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Alpha Blondy

Der Reggae-Bandit

Alpha Blondy

Dass auf seiner offiziellen Homepage nicht das steht, was man sonst so von ihm weiß, ist nicht verwunderlich. Einiges verdrängt er wohl gerne, denn auch Ignoranz, Unverschämtheit und Unprofessionalität sind Teil seiner Vita. Das hängt, wenigstens teilweise, mit seiner Krankheit zusammen, man höre nur den herzerweichenden Hilferuf "Heal Me" auf dem Album "Dieu". Alpha hatte zeitlebens mit psychischen Problemen zu kämpfen, war zwei Jahre in einer Anstalt, hat viel später gar einen Selbsttötungsversuch unternommen.

Seydou Koné heißt er laut Pass, geboren ist er am 1.1.1953 in Dimbokro, 200 km nördlich von Abidjan, Elfenbeinküste. Dort fliegt er von der Hochschule und muss seine Studien in Liberia beenden. Anschließend Ökonomie- und Englisch-Studium in New York, wo er 1977 zufällig eine Reggae-Band hört. Reggae bestimmt fortan sein Leben, er spielt in ein paar kleinen Bands und nimmt einige Songs unter seiner Regie mit einem Produzenten auf. Der steigt wieder aus dem Projekt aus, und das macht Alpha schwer zu schaffen.

Von null auf hundert

Zurück in der Elfenbeinküste, verbringt er zwei Jahre in einer Anstalt. Daraus geht er mit der gestärkten Überzeugung hervor, nun erst Recht eine Gesangskarriere zu starten. Er nennt sich Alpha, der Erste, und Blondy, was eine Abänderung des Wortes Bandit darstellt - so hatte ihn seine Oma oft gerufen, bei der er aufwuchs. Der Erste unter den Banditen wird in eine Fernsehshow eingeladen, deren Name alles sagt: "Première Chance". Alpha nutzt sie, und bald darauf, 1983, veröffentlicht er sein erstes Album. Darauf ist ein Song, den noch heute jeder mitsingen kann an der Küste der Elfenbeine: "Brigadier Sabari". Auf einen Schlag ist Blondy berühmt, auch in Europa hatte man auf den gewartet, der Bob Marley ersetzt. Und darauf setzt Blondy: Für sein zweites Album, "Cocody Rock", begibt er sich nach Jamaika und nimmt den Titelsong mit den Wailers auf. Danach folgt Tour auf Tour, Album auf Album, Kind auf Kind: Er hat sechs Kinder von sechs Frauen.

Das törrichte Genie

Alpha Blondy provoziert, oft genial, oft töricht, nicht nur durch seine Texte. In Marokko singt er Hebräisch, in Israel Arabisch. Er singt Loblieder auf Diktatoren und stempelt Abtreibung als schweres Verbrechen. Immer wieder werden Tourneen einfach abgesagt, oder die Besucher müssen Stunden warten. Aber auch immer wieder erstklassige Alben, "Masada" wird sein erstes Goldenes. Sein 20jähriges Jubiläum feiert er mit "Merci", einer politisch gefärbten Produktion, die die Antipersonen-Minen anklagt und korrupte Politiker an den Pranger stellt. Musikalisch ist das "Dankeschön" an die Fans ebenfalls äußerst vielschichtig, bringt Kora-Harfe, Blechbläser und Panflöten, sowie die Gäste Ophélie Winter und die Saïan Supa Crew unter einen Hut.

Diskografie:

  • Mystic Power 2013 Wagram
  • Vision 2010 Wagram
  • Jah Victory 2008 Mediacom
  • Akwaba - The Very Best Of Alpha Blondy 2005 Virgin
  • L'essentiel 2003 EMI
  • Merci 2002 EMI
  • Ytzah Rabin 1999
  • Dieu 1994 EMI
  • Masada 1992 EMI
  • Jerusalem 1987 EMI
  • Apartheid Is Nazism 1985 EMI
  • Cocody Rock 1984 EMI

Stand: 09.03.2018, 13:05