Werkeinführung: Felix Mendelssohn Bartholdy - Quintett Nr. 2 B-Dur op. 87

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Denkmal für Felix Mendelssohn Bartholdy

Werkeinführung: Felix Mendelssohn Bartholdy - Quintett Nr. 2 B-Dur op. 87

Von Tilla Clüsserath

Es scheint fast so, als hätte Felix Mendelssohn Bartholdy jeweils einen Anstoß von außen gebraucht, um seine beiden Streichquintette Nr. 1 op. 18 und Nr. 2 op. 87 zu Papier zu bringen. Opus 18 ist das Werk eines 17-Jährigen, der unter Anleitung seiner Lehrer sich Stück für Stück die Gattungen der Orchester- und Kammermusik aneignete: So komponierte der junge Mendelssohn Solokonzerte, Streichersinfonien, Trios und Streichquartette und schließlich auch sein erstes Streichquintett A-Dur (1826). Zwischen diesem und dem zweiten Streichquintett B-Dur op. 87 liegen gut zwanzig Jahre.

Das letztgenannte zweite entstand im Auftrag seines guten Freundes Ferdinand David im Sommer 1845 in der Sommerfrische in Bad Soden am Taunus. Ferdinand David (1810 –1873) war einer der besten Violinvirtuosen seiner Zeit und seit 1836 Konzertmeister des von Mendelssohn geleiteten Gewandhausorchesters. Wie Ignaz Moscheles berichtet, spielte er nicht nur "seine eigenen Bravoursachen mit untadelhafter Technik". Auch sein "Quartettspiel begeisterte Alles [sic.], was echten Kunstsinn besass". So verwundert es nicht, dass David vom befreundeten Gewandhauskapellmeister ein Werk "in stilo moltissimo concertissimo" erbat. Diesem Wunsch nach orchestraler Fülle ist Mendelssohn ohne Zweifel bereits im Eröffnungssatz nachgekommen. Über tremolierendem Streicheruntergrund intoniert die erste Violine ein schwungvolles Hauptthema, deren mitreißender Elan weite Strecken des Satzes beherrscht. Wohl finden Auseinandersetzungen mit dunklen Moll-Triolen statt, die ihre Schatten vorauswerfen, doch siegt am Ende der Optimismus des Beginns. Das "Allegretto scherzando" mit verspielten Pizzicati-Effekten ist als sanftes Intermezzo im Walzertakt gehalten. Wesentlich ernster wird es da im dritten Satz "Adagio e lento" – dem emotionalen Zentrum des Werkes. Als Ausgangspunkt dient ein schwermütiges d-Moll-Thema im Gestus eines Trauermarsches, das sich zu einer dramatischen Klage steigert. Der an Beethovens Streichquartetten geschulte Mendelssohn lässt die Elegie auf dem Höhepunkt in ihr Gegenteil umschlagen, sodass der Satz in positiverer Gestimmtheit ausklingt

Stand: 02.06.2019, 08:00