13. Juli 1931 - Deutschland erlebt die erste Banken-Krise

Stichtag

13. Juli 1931 - Deutschland erlebt die erste Banken-Krise

Als im Oktober 1929 der "Schwarze Donnerstag" die New Yorker Börse erschüttert, ist die Weltwirtschaftskrise nicht mehr aufzuhalten. Um die plötzlich entstandenen Liquiditätsprobleme zu lösen, kündigen die USA in großem Umfang ihre an Deutschland vergebenen Kredite. Dies bringt wiederum die Banken hierzulande in Schieflage; zahlreiche Unternehmenspleiten, Massenarbeitslosigkeit und ein enormer internationaler Vertrauensverlust in die deutsche Wirtschaft sind die Folge.

Auch inländische Anleger fürchten nun zunehmend um ihr Kapital und bringen ihre Bankguthaben in Sicherheit. Die Regierung von Reichskanzler Heinrich Brüning, massiv geschwächt durch die nach dem Weltkrieg fälligen Reparationszahlungen an die Alliierten, kämpft immer verzweifelter gegen die drohende Zahlungsunfähigkeit an. Doch als im Juni 1931 Europas größter Wollkonzern, die Bremer Nordwolle, vor dem Bankrott steht, erlebt Deutschland seine erste Bankenkrise.

Flucht in den Feiertag

Größter Kreditgeber der Nordwolle ist die Darmstädter und Nationalbank, kurz DANAT-Bank genannt. Am Montag, dem 13. Juli 1931 stehen deren Kunden vor verschlossenen Türen. Aus einer ausgehängten Verlautbarung erfahren sie: "Die Darmstädter und Nationalbank hat mitgeteilt, dass sie genötigt sei, ihre Schalter geschlossen zu halten". Mit anderen Worten: Der DANAT-Bank ist das Bargeld ausgegangen. Rasend schnell verbreitet sich die Pleite-Nachricht über ganz Deutschland. Noch am selben Tag bilden sich überall vor den Banken lange Schlangen besorgter Sparer, die ihre Guthaben retten wollen.

Dem deutschen Finanzsystem droht damit auf einen Schlag der totale Kollaps. Um den panikartigen Run auf die Bankschalter zu stoppen, zieht Reichsfinanzminister Hermann Dietrich die Notbremse. Kurzerhand ruft er die folgenden beiden Tage als "Bankfeiertage" aus und macht seine Landsleute mitverantwortlich für die Krise. In einer Rundfunkrede erklärt Dietrich, "dass das deutsche Volk ungemein zur Kritik aufgelegt ist, und dass wir in Deutschland eine Unmenge Menschen haben, die diese Zeit der Not ständig benützt haben, um alles, was in Deutschland ist - von der Regierung angefangen - schlecht zu machen."

Banken an der Staats-Leine

Mit einer Reihe restriktiver Notverordnungen bekommt die Regierung die Vertrauenskrise schließlich in den Griff. Erstmals wird eine generelle Bankenaufsicht, das "Kuratorium für das Bankgewerbe" eingeführt, zudem eine Konzessions- und Berichtspflicht für Geldinstitute. Vorschriften über Liquidität, Eigenkapital und die Vergabe von Großkrediten schaffen die Grundlage des heute für das Finanzwesen geltenden Regulierungssystems. Dessen Lücken werden erstmals durch den Zusammenbruch der Kölner Herstatt-Bank 1974 und und später durch die Krisen der Landesbanken offenbar. Auch den Crash der Hypo Real Estate in jüngster Zeit hat die staatliche Bankenkontrolle nicht verhindern können.

Stand: 13.07.2011

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Stand: 13.07.2011, 00:00