31. August 2007 - Vor 40 Jahren: Revolutionärin Tamara Bunke wird erschossen

Stichtag

31. August 2007 - Vor 40 Jahren: Revolutionärin Tamara Bunke wird erschossen

In der DDR gilt Tamara Bunke als Vorbild: Über 200 Schulen, Jugendbrigaden und Kindergärten werden nach ihr benannt. Die in Argentinien geborene Deutsche ist kubanische Spionin und kämpft an der Seite Che Guevaras im Dschungel von Bolivien. Um ihr Leben ranken sich ungezählte Legenden, unter anderem lanciert von der CIA. So soll sie die Geliebte Che Guevaras, von ihm schwanger gewesen und als Doppelagentin vom KGB auf den kubanischen Revolutionsführer angesetzt worden sein. Die meisten dieser Geschichten sind frei erfunden. Gesichert ist, dass sie am 31. August 1967 am Rio Grande in einem Hinterhalt erschossen wird.

Geboren wir Tamara Bunke am 19. November 1937 in Buenos Aires. Ihre Eltern, beide Lehrer, sind vor den Nazis nach Argentinien geflohen. Als überzeugte Kommunisten kehren sie 1952 in die DDR zurück, wo ihre Tochter vier Jahre später ihr Abitur macht und Romanistik studiert. 1960 lernt sie als Dolmetscherin in Leipzig Che Guevara kennen. Er ist zu dieser Zeit Direktor der kubanischen Nationalbank. Sie ist fasziniert von der kubanischen Revolution, die ein Jahr zuvor statt gefunden hat. Che weigert sich, sie mitzunehmen. Doch wenig später schafft es die 23-Jährige, sich ein Flugticket nach Kuba zu besorgen - zum Missfallen der Stasi, die sie als Agentin in Argentinien einsetzen will. Tamara studiert Journalismus in Havanna und arbeitet als Dolmetscherin für die Regierung. Schließlich bildet der kubanische Geheimdienst sie zur Agentin aus. 1964 ernennt sie Che Guevara persönlich zur Guerillera, Kampfname "Tania". Sie bekommt eine zweite Identität und geht nach Bolivien: Als Laura Gutierrez knüpft sie Kontakt zu höchsten Regierungskreisen in La Paz.

1966 kommt Che Guevara nach Bolivien, um eine Revolution vorzubereiten. Tania beginnt, eine Radiosendung für Frauen zu moderieren und schickt so chiffrierte Botschaften an die Guerilleros in den Bergen. Obwohl sie den direkten Kontakt zu den Kämpfern meiden soll, bringt sie im März 1967 zwei Besucher in die Berge. Dabei fliegt ihre Tarnung auf. Che Guevara  notiert wütend in sein Tagebuch: "Damit gehen zwei Jahre guter und geduldiger Arbeit verloren." Seine Top-Agentin kann nun nicht mehr zurück nach La Paz. Den Strapazen im Dschungel ist "Tania" allerdings kaum gewachsen: Ihre Füße entzünden sich auf den langen Märschen, Würmer bohren sich in die Haut, sie bekommt hohes Fieber. Ende August 1967 lockt ein Bauer "Tanias" Gruppe in eine Falle. Fast alle Mitglieder werden erschossen. Sieben Tage später wird die Leiche von Tamara Bunke aus dem Fluss gezogen. Im Rucksack, wasserfest verpackt, findet sich ein angefangener Brief: "Liebe Mutter, ich habe Angst. Ich weiß nicht, was aus mir und all den anderen werden soll. Wahrscheinlich nichts."

Stand: 31.08.07