Stadtarchiv: Gedenkfeier ausgerechnet Rosenmontag

Trümmer des Kölner Stadtarchivs

Fünf Jahre nach dem Einsturz

Stadtarchiv: Gedenkfeier ausgerechnet Rosenmontag

Vor fünf Jahren stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Noch immer ist unklar, was die Unglücksursache war. Aber jetzt sollen Taucher die Unglücksstelle untersuchen - und so für Klarheit sorgen. Am Montag (03.03.2014) fanden zwei Gedenkfeiern statt.

Mit einer kurzen Kranzniederlegung hat die Stadt Köln am Montagmorgen (03.03.2014) des Archiveinsturzes vor genau fünf Jahren gedacht. Bei dem Unglück waren zwei junge Anwohner getötet worden, es entstand ein Schaden von schätzungsweise einer Milliarde Euro. Weil der Jahrestag auf Rosenmontag fiel, fand die Gedenkveranstaltung schon morgens um 7.30 Uhr statt. Nur etwa zwei Dutzend Menschen waren gekommen, überwiegend Vertreter der Stadt und Journalisten.

"Der Einsturz unseres Stadtarchivs hat unsere Stadt verändert", sagte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). "Wir sind nachdenklicher geworden, auch im Umgang mit Großprojekten." Dass der fünfte Jahrestag auf Rosenmontag falle, müsse nicht bedeuten, dass die Erinnerung an diesem Tag keine Rolle spiele. "Uns gelingt es, Nachdenklichkeit, Trauer, Gedenken auch mitzunehmen in das Feiern", sagte Roters. "Das schließt sich nicht aus." Er hoffe sehr, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen zur Einsturzursache noch in diesem Jahr abschließen könne.

Bürgerinitiative gedachte am Mittag der Opfer

Die Bürgerinitiative "Köln kann auch anders" traf sich hingegen am Montagmittag zur Zeit des Einsturzes am Unglücksort. Ihr Sprecher Frank Deja erinnerte in einer Mitteilung daran, dass mit dem fünften Jahrestag nun alle im Zusammenhang mit dem Einsturz begangenen Straftaten verjährt sind. Verfolgt werden können ab sofort nur noch die 106 Personen, die die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Wochen als Beschuldigte benannt hat. Die Bürgerinitiative kritisierte, dass sich unter den Beschuldigten weder der ehemalige Technik-Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) noch der Betriebsleiter der städtischen Gebäudewirtschaft befinden. Beiden wirft die Initiative vor, nicht rechtzeitig auf Warnzeichen wie Risse in Gebäuden entlang der geplanten U-Bahn-Strecke reagiert zu haben.

Wie kam es zum Unglück?

Unglücksstelle Kölner Stadtarchiv

Es gilt zwar als sicher, dass der Einsturz durch den U-Bahn-Bau ausgelöst wurde. Woran es genau lag, ist aber noch nicht zweifelsfrei geklärt. Spezialtaucher aus den Niederlanden sollen nun tief unter der Einsturzstelle dem Auslöser des Desasters auf die Spur kommen. Die Stadt vermutet, dass ein Loch in einer Schlitzwand der U-Bahn-Baustelle den Einsturz ausgelöst hat. Demnach flossen durch das Loch große Mengen Sand, Kies und Wasser ab, so dass das Archiv unterspült wurde und einstürzte. Während diese Theorie auf einen Baufehler als Unglücksursache hinauslaufen würde, geht eine andere Erklärung von einem sogenannten "hydraulischen Grundbruch" aus. Dabei wäre das Wasser nicht durch ein Leck in der Schlitzwand, sondern unter der Schlitzwand hindurch in die Baugrube vorgedrungen - was eher auf Defizite bei der Bauplanung als bei der Bauausführung hindeuten könnte.

Dass die juristische Aufarbeitung des Kölner Archiveinsturzes immer noch auf der Stelle tritt, ist auch der zeitaufwändigen Bergung der verschütteten Archivalien geschuldet. Erst im August 2011 wurden die Bergungsarbeiten für beendet erklärt. Insgesamt konnten 95 Prozent des Archivguts aus Trümmern und Grundwasser geborgen werden - die restlichen fünf Prozent sind unwiederbringlich verloren. Die Restaurierung aller geborgenen Archivalien wird noch Jahrzehnte dauern.

Stand: 03.03.2014, 17:15