Werkeinführung: Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 ("Jupiter")

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Die "Jupiter-Sinfonie" mit Gülru Ensari WDR Sinfonieorchester Video 05.03.2019 03:09 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 ("Jupiter")

Von Michael Struck-Schloen

Wer alle sowjetischen Funktionäre als Kulturbanausen abtut, verkennt das Aufbruchspotenzial der frühen revolutionären Jahre. Georgi Tschitscherin etwa, ein Weggefährte Lenins, war nicht nur ein diplomatisch geschickter Außenminister, sondern auch ein glühender Mozart-Verehrer. Und regelrecht begeistert war er von der "Jupiter-Sinfonie", die er als Summe von Mozarts Sinfonik ansah: "ein Poem der Ekstase, der Exaltation!"

Wie so viele andere versuchte Tschitscherin in Worte zu fassen, was ihn vor allem im Finale der C-Dur-Sinfonie überwältigte: die Verbindung einer jubelnden, lebensbejahenden Grundstimmung mit höchster, aber völlig unangestrengter Kunstfertigkeit. Grandios ist schon das knappe, aus vier Tönen bestehende Hauptmotiv, das Mozart mit einer Reihe musikalischer Zellen umgibt, die sich immer wieder zu kleinen Fugenanfängen verdichten. Den Höhepunkt aber bildet der Schlussabschnitt: Fünf verschiedene Motive türmen sich hier zum "fünffachen Kontrapunkt" auf, ein handwerkliches Meisterstück. Und vermutlich war es der Konzertunternehmer und Geiger Johann Peter Salomon, der in dieser Musik erstmals die weltgestaltende Macht des Himmelsvaters Jupiter erkannte.

Entstanden sind Mozarts letzte drei Sinfonien von 1788 in unruhigen Zeiten. Kaiser Joseph II. hatte sich in einen Krieg gegen das Osmanische Reich verwickeln lassen, und die Wiener hatten offenbar dringendere Bedürfnisse, als sich Mozarts neue Werke anzuhören: Aufführungen der "Jupiter-Sinfonie" zu Lebzeiten sind jedenfalls nicht nachweisbar.

In der Sinfonie C-Dur hat Mozart exemplarisch seinen musikalischen "Universalstil" verwirklicht, eine Synthese aus italienischem Theaterinstinkt, barocken Satztechniken und kammermusikalischer Feinarbeit. Wie eine Opernouvertüre startet das Werk, um das Publikum gleich hineinzusaugen in einen Satz voller rhythmischer Energie. Dem repräsentativen Auftakt setzt Mozart mit dem Andante Cantabile ein auratisches Nachtstück entgegen, vor dem überschäumenden Finale schlägt er im Menuett noch einmal den Ton höfischer Tanzpraxis an – um sie, ein Jahr vor der Französischen Revolution, in ihrer Steifheit gründlich infrage zu stellen.

Stand: 09.10.2021, 08:00