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Gilberto Gil

Gilberto Gil auf der Bühne

Wichtige Figur der Musica Popular Brasileira

Gilberto Gil

Der Mann ist zweifelsohne eine der wichtigsten Figuren der MPB, der Música Popular Brasileira. Gilberto Passos Gil Moreira kommt am 26.6.1942 in Salvador zur Welt, wächst aber auf dem Land auf. Mit zehn kommt er zurück nach Salvador, geht dort auf das Gymnasium und auf eine Akkordeon-Schule. Nach der ländlichen Musik lernt er nun auch die der Städte kennen. Mit achtzehn spielt er mit ein paar Freunden in der Gruppe Os Desafinados.

Mittlerweile ist die Bossa Nova in vollem Gange, Gil hört Musik von João Gilberto und ist begeistert. Er lernt sofort Gitarre spielen, während er tagsüber für Führungsaufgaben im Industriemanagement geschult wird. Bald arbeitet er mit Caetano Veloso, dann in São Paulo mit Elis Regina. Ende der 1960er ist die Zeit reif für den Tropicalismo, eine zunächst nur musikalische Neuorientierung, die aber rasch eine politische Dimension bekommt. Erstmals werden traditionelle Rhythmen mit Rock, die Beatles mit Einflüssen aus dem brasilianischen Hinterland und Bossa teils collagenhaft vermählt, elektrische Instrumente verwendet, was ebenso viele genial wie verräterisch finden - was Wunder, denn seit 1964 regieren in Brasilien faktisch die Militärs. Die Texte sind dementsprechend kunstvoll verschlüsselt, ein Wink nach Afrika, wo das Tradition hat, und auch eine Anknüpfung an die brasilianischen Modernisten der 1920er.

Idol für die brasilianische Jugend

Auf "Tropicália", einem Album, auf dem neben Gil und Veloso auch Gal Costa, Maria Bethânia und Os Mutantes sowie weitere junge Künstler mitwirken, formuliert klanglich das Manifest dieser Epoche. Gil adaptiert die Prinzipien des Tropicalismus in seinem Hit "Domingo No Parque". Während er für die brasilianische Jugend zum Idol wird, wittert das Militärregime wegen seiner unberechenbaren und provozierenden Texte Gefahr. Nach einem Gefängnisaufenthalt entschließt er sich wie auch Weggefährte Veloso zum Gang ins Londoner Exil. 1972 kehrt er zurück, als die Lage sich etwas entspannt.

Mit Veloso, Gal Costa und Maria Bethânia formiert er sich im berühmten Quartett Doces Bárbaros. Gil begibt sich während der Folgejahre auf intensive Suche zu seinen afrobrasilianischen Wurzeln, die er mit Pop-Vokabular verbindet. Dies hilft seiner Heimat Bahia beim Reafrikanisierungs-Prozess, der sich musikalisch auch in den massiven Trommelgruppen, den Afro Blocos niederschlägt. In Nigeria trifft er 1977 Fela Kuti und Stevie Wonder, auch der Reggae mit seiner Galionsfigur Bob Marley ist stets ein großer Einfluss. Tourneen mit Jimmy Cliff folgen, Alben mit Jorge Ben, Ernie Watts und den Wailers entstehen. Und schließlich ist Gil immer auch politisch hochaktiv, Ende der 1970er wird er einer der führenden Köpfe der Schwarzen-Bewegung, sitzt in den 1980ern als Mitglied der Grünen Partei in Salvador im Stadtrat und nimmt eine Auszeit von der Musik.

Tropicalismus

Die Neunziger sind dann wiederum gekennzeichnet von herausragenden Einspielungen. Mit Caetano Veloso nimmt er eine Reverenz an 25 Jahre Tropicalismus auf, 1998 bekommt er einen Grammy für "Quanta Gente Veio Ver", den Rhythmen des Nordostens verschreibt er sich im brillanten Soundtrack zu "Eu Tu Eles". Seine Liebe für den Reggae und insbesondere seine Hochachtung vor Bob Marley demonstriert er 2002 sowohl mit einem in den Tuff Gong-Studios von Kingston entstandenen Album als auch durch eine ausgedehnte Welttournee. Derzeit muss Gilberto Gil seine Zeit zwischen politischen Aktivitäten und musikalischer Laufbahn aufteilen: 2002 ist er beim Regierungswechsel vom Kabinett Lula zum Kulturminister Brasiliens berufen worden.

Diskografie:

  • Gil & Milton 2000 Warner
  • Tropicalia 2 1993 Warner
  • Barra 69 1969 Universal
  • Raça Humana 1984 Warner
  • Brasil 1981 Warner
  • Doces Bárbaros 1976 Warner
  • Tropicália Ou Panes Et Circenses 1968 Universal

Stand: 16.03.2018, 14:47