19. Januar 1927 - Tod der Charlotte von Belgien, Ex-Kaiserin von Mexiko

Charlotte, Kaiserin v. Mexiko, um 1865

Stichtag

19. Januar 1927 - Tod der Charlotte von Belgien, Ex-Kaiserin von Mexiko

Für die schöne 16-jährige Prinzessin Charlotte ist es Liebe auf den ersten Blick. Ihren Auserwählten, Erzherzog Maximilian von Österreich, einen leichtfüßigen Frauenhelden und Bruder von Kaiser Franz Joseph, lockt anfangs wohl mehr Charlottes Millionen-Mitgift vor den Traualtar. Am 27.7.1857 heiratet die intelligente und ungewöhnlich liberal erzogene Tochter von Belgiens König Leopold I. in Brüssel den jungen Habsburger. Zehn gemeinsame Jahre werden ihnen bleiben, dann endet die Ehe für beide durch politische Illusionen, gepaart mit naiver Unwissenheit, in einer Katastrophe.

Anlässlich seiner Heirat mit der reichsten Braut Europas wird Maximilian von seinem Bruder standesgemäß zum Vizeadmiral der kaiserlichen Kriegsmarine und Generalgouverneur des Königreichs Lombardei-Venetien erhoben. Über seine selbstbewusste junge Ehefrau notiert Maximilian: "Sie ist sehr gescheit, das ist wohl etwas bedenklich, allein, ich wird mich schon drein finden."

Napoleon lockt mit der Kaiserkrone

Maximilians stolze Gouverneurs-Karriere ist nur von kurzer Dauer. Franz Joseph verliert 1859 im Krieg gegen Frankreich die Lombardei und beordert seinen Bruder zurück ins Privatleben. Das Fürstenpaar zieht nach Triest, wo Maximilian auf einer Felsspitze an der Adria das Traumschloss Miramare errichten lässt. Zur Tatenlosigkeit verurteilt, unternehmen die Eheleute viele Reisen, meist getrennt voneinander. Bald werden ihnen diverse Liebschaften nachgesagt. Zur gleichen Zeit träumt Frankreichs Kaiser Napoleon III. von der Errichtung eines Vasallen-Kaiserreichs im fernen Mexiko.

Als das von einem Bürgerkrieg ausgeblutete Land 1861 seine Schulden an Frankreich nicht mehr tilgen kann, nutzt Napoleon die Gelegenheit und lässt Mexiko von seinen Truppen besetzen. Im "arbeitslosen", nach einer Krone strebenden Maximilian und seiner ehrgeizigen Frau Charlotte findet Napoleon willige Anwärter auf den obskuren Kaiserthron in Übersee. Gegen den Rat seiner Familie lässt sich Maximilian auf den abenteuerlichen Plan ein. Charlotte schreibt glücklich: "Was für jeden anderen zu versuchen ein Wahnsinn wäre, ist es für ihn nicht."

Sechs Jahrzehnte in geistiger Umnachtung

Am 28. April 1864 trifft das Kaiserpaar von Napoleons Gnaden in Veracruz ein. Über ihre neuen Untertanen wissen sie nichts. Napoleon hatte ihnen versprochen, das ganze mexikanische Volk sehne sich nach einem Kaiser. Doch davon kann keine Rede sein. Seit 1858 ist das Land eine Republik mit dem liberalen Präsidenten Benito Juarez an der Spitze. Stützen kann sich der Marionettenkaiser lediglich auf die reaktionäre Oberschicht, die mit ihm als Gallionsfigur den Umsturz plant. Doch durch prunkvolle Hofhaltung bringen Charlotte und Maximilian immer mehr Gegner gegen sich auf. Bald ist die Staatskasse leer und die Soldaten des Benito Juarez erobern das Land Stück für Stück von den französischen Besatzer zurück.

Schließlich erkennt der Hasardeur Napoleon den völligen Fehlschlag seiner Kaiserpläne. Im Sommer 1866 zieht er seine Truppen aus Mexiko ab und überlässt das Monarchenpaar in der Fremde seinem Schicksal.

Eine Abdankung kommt für Maximilian und seine Frau nicht in Frage. Doch während Charlotte nach Europa reist, um Hilfe zu erflehen, wird der Kaiser gefangengenommen, von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und am 19. Juni 1867 standrechtlich erschossen. Charlotte erleidet einen Nervenzusammenbruch und fürchtet, von Napoleon vergiftet zu werden. Ihr psychischer Zustand verschlechtert sich, bis die Ärzte sie für unheilbar geisteskrank erklären. Als die 27-Jährige immer häufiger in Wahnvorstellungen verfällt, holt ihre Familie sie zurück nach Belgien. Dort lebt Charlotte, abgeschottet von der Welt, noch beinahe 60 Jahre. Geistig völlig umnachtet, stirbt die Ex-Kaiserin von Mexiko am 19. Januar 1927 mit 86 Jahren.

Stand: 19.01.2012

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