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Dmitrij Schostakowitsch - Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

WDR Sinfonieorchester Video 12.04.2022 50:35 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Dmitrij Schostakowitsch - Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Von Volker Tarnow

Mindestens vier Sinfonien Dmitrij Schostakowitschs stehen in unmittelbarer Beziehung zu Kriegsereignissen. Aber auch seine anderen elf Sinfonien künden von unruhigen, entsetzlichen Zeiten, vom Leben und Sterben in einer Diktatur. Solange er auf Parteilinie blieb, drohte ihm nur selten Ungemach; meist jedoch genügte schon die leiseste Andeutung von Dissidenz, um in Ungnade zu fallen. Schostakowitsch hatte sich mit der Oper "Lady Macbeth von Mzensk" in die lebensbedrohliche Zone vorgewagt. Genosse Stalin drohte bereits – anonym, aber unverhohlen – mit Sibirien.

Der Diktator forderte ausdrücklich "sowjetischen Klassizismus". Aber was war das? Auf jeden Fall genial und heroisch wie Beethoven, aber nicht im Stile von 1820, sondern den Geist der aktuellen Epoche zum Ausdruck bringend; auf Techniken des 'dekadenten' Westens natürlich verzichtend; höchster technischer Standard bitteschön, ohne den Horizont des revolutionären Proletariats zu überschreiten – fertig war die sowjetische Sinfonie! Und Schostakowitsch machte sich ans Werk. Um Wiedergutmachung bemüht, komponierte er mit der 5. Sinfonie dieses Vorzeigewerk einer vermeintlich sowjetischen Ästhetik.

Im Kopfsatz ist es, als habe Schostakowitsch seine persönliche Situation vertont: die von glücklichen Jugenderinnerungen begleiteten Frühlingsmonate 1937 auf der Krim und die folgende Rückkehr nach Leningrad, als er von der Deportation seiner Schwester erfuhr. Auch das Allegretto hat einen doppelten Boden. Es weht eine derbe Lustigkeit durch diesen zweiten Satz, ohne dass man auf den Einfall käme, Tanzvergnügungen fröhlicher Komsomolzen beizuwohnen. Noch weniger ließen sich an das Largo die üblichen realsozialistischen Interpretationsmuster angelegen, und die Kritik warf dem Komponisten dann auch prompt vor, ein Kolorit "des Toten und Trübseligen" gewählt zu haben. Nach dem Tiefgang der ersten drei Sätze kann das lärmende Marsch-Finale kaum ernst genommen werden. Von den Zuhörer:innen der ersten Aufführungen in Leningrad und Moskau wird berichtet, sie hätten die Parodie auf den Triumphalismus jener Tage sehr wohl erkannt.

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