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Funk-Schweiß und Soul-Leid

Sharon Jones auf der Bühne

Sharon Jones

Funk-Schweiß und Soul-Leid

Sharon Jones ist eine der bekanntesten Soulsängerinnen der Welt. Sie arbeitete über zwanzig Jahre lang vergeblich an einer Solokarriere, bis sie schließlich mit Anfang Vierzig in Brooklyn von den Produzenten Gabriel Roth und Philip Lehman entdeckt wurde.

Soulmusik hat immer die gleichen Themen: Liebe, Hoffnung, Kampf. Die Geschichten darum sind schon so oft erzählt und gesungen worden, dass sie zu Klischees verkommen sind. Wenn jemand in diesem Genre bestehen will, muss er diese Themen mit authentischem Leid, tiefer Erkenntnis und warmer Kraft füllen. Das geht besser, je rauer das eigene Leben war. Und Sharon Jones hatte es nicht gerade leicht.

Liebe, Hoffnung, Kampf

Ihrem harten Leben hat Sharon Jones das Gefühl und die Echtheit in ihrem Gesang zu verdanken. Geboren wurde sie in Augusta im US-Bundesstaat Georgia. Als ihre Eltern sich trennen, zieht die Mutter mit Sharon Jones und ihren Geschwistern nach New York, ins Ghetto. Als sie 12 Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Ihre Mutter schickt sie in die Kirche, wo sie eines Tages im Kirchenchor Weihnachtslieder singt. Die Gemeinde flippt aus, und Sharon Jones glaubt von da an, dass Singen ihre Bestimmung ist.

Knast statt Karriere

Also versucht sie sich als Sängerin. Nur keine Plattenfirma will sie haben. Zu schwarz, zu klein, zu dick, meinen die Labelchefs. Nach ihrem 24. Geburtstag finden sie Sharon Jones dann auch noch zu alt. Sie macht das Singen also zu ihrem Hobby und arbeitet tagsüber als Wärterin im berüchtigten Gefängnis auf Rykers Island bei New York.

So geht es, bis Sharon Jones an einem Nachmittag in den neunziger Jahren von Philip Lehman und Gabriel Roth für eine Studio-Aufnahme gebucht wird: als eine von drei Background-Sängerinnen. Die beiden anderen kommen nicht und Sharon übernimmt alle drei Parts. Das Ergebnis überzeugt die Aufnahmeleiter dermaßen, dass sie die Sängerin sofort Solostücke einsingen lassen. Diese erscheinen in kleiner Auflage und sorgen für Begeisterung unter Soul-Fans. Wer ist diese Unbekannte, die mit ihrer ungestümen und beschwörenden Stimme die goldenen Jahre der Motown-Ära aufleben lässt?

Als Neal Sugarman und Gabriel Roth 2001 ihr Label Daptone Records gründen, machen sie Sharon Jones zum Labelstar. Mit den Dap-Kings bekommt sie ihre eigene Band. Zwischen Sharon Jones und den Dap-Kings entwickelt sich eine spezielle Chemie, die in schöpferischen Studiosessions und schweißtreibenden Bühnenshows explodiert.

Funk-Schweiß und Soul-Leid

Das Konzept von Daptone Records und der Hausband Dap-Kings ist die Veröffentlichung von Musik im Geiste legendärer Soul-Labels wie Motown und Stax. Analoge, rohe und ungestüme Musik rund um Gefühle. Mit dem Schweiß aus dem Funk, dem Leid aus dem Soul und dem Groove des Afro-Beat. Obwohl die Band auch mit anderen Vokalisten (Amy Winehouse, Mark Ronson, Robbie Williams) zusammenarbeitet, bleibt Sharon Jones ihre unangefochtene Nummer Eins am Mikrophon.

Fünf Alben sind so zwischen 2002-2011 mit ihr entstanden. Als Live-Band haben Sharon Jones und die Dap-Kings die Welt erobert. Das weit gespannte Netz der Fangemeinde sichert ihnen seit Jahren ausverkaufte Säle in Nordamerika, Europa, Asien und Australien. Denn wie die Energie aus Sharon Jones kleinem rundem Körper sprüht und sich mit der Band aus Bläsern, Percussions, Drums, Bass und Gitarre kurzschließt - dieses Erlebnis ist so beeindruckend, dass man es nicht mehr vergisst. Stets hat man als Zuschauer das Gefühl eine Mittzwanzigerin vor sich zu haben. Und vielleicht sind es ja gerade die langen zwanzig Jahre Warten auf die schließlich doch eingetretene Karriere, die ihre Bühnenpräsenz erst erklären. Sharon Jones versucht jedes verlorene Jahr nachzuholen und befeuert uns mit authentischem Leid, tiefer Erkenntnis und in Erfüllung gegangenen Träumen.

Diskografie
Soul Time! (2011, Daptone Records)
I learned the hard way (2010, Daptone Records)
100 Days, 100 Nights (2007, Daptone Records)
Naturally (2005, Daptone Records)
Dap Dippin´with Sharon Jones and the Dap-Kings (2002, Daptone Records)

Stand: 23.05.2013, 11:58