17. Oktober 2006 - Vor 70 Jahren: Der Agfacolor-Farbumkehrfilm wird präsentiert

Stichtag

17. Oktober 2006 - Vor 70 Jahren: Der Agfacolor-Farbumkehrfilm wird präsentiert

Am 17. Oktober 1936 ist der Vorführraum im Berliner "Haus der Deutschen Presse" ein Raum uneingeschränkter Begeisterung. Gerade haben die Chemiker Wilhelm Schneider und Gustav Wilmanns von den deutschen Agfa-Werken ein kleines Fotobildchen präsentiert, das sich als große, bunte Projektion an die Wand werfen lässt. Was zu sehen ist, ist deshalb eigentlich egal. "Da wurden farbige Blumenbeete gezeigt, wobei die Farben so wundervoll herauskamen, dass bei den Zuschauern spontaner Beifall ausgelöst wurde", zieht die Presse am Folgetag ein erstes Resümee. Von "einer außerordentlichen Reinheit der Farben" ist die Rede. "Man möchte das Geschehene als ein Wunder bezeichnen", steht in den Düsseldorfer Nachrichten, "wenn man es nicht selbst gesehen hätte".Drei Jahre hat es gedauert, bis Schneider und Wilmanns das Wunder vollbringen konnten: drei übereinander gelagerte, lichtempfindliche Schichten aus gelben, roten und blauen Pigmenten, die je nach Farbgebung des Motivs unterschiedlich belichtet werden. Die Erfindung macht es erstmals möglich, Farbfilme billig für eine breite Masse an Hobbyfotografen zu produzieren. Drei Tage vor dem US-Konkurrenten Kodak lassen die Tüftler ihren "Agfacolor Neu Farbumkehrfilm" patentieren - ein Sieg, der vor allem Adolf Hitler gut gefällt. Denn die neuen Filmpatronen sind auch eine willkommene Munition für die nationalsozialistische Propaganda. Die braune Ideologie soll massenhaft nicht länger in Schwarz-Weiß verbreitet werden. Dank "Agfacolor Neu" kommt 1941 unter dem Titel "Frauen sind die besseren Diplomaten" mit Marika Rökk auch der erste deutsche Farbfilm in die Kinos. Allerdings benötigt das Material sechs Mal mehr Licht als sein schwarz-weißer Vorgänger. Für Schauspieler wie die Rökk werden die Dreharbeiten somit zur schweißtreibenden Angelegenheit. "Wir wurden ausgeleuchtet wie eine Burgruine zur Hochsaison", wird sie später sagen.

Bis in die neunziger Jahre bleibt der Diafilm unter Hobbyfotografen eine beliebte Alternative zum Negativ. Erst mit Erfindung der Digitalkameras beginnt sein Abstieg - ebenso wie der der Agfa Photo GmbH. 2005 muss das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Stand: 17.10.06

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