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Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 3 d-Moll

WDR Sinfonieorchester Video 30.09.2020 55:43 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 3 d-Moll

Stand: 30.09.2020, 08:00 Uhr

Von Tilla Clüsserath

  • Jukka-Pekka Saraste leitet das WDR Sinfonieorchester
  • Kölner Philharmonie im Jahr 1996
  • Einführung in Bruckners Sinfonie Nr. 3

Bruckner polarisiert: zeitlebens galt der Komponist als göttlich begnadet oder als schrulliger Gigantomane. Anfeindungen und Misserfolge begleiteten sein Leben, daneben gab es aber auch auch strahlende Triumphe. Kein Werk wurde davon schmerzhafter berührt als die 3. Sinfonie. Begonnen 1872 und vollendet 1873, erlebte das Werk erst 1890 seine erfolgreiche Uraufführung. Zuvor hatte Bruckner wegen der dreimaligen Ablehnung durch die Wiener Philharmoniker die Sinfonie mehrmals überarbeitet.

In der Dritten verwirklichte Bruckner ein neuartiges sinfonisches Konzept, in dem die Verarbeitung musikalischer Motive durch blockhafte Aneinanderreihung von Motiv-Varianten ersetzt wird; dies verstörte von Beginn an. Auch die religiöse Aura der klanggewaltigen Sinfonien Bruckners, die bald als "Messen ohne Text" galten, samt ihrer übermäßigen Länge erschwerten eine positive Aufnahme. Nicht eben hilfreich war auch, dass Bruckners 3. Sinfonie ausgerechnet Richard Wagner huldigte. Für die heutige Rezeption stellen die verschiedenen Fassungen der Sinfonien ein gewisses Problem dar. Die Urversion repräsentieren in der Regel die "ungebändigte" Großform, während die späteren Umarbeitungen thematisch konzentrierter und stilistisch angepasster sind. Bruckner selbst bezeichnete seine Revisionen stets als "Verbesserungen". Die 2. Fassung seiner 3. Sinfonie erstellte er zwischen 1876-1877, konnte aber damit in Wien nicht punkten. Erst mit der 3. Version des Werkes stellte sich der gewünschte Erfolg ein.

Die 3. Sinfonie beginnt sehr geheimnisvoll, von entscheidender Bedeutung ist das fanfarenartige Trompetenthema. Im Adagio zitiert die Urfassung der Sinfonie unverblümt das Sehnsuchtsmotiv aus "Tristan und Isolde". Einen absoluten Gegensatz bildet die wilde Ausgelassenheit des Scherzos mit einem oberösterreichischen Bauerntanz. Das Finale vereint eine Tanzmelodie mit einem Bläserchoral, dazu Bruckner: "die Polka bedeutet den Humor und Frohsinn in der Welt – der Choral das Traurige, Schmerzliche in ihr". Am Ende setzt das Trompetenthema vom Beginn den machtvollen Schlusspunkt der Sinfonie.