Bombino

Global Pop News 15.09.2023

Artists aus Mali, Niger und Burkina Faso dürfen nicht mehr in Frankreich auftreten

Stand: 15.09.2023, 09:53 Uhr

Frankreich verweigert allen Bürgern dieser Länder die Einreise | Bombino mit neuem Album "Sahel"| Neue Songs von Joy Denalane und Ghostface Killah, Madabula RSA und Fulminacci | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Von Marc Mühlenbrock

Das französische Kulturministerium hat auf Geheiß des Außenministeriums angeordnet: Frankreich verweigert allen Bürgern dieser drei Länder die Einreise, stellt keine Visa mehr aus, dementsprechend dürfen auch Musiker und Musikerinnen aus Mali, Niger und Burkina Faso nicht mehr in Frankreich auftreten. Alle geplanten Projekte mit Artists aus diesen Ländern müssen abgesagt werden und auch alle Subventionen werden gestrichen – von Institutionen und Stiftungen, die Musiker und Musikerinnen der ehemaligen Kolonien unterstützt haben. Das französische Kulturministerium greift also hart durch – Grund ist die veränderte politische Lage in den drei Ländern. Seit den 50er Jahren sind die ehemaligen Kolonialstaaten nach und nach unabhängig geworden, Frankreich hat aber seinen Einfluss in vielen dieser Länder nie ganz verloren. Auch weil es das ein oder andere Staatsoberhaupt unterstützt hat. Durch die Militär-Putsche in Mali und Burkina Faso in den vergangenen Jahren und in diesem Jahr in Niger haben sich die Situationen vor Ort geändert. Experten vermuten, Frankreich sieht seinen Einfluss schwinden und hat deswegen den Kontakt zu diesen Ländern abgebrochen, worunter jetzt auch die Kulturschaffenden leiden.

Aus der Kultur gibt es schon erste Reaktionen und zwar aus Frankreich, vom Vizepräsident der Syndeac, der französischen Kunst- und Kulturgewerkschaft. Bruno Lobé empfindet diese Erlasse als bedrohlich, einmal für das Image Frankreichs als weltoffenes Land, aber vor allem für die Künstler und Künstlerinnen der besagten Länder, die vor Ort schon mit genug Schwierigkeiten zu kämpfen haben in dieser Zeit. Lobé versteht nicht, warum man beim Beginn des Ukraine-Kriegs russischen Kulturschaffenden weiter Einreise gewährt habe, weil diese nichts mit dem Putin-Regime zu tun hätten, in diesem Fall aber nun anders entschieden wird.

Bombino, "Sahel"

Bombino mit neuem Album "Sahel"

Sein neues Album hat Bombino nach seiner Herkunft benannt, der Sahel-Zone. Der nigrische Musiker hat darauf neben neuen auch ein paar ältere Songideen versammelt. Songs, die er schon seit ein paar Jahren live spielt und deren die Grundstruktur teilweise zurückgeht bis in die 90er Jahre. Da hat Bombino angefangen, Gitarre zu spielen und dann bei nächtlichen Sessions allein in der Wüste mit tragbarem Verstärker an seinem Spiel gefeilt – so erfolgreich, dass er heute als einer der besten Gitarristen der Welt gilt. Das neue Album "Sahel" schaut nun zurück auf diese Zeit, vor allem auf die politischen Unruhen in seinem Heimatland Niger, die Bombinos Eltern dazu zwangen, Mal ins Exil zu gehen in den 90er und 00er Jahren.

 „Wir müssen die Leute daran erinnern, was damals geschehen ist, auch wenn es 30 Jahre zurück liegt. Das ist wichtig, damit wir nicht wieder in diese Zeit zurückfallen.“ Bombino

Leider hat sich dieser Wunsch nicht bewahrheitet. Denn das Album ist auf merkwürdige Art und Weise hochaktuell, im Juli gab es im Niger einen Putsch. Das gibt "Sahel" noch mehr Brisanz, auch wenn Bombino sich mehr mit der Unterdrückung seines Volkes, den Tuareg, im Niger befasst. Musikalisch knüpft "Sahel" an den Wüstenblues an, dessen wichtigster Vertreter er heute ist, eine Mischung aus der traditionellen Musik der Tuareg und US-amerikanischem Bluesrock. Dieser Stilmix hatte ihm zuletzt für das Vorgängeralbum "Deran" noch eine Grammy-Nominierung eingebracht.

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Ungewöhnliche Kombi: Joy Denalane und Ghostface Killah

Musikalisch passt das natürlich perfekt, DIE deutsche Soulstimme mit einem der coolsten, renommiertesten Rapper der USA, Ghostface Killah vom Wu Tang Clan. Beide singen und rappen zusammen auf "Happy", einem dramatischen Retro-Soul-Stück, das an Bill Withers und Gospel erinnert. Aber klar, vom Namen her ist das schon ein ungewöhnlicher Feature-Gast, den sich Joy hier geschnappt hat. Der eigentliche Hauptdarsteller des Songs ist aber ihr Vater. Der ist leider während der Arbeit an ihrem neuen Album "Willpower" (VÖ: 6.10.) verstorben, Joy hat diesen Abschied verarbeitet in "Happy". Es geht darum, wie glücklich sie darüber ist, die letzten Jahre nochmal intensiv mit ihm verbracht haben zu können. Das Video zu "Happy" ist dann eine Familienangelegenheit – es zeigt die Denalanes im Trauerflor, so wie bei einer Beerdigung.

Madabula RSA: Südafrika trifft Brasilien

Wirklich ein ausgefallenes Stück Musik was die Produzenten Madabula RSA, Tumi und KNDO da loslassen mit "Ndizok Bamba". Die Beats und das Grundgerüst kommen aus dem Amapiano, also dem heißen Dance-Genre, das von Johannesburg aus gerade die Clubs und Charts der Welt erobert. Es ist aber auch noch Gqom mit drin, wenn man so will trifft also der House-Sound aus Johannesburg auf den aus Durban, ebenfalls in Südafrika. Und dieses ganz auffällige, sirenenhafte erinnert ganz stark an Baile Funk, den Sound von Rio de Janeiro.

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Fulminacci kürt sich zu König Filippo

Filippo Uttinacci alias Fulminacci ist ein junger italienischer Cantautore aus Rom, der grad für viel Aufsehen sorgt.  "Filippo Leroy" heißt sein neuster Song, der begeistert durch einen treibenden Beat, catchy Refrain, seine Background-Sängerinnen und in allererster Linie natürlich diese einnehmende Persönlichkeit von Fulminacci selber. In dem Song zieht er über das Beziehungsleben im Zeitalter von Social Media und visuellem Overkill her. Er fragt sich im Song: "Bin ich wirklich so oder ahme ich nur die Vorstellung von dem nach, wie ich zu sein habe, damit mich jemand anders begehrt?" Antworten hat Fulminacci auch keine, dafür aber eine Menge Ironie: Er kommt zu dem Schluss, er könnte sich als Leonardo Da Vinci ausgeben oder als König Filippo.