Werkeinführung: Bohuslav Martinů - Konzert Nr. 2 für Violine und Orchester

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Komponist Bohuslav Martinů

Werkeinführung: Bohuslav Martinů - Konzert Nr. 2 für Violine und Orchester

Von Johanna Augustin

Der Tscheche Bohuslav Martinů war ein hervorragender Geiger, auch wenn er zwischenzeitlich wegen "unverbesserlicher Nachlässigkeit" vom Konservatorium entlassen worden war. Seinen Abschluss bekam er irgendwann trotzdem. Mit sieben Jahren fing er mit dem Geigespielen an – und zwar in einem Kirchturm. An diesem außergewöhnlichen Ort im ostböhmischen Polička wurde Martinů 1890 geboren und wohnte dort mit seiner Familie, da sein Vater der Wächter des Turmes war. Als Erwachsener zog er nach Frankreich, kam dort in Kontakt mit Jazz und der Musik von Igor Strawinskij, was seinen eigenen Stil stark beeinflusst hat. Als die Nationalsozialisten in Frankreich einmarschierten, siedelte Martinů in die USA über.

Da er als Geiger die Möglichkeiten seines Instruments bestens kannte, war Martinů als Komponist für Violinkonzerte bei den Solist*innen seiner Zeit überaus gefragt. Einer der bedeutendsten damaligen amerikanischen Geiger, Mischa Elman (1891–1967), hörte bei einem Konzert in Boston Martinůs erste Sinfonie und war davon so beeindruckt, dass er den Komponisten kurz darauf um ein Vorspiel bat. Martinů war ebenso beeindruckt von Elmans Musikalität und schrieb für ihn 1943 sein zweites Violinkonzert. Er verarbeitete darin romantische slawische Einflüsse aus seiner Heimat und leichte französische Klänge. Und er hat es genau auf Mischa Elman zugeschnitten, indem die Musik seine Stärken zum Ausdruck bringen konnte, ohne effekthascherisch zu sein. Martinů sagte über Elman: "Er ist mit Leib und Seele Geiger, dessen Spiel, das niemals die Grenzen eines schönen Geigenklangs überschreitet, einen besonderen Zauber hat".

Mischa Elman spielte noch im selben Jahr die Uraufführung mit dem Boston Symphony Orchestra. Martinů selbst konnte nicht anwesend sein – jedenfalls nicht physisch. Er saß währenddessen in der New Yorker Carnegie Hall bei einer Aufführung seiner zweiten Sinfonie. In Wahrheit jedoch erschien er dort nur zum Applaus, da er das ganze Konzert hindurch im Nebenraum saß und die Radioübertragung der Uraufführung seines zweiten Violinkonzertes anhörte.

Ein interessanter Zusammenhang führt uns geradewegs von Bohuslav Martinů zum heutigen Konzert (07.06.2019) mit Frank Peter Zimmermann: Martinů erhielt seinerzeit Kompositionsunterricht von Josef Suk (einem Schwiegersohn von Antonín Dvořák). Dessen gleichnamiger Enkel Josef Suk galt als der bedeutendste lebende Geiger Tschechiens und machte eine hochgelobte Aufnahme von Martinůs zweitem Violinkonzert. Dieser Josef Suk hörte sich wiederum eine der ersten Aufführungen von Frank Peter Zimmermann mit Martinůs zweitem Violinkonzert an – und war hellauf begeistert.

Stand: 07.06.2019, 08:00