21. Dezember 2008 - Vor 20 Jahren: Explosion eines PanAm-Jumbos über Schottland

Stichtag

21. Dezember 2008 - Vor 20 Jahren: Explosion eines PanAm-Jumbos über Schottland

Leicht verspätet hebt der PanAm-Jumbo am Abend des 21. Dezembers 1988 in London Heathrow mit Ziel New York  ab. 37 Minuten später, um 19.02 Uhr, verschwindet die Boeing 747 der US-Airline über Schottland plötzlich von den Radarschirmen. Am Himmel über der Ortschaft Lockerbie taucht ein Feuerball auf; die dreieinhalbtausend Einwohner hören einen ohrenbetäubenden Knall. Dann regnen aus knapp zehn Kilometern Höhe 90 Tonnen Kerosin als Flammenregen herab. Tonnenschwere Wrackteile des auf den Namen "Maid of the Seas" getauften Jumbos reißen in und um Lockerbie tiefe Krater. Zwei Dutzend Häuser werden zerstört, elf Einwohner getötet. Von den 243 Passagieren und 16 Crewmitgliedern in der Maschine hat niemand eine Überlebenschance. Wenige Tage nach der Katastrophe steht fest: Eine Bombe mit 300 Gramm Plastiksprengstoff, versteckt in einem Samsonite-Koffer aus Malta, hat ein halbmetergroßes Loch in die linke Seite der Boeing geschlagen. Nur Sekunden nach der Detonation reißt das gesamte Bugteil mit dem Cockpit vom Rumpf der Boeing ab.

Auf neutralem Boden, im niederländischen Kamp Zeist bei Utrecht, beschäftigt sich fast 13 Jahre später ein schottisches Sondergericht mit der Aufklärung des Lockerbie-Anschlags. Als Hauptverantwortlichen für das Attentat machen die Ermittler erstaunlich schnell Abdel Basset Mohammed Al Megrahi aus, einen ehemaligen Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes. Obwohl der 50-Jährige jede Tatbeteiligung kategorisch abstreitet, wird er rechtskräftig zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Unabhängige Prozessbeobachter äußern dagegen bald Zweifel an der Verfahrensführung und der Schuld des Libyers. Der von den Vereinten Nationen entsandte Innsbrucker Rechtsprofessor Hans Köchler schreibt in seinem Gutachten unter anderem, er habe politische Einflussnahme seitens der US-Regierung festgestellt. Wichtige Unterlagen seien niemals zur Verfügung gestellt worden. Robert Black von der Edinburgh University, auf dessen Vermittlung der Lockerbie-Prozess in den Niederlanden geführt werden konnte, erklärt bis in die Gegenwart: "Es spricht kein objektiver Beweis dafür, dass Al Megrahi und die libysche Regierung für den Anschlag verantwortlich sind."

Offiziell gilt das Lockerbie-Attentat als Vergeltungsschlag Libyens für US-Bombardements auf Tripolis und Bengasi zwei Jahre zuvor. 2002 übernimmt Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi sogar die volle Verantwortung für den Anschlag. Experten des deutschen Bundeskriminalamtes weisen aber nach, dass der in Lockerbie verwendete Sprengsatz samt Zeitzünder baugleich ist mit Beweistücken, die sie bei radikalen Mitgliedern der "Volksfront zur Befreiung Palästinas" gefunden hatten, einer Terror-Organisation mit besten Beziehungen zu Syrien und zum Iran. Dorthin weisen nach Überzeugung von Robert Black  auch andere Spuren: "Iran hatte ein stärkeres Motiv als Libyen." Er sieht in der Sprengung des PanAm- Jumbos einen von Ayatollah Chomeini in Auftrag gegebenen Racheakt. Ein halbes Jahr vor Lockerbie hatte ein amerikanischer Flugzeugträger einen mit Mekka-Pilgern vollbesetzten iranischen Airbus abgeschossen. Nicht zuletzt dank des Einsatzes von Robert Black wird der gesamte Lockerbie-Prozess im Jahr 2009 noch einmal neu aufgerollt.

Stand: 21.12.08