12. Juni 2014 - FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher stirbt

Stand: 12.06.2019, 00:00 Uhr

Mit 24 Jahren kommt Frank Schirrmacher als Hospitant zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Ein Jahr später ist er Redakteur, beerbt mit 29 Jahren Marcel Reich-Ranicki als Literaturchef und wird mit 34 Jahren der jüngste Herausgeber aller Zeiten der liberal-konservativen Zeitung.

Ein beispielloser Aufstieg für eine "schier unglaubliche Erscheinung" – wie ihn Weggefährten beschreiben. Freunde und Kritiker loben seinen messerscharfen Verstand, seine Leidenschaft und sein Gespür für große gesellschaftliche Themen. Schirrmacher avanciert in den zwei Jahrzehnten als FAZ-Herausgeber zum Debattenanschieber der Nation.

Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ (Todestag 12.05.2014) WDR 2 Stichtag 12.06.2019 04:08 Min. Verfügbar bis 09.06.2029 WDR 2

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Bundesverdienstkreuz für den Debattenanschieber

"Er hat begriffen, dass der Journalismus, wenn er funktionieren will, erstens Aufmerksamkeit braucht – und die kann er zweitens nur gewinnen, wenn er die entscheidenden Themen der Zeit nicht nur kommentiert und begleitet, sondern auch vorausahnt und setzt", sagt Dirk Schümer, langjähriger FAZ-Redakteur und heute Korrespondent der "Welt".

Bereits 1999 erhält Schirrmacher das Bundesverdienstkreuz für seine "wichtigen Anstöße" zur Literatur- und Kunstdebatte. Der 1959 in Wiesbaden geborene Beamtensohn lässt auch vermeintlich Andersdenkende wie den Dramatiker Botho Strauß, Sahra Wagenknecht und Computer-Hacker in der FAZ zu Wort kommen.

Auch als Sachbuchautor sorgt Schirrmacher für Furore. Seinen ersten Bestseller-Erfolg feiert er 2004 mit "Das Methusalem-Komplott" ein Buch über "Altersdiskriminierung". Buchkritikerin Elke Heidenreich lobt die "die polemische Lust, mit der er auf das Thema losgeht". Weitere Bestseller über den Zerfall der Familie und Big Data folgen.

Kaiser "Caligula" regiert in der Redaktion

Zugleich gilt Schirrmacher als launenhafter Tyrann. Innerhalb der Redaktion bekommt er den Spitznamen "Caligula", der wie ein römische Kaiser Mitarbeiter schikanieren kann. Wiederholt wandern Redakteure zur Konkurrenz ab. "Er war eher eine stachelige Person. Aber ich bin ein sturer Westfale und habe das knallhart ausgehalten – und danach kam dann das genaue Gegenteil, eine Charme-Offensive", erinnert sich Schümer.

Auch Schriftsteller wie Günter Grass und Martin Walser attackiert Schirrmacher. Selbst der CDU, deren Wähler die Hauptleserschaft der FAZ stellen, wirft er vor, ihre Ideale "zu verhunzen" und "an die Finanzmärkte auszuleihen". Die ständige Rastlosigkeit aber überfordert Frank Schirrmachers Gesundheit. Am 12. Juni 2014 stirbt er im Alter von 54 Jahren in Frankfurt an einem Herzinfarkt.

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