4. Juni 1942 - Reinhard Heydrich stirbt an den Folgen eines Attentats

Reinhard Heydrich, NS-Politiker

Stichtag

4. Juni 1942 - Reinhard Heydrich stirbt an den Folgen eines Attentats

Reinhard Heydrich könnte Berufsmusiker werden wie sein Vater. Oder Offizier bei der Marine. Er könnte auch als Leichtathlet für Deutschland antreten. Zu all dem hat er das Talent. Aber Heydrich, der am 7. März 1904 in Halle an der Saale geboren wurde, entscheidet sich im Alter von 27 Jahren anders. Im Juni 1931 empfängt ihn der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, zum Bewerbungsgespräch. "Das ist der große Wendepunkt in seinem Leben", sagt Historiker und Heydrich-Biograf Robert Gerwarth.

Kurz zuvor ist Heydrich - wie seine Verlobte Lina von Osten - der NSDAP beigetreten - und hat damit der jungen Frau seine Treue bewiesen. Denn die Marine hat ihn gerade entlassen, weil er nebenbei noch eine andere Freundin hatte. Der Diplom-Landwirt Himmler beauftragt nun den geschassten Funk-Offizier damit, einen Geheimdienst für die Partei aufzubauen: den SD, den Sicherheitsdienst der SS. Ursprünglich ist dieser zuständig für "Gegnerbeobachtung, weltanschauliche Forschung, Auslandsspionage". Keine zehn Jahre später heißt die Hauptaufgabe: "Endlösung der Judenfrage".

Vize-Reichsprotektor in Böhmen und Mähren

"Heydrich ist ganz ohne Frage der zentrale Architekt der Endlösung, der die Schlüsselrolle in der deutschen Judenpolitik innehatte", sagt Professor Gerwarth. Heydrich führt nicht nur aus, er ist auch treibende Kraft: So schlägt er 1938 die Kennzeichnung der Juden durch einen gelben Stern vor und setzt sich später als einer der Ersten für eine systematische Deportation ein. Elf Millionen Menschen will er in Europa vertreiben, versklaven und vernichten. 1,5 Millionen Menschenleben hat er auf dem Gewissen, als er nach einem Anschlag stirbt.

Zuvor drangsaliert Heydrich die Tschechen acht Monate lang. Prag soll "judenfrei" werden. Dann schlägt der Widerstand zu: Zwei tschechische Fallschirmjäger, eingeflogen aus England, bringen ihm den Tod. Heydrich, der mittlerweile stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren ist, lässt sich am 27. Mai 1942 im offenen Wagen zu seinem Amtssitz in der Prager Burg fahren. In einer Haarnadelkurve wartet Josef Gabčík mit einer Maschinenpistole - doch sie klemmt. Anstatt schnell weiter zu fahren, lässt Heydrich den Wagen stoppen. Mit gezogener Pistole versucht er aus dem Wagen zu steigen, als der zweite Attentäter, Jan Kubiš, eine Granate wirft. Heydrich wird bei der Explosion verletzt. Er stirbt aber erst acht Tage später, am 4. Juni 1942, an einer Blutvergiftung. Mit den Granatsplittern waren Bakterien in den Körper eingedrungen.

Massaker in Lidice

Es ist der einzige erfolgreiche Anschlag auf eine Größe des Nazi-Regimes. "Er war einer der besten Nationalsozialisten", sagt Adolf Hitler bei der Trauerfeier, "einer der stärksten Verteidiger des deutschen Reichsgedankens, einer der größten Gegner aller Feinde dieses Reiches." Die Tat wird grausam gerächt: Gestapo, SD und Schutzpolizei machen das Dorf Lidice dem Erdboden gleich. Tschechische Gendarmen müssen ihnen helfen. Das Kommando erschießt 184 Männer. Frauen und Kinder werden ins Konzentrationslager deportiert. 82 Kinder sterben in den Gaskammern von Chelmo. Nur zwölf Kinder überleben den Krieg, zwangsadoptiert von bayerischen Familien. Die Begründung für das Massaker: Das Dorf habe angeblich die Attentäter unterstützt.

Gabčík und Kubiš sterben zwei Wochen nach Heydrichs Tod in einer Kirche in Prag, wo sie sich verstecken. Jemand hat sie verraten. Polizei und Waffen-SS stürmen am 18. Juni 1942 nach erbitterter Gegenwehr der Eingeschlossenen das Gotteshaus.

Stand: 04.06.2012

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