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COSMO Tech - Facebook und Google gegen die Verlage

Titelseiten von australischen Zeitungen machen auf mit Geschichten über Facebook.

COSMO Tech - Facebook und Google gegen die Verlage

Von Dennis Horn und Jörg Schieb

Australien war nur der Anfang. Weltweit müssen sich Facebook und Google darauf einstellen, Geld an die Verlage abzugeben. Eine ganze Reihe von Staaten bereitet ähnliche Gesetze vor.

COSMO Tech - Facebook und Google gegen die Verlage

COSMO TECH 02.03.2021 50:44 Min. Verfügbar bis 02.03.2026 COSMO


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Eine Woche lang hat Facebook sämtlichen journalistischen Inhalten in Australien den Stecker gezogen. Mittlerweile ist die Sperre aufgehoben, und Facebook wird den Verlagen wohl Geld zahlen. Der Fall scheint also geklärt. Dennis Horn und Jörg Schieb erklären in dieser Ausgabe von COSMO Tech aber, warum er weltweite Auswirkungen haben wird.

[02:44] Australiens neues Mediengesetz

Facebook und Google profitieren von journalistischen Inhalten: Ihre Plattformen werden damit wertvoller - während sie mit der Werbung in diesem Umfeld gutes Geld verdienen. Das Mediengesetz in Australien soll dafür sorgen, dass ein Teil dieses Geldes bei den Verlagen ankommt. Google und Facebook müssen mit den Verlagen darüber verhandeln, um wie viel Geld es konkret geht. Wenn sie sich nicht einigen, startet ein Schiedsverfahren. Dann müssen beide Seiten eine Summe nennen. Und das Schiedsgericht entscheidet, welche der beiden Summen es wird - und daran müssen sich Google und Facebook dann auch halten.

[10:44] Google wirft einfach Geld auf das Problem

Google hat in den vergangenen Wochen mit so gut wie allen großen australischen Medienhäusern Verträge geschlossen - und kann damit vielleicht sogar verhindern, überhaupt unter das neue Mediengesetz zu fallen. Denn Teil dieser Verträge ist, dass die Verlage Google zusichern, das Unternehmen nicht in Verhandlungen zu zwängen. Google selbst ist abhängiger von journalistischen Inhalten als Facebook - denn Nutzerinnen und Nutzer erwarten seriöse Informationen, wenn sie googeln. Sind diese aber nicht mehr zu googeln, würde das der Suchmaschine Bing von Microsoft helfen - was der Grund dafür sein dürfte, dass sich Microsoft für das australische Mediengesetz einsetzt.

[14:50] Facebook probt den Aufstand

Facebook wirft den Verlagen vor, dass sie falsch argumentieren. Die Verlage selbst würden gut laufende Facebook-Seiten betreiben, auf denen sie ihre Inhalte veröffentlichen und darüber Reichweite generieren. Allein 2020 habe die Plattform den Verlagen über 5 Milliarden Klicks beschert - und damit mehr als 250 Millionen Euro an Einnahmen. Dass Facebook journalistische Inhalte eine Woche lang blockiert hat, führte dazu, dass die Zugriffszahlen der Medienhäuser um rund 20 Prozent gefallen sind. Und es führte dazu, dass Facebook in der Öffentlichkeit schlecht wegkam - obwohl die Argumente, die das Unternehmen gegen das Mediengesetz anführt, zutreffen.

[22:36] Australien als Vorbild weltweit - und die Frage nach Lösungen

Andere Verlage und andere Regierungen weltweit schauen sich genau an, was in Australien passiert, und werden zum Teil selbst tätig. Kanada hat ein gutes Dutzend Länder zusammengetrommelt - darunter auch Deutschland - die über eine ähnliche Gesetzgebung weltweit sprechen. Und auch die USA denken über ein entsprechendes Gesetz nach.

In Europa ist die Diskussion schon etwas älter. Seit 2014 gibt es deshalb in Spanien kein Google News mehr, auch in Belgien hat Google zwischenzeitlich den Stecker gezogen. Und auch in Deutschland gibt es noch immer Streit um die Frage, wie viel Text sich Google und Facebook nehmen dürfen, um auf Artikel der Verlage hinzuweisen.

Eine Lösung des Problems sehen Kritiker der "Linksteuern" eher in pauschalen Abgaben: In einem Modell zum Beispiel, bei dem die großen Plattformen in einen Fonds zahlen müssen, aus dem Förderprogramme für Journalismus finanziert werden - und der eine direkte Bezahlung an die Verlage ausschließen würde.

Kontakt


E-Mail: cosmotech@wdr.de
Die nächste Ausgabe von COSMO TECH erscheint am 16. März 2021.

Stand: 02.03.2021, 14:22