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Dai Fujikura - Entwine

WDR Sinfonieorchester Video 05.07.2021 06:52 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Dai Fujikura - Entwine

Stand: 12.06.2021, 08:00 Uhr

Von Otto Hagedorn

Der japanische Komponist Dai Fujikura.

"Miniaturen der Zeit" – unter diesem Titel präsentieren WDR 3 und das WDR Sinfonieorchester unter seinem Chefdirigenten Cristian Măcelaru ein Jahr lang jeden Monat die Uraufführung einer kurzen Komposition: insgesamt zwölf orchestrale Miniaturen, die das aktuelle Zeitgeschehen reflektieren. "Entwine" des Japaners Dai Fujikura ist das zweite Stück dieser neuen Reihe. Geboren 1977 in der Präfektur Osaka, studierte Fujikura in London bei George Benjamin und Edwin Roxburgh. 2005 dirigierte Pierre Boulez die Uraufführung seines Orchesterwerks "Stream State", im Jahr darauf erklang mit "Crushing Twister" erstmals eine Komposition Fujikuras bei den BBC Proms in London. Interpreten wie Gustavo Dudamel, Susanna Mälkki, Jonathan Nott sowie Peter Eötvös und Matthias Pintscher setzen sich für seine Musik ein. Das WDR Sinfonieorchester spielte im November 2018 bereits die Uraufführung seiner "Glorious Clouds". Zu "Entwine" (auf Deutsch etwa: umschlingen, sich ineinanderschlingen) gibt der Komponist selbst die Einführung:

"Ich wurde gebeten, ein fünfminütiges Orchesterwerk zu schreiben, das die aktuelle Lage auf der Welt zum Ausdruck bringt – und es so schnell wie möglich fertigzustellen, damit es vom WDR-Sinfonieorchester noch im Jahr 2021 uraufgeführt werden kann. Ich fing an zu überlegen. Mir wurde klar: Das Thema dieses Orchesterwerks sollte "Berührung" sein – die körperliche Berührung, die wir nicht mehr für selbstverständlich halten können; außerdem, dass wir uns jetzt sozial unbehaglich fühlen können, wenn wir einfach aus der Tür treten und sichergehen müssen, dass wir auf der Straße weit genug voneinander entfernt stehen.

Ich wollte ein Orchesterwerk schaffen, in dem musikalisches Material von einem Instrument zum anderen weitergereicht wird, wie von einer Hand zur anderen: Teilen, sich versammeln und sogar eine Menschenmenge bilden. Etwas, was wir alle seit Anfang 2020 vermisst haben, und etwas, von dem wir jetzt erkennen, dass alle Menschen es zum Leben brauchen, von einem Tag auf den anderen. Um dies musikalisch umzusetzen, ist das Orchester das perfekte Medium. Ich hoffe, das Stück bringt den Traum zum Ausdruck, den wir derzeit vermissen und dessen Bedeutung wir jetzt erkennen."