Stichtag

25. Oktober 1998 - Heinz Maegerlein stirbt in Gräfelfing

Bekannt wird er mit einem doppeldeutig klingenden Satz, der ihm 1959 bei einer Ski-Reportage aus Oberstdorf herausrutscht: "Sie standen an den Hängen und Pisten." Heinz Maegerlein ist einer der beliebtesten Sportkommentatoren der 1950er und 1960er Jahre. Selten passieren ihm Blüten wie diese. "Interessanterweise habe ich von Südbayern bis zum Main keine einzige Zuschrift bekommen", erinnert er sich später. "Aber ein paar tausend nördlich des Mains, für die der Begriff Piste eben kein Begriff ist."

Geboren wird Maegerlein am 27. Dezember 1911 in Leipzig. Eigentlich will er Musiker werden, aber sein Vater ist dagegen. Deshalb studiert der aktive Leichtathlet Germanistik, Geschichte und Sport. Während des Studiums hat er 1931 seine Premiere als Rundfunkreporter bei der Übertragung eines Handball-Spitzenspiels im Mitteldeutschen Rundfunk. Damit, so sagt er später, "waren die Weichen für meinen Berufsweg gestellt".

Zeitung, Hörfunk, Fernsehen

Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin arbeitet Maegerlein als Stadionsprecher. Im Jahr darauf wird er vom "Reichssender Leipzig" als Sportreporter eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg besucht er die neu eröffnete Münchner Journalistenschule. Zunächst ist er als Zeitungskorrespondent und Hörfunk-Reporter tätig, bevor 1953 seine erste Fernsehreportage gesendet wird. Bereits 1954 kommentiert Maegerlein die erste Eurovisionsübertragung der Tennismeisterschaften in Wimbledon.

Nach seiner Tätigkeit als Redakteur beim "Münchner Merkur" geht Maegerlein 1958 zum Bayerischen Rundfunk, wo er zu einem Pionier der Sportberichterstattung im Fernsehen wird. Dabei kommentiert er nicht nur, sondern bezieht manchmal auch die Zuschauer mit ein: Als es bei den Olympischen Spielen 1964 für die Athleten nicht genügend Karten gibt, um sich die verschiedenen Wettkämpfe anzusehen, startet Maegerlein einen Aufruf mit der Bitte, wenn möglich ein Fernsehgerät zur Verfügung zu stellen. Wenig später kann er vermelden, dass ein Zuschauer aus Berlin "morgen per Luftfracht einen Fernsehempfänger ins Olympische Dorf für die deutsche Mannschaft schickt".

Erfolg mit "Hätten Sie's gewusst?"

Maegerlein wird Sportchef des Bayerischen Fernsehens und moderiert die ARD-Quizshow "Hätten Sie's gewusst?" Wenn sie am Samstagnachmittag ausgestrahlt wird, sind bundesweit 35 Prozent aller Fernseher eingeschaltet. Maegerlein wird von den Zuschauern liebevoll als "Oberlehrer der Nation" bezeichnet. Die Sendung läuft zwölf Jahre lang.

Nach den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko bekommt Maegerleins Karriere allerdings einen Knick. Seine pathetischen Ausführungen bei der Live-Berichterstattung werden kritisiert. Die "Kölnische Rundschau" spricht von "Geschwätz" und "Gequassel". Der ARD nimmt die öffentliche Kritik auf: Jüngere Kollegen sollen nun zum Zuge kommen. Maegerlein tritt als Kommentator zurück, ein Jahr später auch als Quizmaster. "Das Kaltstellen hat mich nach Mexiko sehr hart getroffen", sagt er rückblickend. "Man hatte behauptet, meine Kommentare wären nicht gut gewesen." Er habe wochenlang die Archive durchstöbert, aber nichts gefunden. 1976 geht er in den Ruhestand und erkrankt wenige Jahre später an der Parkinsonschen Krankheit. Er stirbt am 25. Oktober 1998 in Gräfelfing bei München.

Stand: 25.10.2013

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