14. August 2009 - Vor 40 Jahren: Kinopremiere von "Spiel mir das Lied vom Tod"

Stichtag

14. August 2009 - Vor 40 Jahren: Kinopremiere von "Spiel mir das Lied vom Tod"

Es ist wohl der bisher längste Vorspann der Filmgeschichte. Er dauert über zehn Minuten, ohne Musik und ohne Dialog. Der Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" beginnt an einer verlassenen Bahnstation. In der brütenden Mittagshitze warten drei Männer in langen Mäntel auf den Zug. Einem der Banditen tropft Wasser aus einem Wasserspeicher auf die Hutkrempe. Ein anderer wird von einer Fliege geärgert. Die Fliege summt, bis er sie im Lauf seiner Pistole fängt. Die Zeit vergeht langsam. In der Ferne pfeift der Zug. Die Männer blicken auf. Der eine nimmt seinen Hut, um das darin gesammelte Wasser zu trinken. Der andere lässt die Fliege aus dem Pistolenlauf entweichen. Aus dem Zug steigt ein einzige Fahrgast aus. Charles Bronson alias "Harmonica" steht jenseits des Bahndamms und spielt mit seiner Mundharmonika die Todesmelodie. Schließlich fragt er: "Habt ihr ein Pferd für mich?" Einer der Banditen antwortet: "Wenn ich mich hier so umsehe, dann sind nur drei da. Sollten wird denn tatsächlich eins vergessen haben?" Harmonica schüttelt den Kopf und entgegnet: "Ihr habt zwei zuviel." Dann erschießt er die drei Halsabschneider.

In der Bundesrepublik kommt der Film am 14. August 1969 in die Kinos. Regie hat der Italiener Sergio Leonegeführt, der als Pate des Italo-Westerns gilt. "Spiel mir das Lied vom Tod" ist sein vierter. Mit dem herkömmlichen Hollywood-Western, bei dem Gut gegen Böse gewinnt und der Pioniergeist der Siedler gefeiert wird, hat Leone wenig im Sinn. Seine Helden sind einsilbige Einzelgänger. "Leone wollte zwar die Magie der amerikanischen Western heraufbeschwören, aber ohne die übliche Hurra-Propaganda für den American Way of Life", erklärt Filmhistoriker Christopher Freyling. "Die Moral in Hollywood-Western  war ihm zuwider. Deshalb war 'Spiel mir das Lied vom Tod' so gnadenlos. Leone wollte dem Western eine tiefere Bedeutung geben."

Hauptdarsteller Bronson ist damals noch ein Niemand, Claudia Cardinale nur in Europa bekannt und Jason Robards ein Theaterschauspieler. Der einzige Star der Films ist Henry Fonda. Er gilt als der gute, noble Amerikaner. Leone aber stellt Fondas Image auf den Kopf und macht aus Hollywoods Saubermann einen Auftragskiller. "In meiner ersten Szene erschieße ich kaltblütig eine ganze Farmerfamilie", so Fonda. "Dabei bin ich aber nur von hinten zu sehen. Erst nach dem Massaker zeigt die Kamera mein Gesicht und meine babyblauen Augen. Sergio Leone wollte, dass die Leute sagen: 'Meine Güte, das ist ja Henry Fonda.'"Leone hat für den Film außer in Europa zum ersten Mal auch in den USA gedreht. Der Zweieinhalb-Stunden-Western wird dort um eine Stunde gekürzt - und floppt. In Europa aber wird "Spiel mir das Lied vom Tod" mit Ennio Morricones Soundtrack Kult.

Stand: 14.08.09