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Aaron Jay Kernis

Werkeinführung: Aaron Jay Kernis - Musica Celestis

Von Norbert Hornig

Der in Philadelphia geborene Aaron Jay Kernis begann seine musikalische Laufbahn mit einem Violin- und Klavierstudium, erste Kompositionen legte er schon mit 13 Jahren vor. Zu seinen späteren Kompositionslehrern gehörte unter anderem John Adams. Kernis zählt heute zu den bekanntesten zeitgenössischen amerikanischen Komponisten; für sein Streichquartett Nr. 2 erhielt er 1998 den "Pulitzer-Preis".

Kernis ist ein Komponist der "gemäßigten Moderne". Seine Musik verfängt, sie wirkt unmittelbar und stellt die Hörer:innen nicht vor die Hürden einer intellektuell schwer zu durchdringenden Komplexität. Man könnte sie "eklektisch" nennen. "Musica Celestis" wurde von Kernis nach dem langsamen zweiten Satz seines ersten Streichquartetts (1990) für Streichorchester mit zusätzlichen Kontrabässen arrangiert. Ort der Uraufführung am 30. März 1992 war San Francisco.

Der Komponist gab dem rund elfminütigen Stück einige persönliche Anmerkungen mit auf den Weg. "Musica Celestis" ist inspiriert von der mittelalterlichen Vorstellung der Titelworte, die sich auf das Singen der Engel im Himmel zum ewigen Lob Gottes beziehen. Mit einem Satz des fränkischen Schriftstellers Aurelian von Réôme aus dem 9. Jahrhundert ausgedrückt: "Das Amt des Singens gefällt Gott, wenn es mit einem wachen Geist ausgeführt wird, wenn wir auf diese Weise die Chöre der Engel nachahmen, von denen man sagt, dass sie das Lob des Herrn ohne Unterlass singen." Aaron Kernis erklärt weiter: "Ich glaube nicht sonderlich an Engel, fand dies aber ein starkes Bild, das durch das Hören von viel mittelalterlicher Musik verstärkt wurde, insbesondere durch das zum Himmel strebende Werk Hildegard von Bingens. Dieser musikalische Satz folgt einer einfachen, raumgreifenden Melodie und einem harmonischen Muster durch eine Reihe von Variationen (wie eine Passacaglia) und Modulationen. Er wird von einer Einleitung und einer Coda eingerahmt."

Man mag aus dieser einfach strukturierten Musik eine Nähe zu Barbers berühmtem "Adagio for Strings" heraushören, vielleicht auch zu Beethovens "Heiligem Dankgesang" aus dem Streichquartett op. 132 oder an die Klanglichkeit von Richard Wagners "Lohengrin" erinnert werden.