgerlichen offenbar unerträglich. Er lässt die Einigung platzen. Die Klage des Pferdehändlers wird vor Gericht als Querulantentum abgelehnt und weitere Bittgesuche unter Androhung von Gefängnis verboten. Die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg verweigern die Hilfe. Kohlhase sieht in Gewalt den einzigen Ausweg. 1534 erklärt er dem Junker von Zaschwitz und dem Land Sachsen und Krieg. In seinem Fehdebrief führt er nochmals das ganze Unrecht auf, das ihm widerfuhr.

Kohlhase greift nicht sofort zu den Waffen, sondern lässt sich auf neue Verhandlungen ein. Vor Gericht findet man einen fairen Vergleich, aber diesmal interveniert der Kurfürst von Sachsen. Als ihn auch Luther nicht unterstützt, dreht Kolhase durch. Er plündert, entführt und legt Feuer, in den Dörfern Marzahna und Schmögelsdorf raubt er die reichen Bauern aus. Und schart dabei eine Armee aus Unzufriedenen um sich, die stetig wächst. Mehr als 300 Getreue und Helfershelfer – Bauern, Handwerker, Tagelöhner, Knechte, Richter, Gastwirte und Pfarrer – sind namentlich in den Akten verzeichnet.

Tod durch Rädern

Der Überfall auf den Silbertransport des Kurfürsten von Brandenburg bricht Kohlhase letztendlich das Genick. Seine Gefolgsleute werden gnadenlos gefoltert und hingerichtet, er selbst schließlich bei einer Haussuchung von Soldaten entdeckt. Im März 1540 wird ihm der Prozess gemacht. Als Landfriedensbrecher steht ihm eigentlich der Tod durch das Schwert zu, aber auch dieses Recht wird Kohlhase verwehrt: Am 22. März 1540 wird er gerädert.

Stand: 22.03.2015

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