5. April 1951 - Ehepaar Rosenberg zum Tod verurteilt

Ethel und Julius Rosenberg

Stichtag

5. April 1951 - Ehepaar Rosenberg zum Tod verurteilt

Im Kalten Krieg geht in den USA die sogenannte "Red Scare" ("Rote Angst") um. Der Kommunistenhass von US-Senator Joseph McCarthy vermittelt ein Gefühl allgegenwärtiger Bedrohung und sorgt für Jagdstimmung. Einwanderer, linke Intellektuelle, Schauspieler, Schriftsteller und Gewerkschafter werden vor den Kongressausschuss für "unamerikanische Umtriebe" geladen. In dieser Atmosphäre wird 1950 ein junges Ehepaar verhaftet: Ethel und Julius Rosenberg sollen während des Zweiten Weltkrieges geheime Unterlagen über den Bau der US-Atombombe an die Sowjetunion verraten haben. Julius Rosenberg war damals Mitarbeiter des Projekts - und die UdSSR ein alliierter Staat der USA im gemeinsamen Kampf gegen Hitler-Deutschland. Nun ist alles anders: Seit 1949 verfügt auch die Sowjetunion über Atombomben.

US-Behörden tricksen

Die Rosenbergs sind bekennende Kommunisten, die Vorwürfe aber streiten sie ab - und schweigen während des Verfahrens. Das stellt die Behörden vor ein Problem. Denn: "Die amerikanischen Gerichte hatten damals Beweise, die sie selber nicht in den Prozess einbringen durften", sagt Wolfgang Krieger, Münchner Geschichtsprofessor und spezialisiert auf die Geschichte der Geheimdienste. Die US-Regierung habe nicht eingestehen wollen, dass sie in der Lage ist, sowjetische Geheimdokumente zu entschlüsseln - die durch amerikanische Spionage beschafft worden waren. Deshalb arbeiten die US-Behörden mit Tricks: Beeinflussung von Zeugen und Geschworenen, Fälschung von Beweisen, unzulässige Absprachen zwischen Anklage und Richter. Einer der sich dabei besonders engagiert, ist Staatsanwalt Roy Cohn, die rechte Hand von McCarthy.

Bruder der Ehefrau wird zum Kronzeugen

Den Angeklagten wird mit der Todesstrafe gedroht, um sie zu einem Geständnis zu zwingen. Doch die Rosenbergs halten dicht. Das Druckmittel funktioniert allerdings bei David Greenglass, dem Bruder von Ethel Rosenberg. Er gesteht den Diebstahl von Geheimdokumenten aus dem US-Atomforschungszentrum Los Alamos. Er wird zum Hauptzeugen gegen die Rosenbergs, um für sich eine mildere Strafe zu erwirken. Er kommt schließlich mit 15 Jahren Haft davon.

Das Ehepaar Rosenberg wird hingegen vom New Yorker Bundesgericht am 5. April 1951 zum Tode verurteilt. Der junge Richter Irving Kaufman ist sichtlich bemüht, nicht als zu milde dazustehen. Er ist - wie die Rosenbergs - Jude und will, so vermuten manche, in der allgemein antisemitischen Stimmung der Zeit keine Angriffsfläche bieten. So wirft Kaufman den beiden im Urteil vor, sie seien schuld daran, dass die Sowjetunion die Atombombe entwickelt habe, und dass es zum Koreakrieg gekommen sei. Historiker Krieger hält dies für absurd. Kaufmans Karriere leidet unter dem harten Urteil jedoch nicht: Später wird er von US-Präsident John F. Kennedy zum Bundesrichter ernannt.

Politisch motiviertes Justizverbrechen

Am 20. Juni 1953 wird das Ehepaar Rosenberg im New Yorker Gefängnis Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet - trotz internationaler Proteste von Albert Einstein über Pablo Picasso bis zu Papst Pius XII. Die Rosenbergs beteuerten bis zuletzt ihre Unschuld. Inzwischen sind sich die Historiker weitgehend einig: Das Urteil war ein politisch motiviertes Justizverbrechen. Zwar war Julius Rosenberg Teil eines sowjetisch gesteuerten Spionagerings, die verratenen Unterlagen jedoch von geringem Wert und damit die Höchststrafe völlig unangemessen. Ethel Rosenberg wurde wahrscheinlich sogar völlig unschuldig hingerichtet.

Für die beiden Söhne der Rosenbergs, Robert und seinen vier Jahre älteren Bruder Michael, beginnt nach der Hinrichtung ihrer Eltern eine mehrjährige Odyssee. Sie kommen zunächst bei Verwandten unter. Im Unterricht werden sie schikaniert und müssen schließlich die Schule verlassen. Schließlich werden die beiden Kinder von Abel und Ann Meerepol adoptiert. Robert Meerepol sagt heute, dass Hinrichtungen neue Opfer schaffen: "All die unschuldigen Familienmitglieder desjenigen, der hingerichtet wird, leiden in unsagbarer Weise ohne persönliche Schuld." Es sei ein großer Unterschied, ob ein Familienmitglied im Gefängnis sitze oder hingerichtet werde.

Stand: 05.04.2011

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