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Die makellose Banane

Die makellose Banane

Der Verbraucher ist anspruchsvoll. Obst und Gemüse sollen makellos sein. Der Handel lässt nur optisch einwandfreie Ware zu, zum Beispiel "perfekte Bananen". Diese gehören zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Dominikanischen Republik.

Luftbild der Bananenplantage in Santa Cruz de Mao

Bananenplantage bei Santa Cruz de Mao. Inmitten der Pflanzung liegt die Packstation, wo die Stauden für den Export verarbeitet werden.

Bananenplantage bei Santa Cruz de Mao. Inmitten der Pflanzung liegt die Packstation, wo die Stauden für den Export verarbeitet werden.

Keine Banane zu sehen: Die Stauden auf den Pflanzungen wachsen in Plastiksäcken heran, um Insektenbefall zu verhindern. Der ist zwar nur ein rein ästhetisches Problem - die Tierchen verursachen winzige dunkle Punkte auf der Schale - doch der Exportmarkt verlangt nach perfekten Früchten.

Arbeiter auf dem Weg ins Feld. Das Ernten im heißen und feuchten Klima der Dominikanischen Republik ist ein Knochenjob, der häufig von immigrierten Haitianern übernommen wird.

Geerntet wird im wöchentlichen Rhythmus. Die Stauden sind farbig markiert, damit die Feldarbeiter die erntereifen Früchte nicht lange suchen müssen. Der Hauptstamm der Pflanze wird sofort mit der Machete abgehackt, die nächste Staude wächst dann aus dem Nebenstamm heran.

Die Früchte reisen an einer Art Schwebebahn zur Packstation. Oft ist ihre Plastikumhüllung noch zusätzlich mit Pestiziden imprägniert.

Auf kleineren Plantagen müssen die geernteten Stauden noch mit reiner Muskelkraft vom Feld zur Packstation bewegt werden.

Erst an der Packstation wird das Plastik entfernt und die Stauden werden aufgeschnitten.

Das Waschen und Sortieren ist verglichen mit der Feldarbeit der leichtere Job. Darum findet man hier auch Frauen und Einheimische unter den Arbeitern.

Die Mahlzeiten für die Arbeiter sind kostenlos, doch ihre Schufterei erbringt meist nur den gesetzlichen Mindestlohn von 400 Peso (knapp 6 Euro).

Zum Frühstück gibt’s natürlich: Bananen. In diesem Fall angebraten. Große Portionen sind Pflicht, denn die Arbeit ist anstrengend.

Die noch grünen Früchte werden zum Export verpackt, reifen tun sie unterwegs auf See. Ihre satte gelbe Farbe entwickeln sie erst kurz vor der Auslieferung an den Einzelhandel.

Alles was beim Konfektionieren als nicht perfekt genug für den Export aussortiert wird, landet in der Dominikanischen Republik immerhin noch auf dem weniger anspruchsvollen lokalen Markt. In anderen Ländern werden Bananen mit Makeln einfach weggeworfen.

Preis der Perfektion. Die teils mit Insektiziden imprägnierten Schutztüten landen nicht selten am Straßenrand. Niemand weiß, wie viel Plastik jedes Jahr verbraucht wird, es müssen aber gewaltige Mengen sein.

Stand: 08.02.2021, 12:52 Uhr