27. April 2008 - Inzest-Täter Josef Fritzl in Amstetten verhaftet

Inzesttäter Josef Fritzl nach seiner Verhaftung in Amstetten

Stichtag

27. April 2008 - Inzest-Täter Josef Fritzl in Amstetten verhaftet

19. April 2008: In akuter Lebensgefahr wird Kerstin Fritzl ins Krankenhaus der niederösterreichischen Stadt Amstetten eingeliefert. Alle Organe der 19-Jährigen drohen zu versagen. Zur Behandlung brauchen die Ärzte ihre Mutter Elisabeth. Doch die sei, erzählt Kerstins Großvater Josef Fritzl, vor über 20 Jahren ausgerissen. Die Enkelin habe er vor seinem Haus gefunden, zusammen mit einem Brief von Elisabeth, in dem sie um Hilfe bittet.

26. April 2008: Josef Fritzl bringt die angeblich heimgekehrte Elisabeth in die Klinik. Kerstins Ärzte sind misstrauisch. Sie haben einen inzestbedingten Gen-Defekt diagnostiziert und Josef Fritzl lehnt jeden Kontakt zur Polizei ab. Als man Elisabeth zusichert, ihren Vater nie wieder sehen zu müssen, reißt die 42-Jährige dem scheinbar fürsorglichen Vater und Opa die Maske vom Gesicht - und bringt ein unvorstellbares Verbrechen ans Licht.

Biedermann im Rausch der Allmacht

28. August 1984: Der 49 Jahre alte Fritzl lebt mit Frau und sieben Kindern in Amstetten. An sein Haus hat der Elektroingenieur einen Anbau gesetzt. Darunter befindet sich ein großer Keller, der für die Familie absolut tabu ist. Die Nachbarn schätzen ihn als ehrbaren Mann. Sie wissen nicht, dass Fritzl 1967 als Vergewaltiger verurteilt wurde und seine Tochter Elisabeth seit langem sexuell missbraucht. Als die 18-Jährige an jenem Augusttag ausziehen will, wird sie vom Vater in den Keller gelockt und betäubt. Angekettet wacht Elisabeth in völliger Dunkelheit auf. Ihr Verlies ist schalldicht isoliert und durch zwei codegesicherte Stahlbetontüren abgeschottet.

Nachbarn und Polizei erzählt Fritzl, seine Tochter habe sich einer Sekte angeschlossen. Gesucht wird nicht nach ihr. Als er in den Keller zurückkehrt, schlägt er Elisabeth zusammen und vergewaltigt sie, brutal und rücksichtslos, wie sie es noch nie erlebt hat. Bei einem Fluchtversuch würde sie durch Giftgas getötet, droht Fritzl. Er genießt die absolute Macht, die er nun über seine Tochter hat. Während er der Oberwelt weiter den treu sorgenden Familienvater vorspielt, vergeht kein Tag, an dem er sein Opfer nicht misshandelt und missbraucht.  

Sieben Kinder im Verlies geboren

Nach vier Jahren Martyrium bringt Elisabeth ohne jede Hilfe ihr erstes Kind Kerstin zur Welt. Danach werden, im Abstand von zwei Jahren, ein Junge und zwei Mädchen geboren. Die Mädchen nimmt Fritzl in seiner realen Familie auf; angeblich wurden sie von der verschwundenen Mutter vor seiner Tür abgelegt. Alle glauben die Lüge, auch Fritzls Ehefrau wagt nicht, Fragen zu stellen. 1996 werden Zwillinge geboren. Einen der Jungen lässt Fritzl kaltblütig sterben und verbrennt die Leiche in der Heizung. Den anderen Zwilling nimmt der Vergewaltiger ebenfalls als angebliches Findelkind auf. 2003 kommt das siebte Baby zur Welt.

Elisabeth und die ihr verbliebenen Kinder sehen nicht ein einziges Mal das Tageslicht. Als Kerstin im April 2008 zu sterben droht, fleht Elisabeth den Vater um Gnade an. Nach 24 Jahren Tortur gibt Fritzl seiner Tochter erstmals nach. Kerstin kommt ins Krankenhaus, Elisabeth und ihre Kinder dürfen den Folterkeller verlassen. Fritzl ist überzeugt, seine Sklavin würde über all das schweigen, was er ihr angetan hat. Doch die nun 42-Jährige offenbart sich der Polizei. Josef Fritzl wird sofort verhaftet und legt ein Geständnis ab. Wegen Mordes, Sklaverei, Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und Nötigung wird er im März 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Stand: 27.04.2013

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