Werkeinführung: Benjamin Britten - Konzert d-Moll für Violine und Orchester op. 15

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Augustin Hadelich über Benjamin Brittens Violinkonzert d-Moll op. 15 WDR Sinfonieorchester Video 20.09.2021 03:42 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Benjamin Britten - Konzert d-Moll für Violine und Orchester op. 15

Von Otto Hagedorn

Benjamin Britten

Benjamin Britten

Im Frühjahr 1936 nimmt Benjamin Britten von London aus einen Flieger nach Barcelona. In der katalanischen Hauptstadt finden in jenem Jahr die Weltmusiktage der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik statt, bei denen er seine Suite für Violine und Klavier op. 6 vorstellen wird. Solist ist Antonio Brosa, ein spanischer Geiger, den Britten am Royal College of Music kennengelernt hat. Für Brosa ist diese Uraufführung ein Heimspiel: Im Alter von zehn Jahren hatte er in Barcelona mit dem Brahms-Violinkonzert debütiert. Wenige Monate nach der Uraufführung von Brittens Suite bricht der Spanische Bürgerkrieg aus – für den 22-jährigen Komponisten und seinen politisch links orientierten Freundeskreis ein Schock. Auf dem Höhepunkt der Kampfhandlungen, im März 1939, schreibt Britten seine Kantate "Ballad of Heroes" op. 14 und widmet diese Antikriegsmusik den britischen Gefallenen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg.

Aus Ahnung vor dem bevorstehenden Zweiten Weltkrieg schifft er sich nur einen Monat später mit seinem Lebensgefährten, dem Tenor Peter Pears, nach Kanada ein. Einen Tag, nachdem die beiden an Bord der "RMS Ausonia" in See stechen, droht Hitler England unverhohlen mit Krieg; nur wenige Tage später wird mobilgemacht. Auf der Überfahrt flüchtet sich der Komponist in die Erinnerung an die gemeinsame Aufführung mit Antonio Brosa in Barcelona: "Tony spielt [...] wie ein Gott der Fiedel, der er ja auch ist". Und so arbeitet Britten auf hoher See an seinem Violinkonzert op. 15, das er im Sommer als Gast eines Berghotels am kanadischen Mont Tremblant vollendet. Im März 1940 spielen Brosa und das New York Philharmonic die Uraufführung in der Carnegie Hall. Mit den virtuosen Verzierungen, die auf Empfehlungen des Geigers zurückgehen, ist Britten zehn Jahre später nicht mehr zufrieden und glättet die gesamte Partitur.

Den rhythmischen Auftakt machen die Pauken, womit der Komponist zum einen an Beethovens Violinkonzert erinnert. Zum anderen bezieht er sich damit unterschwellig auf die Heimat Brosas, der in diesem forschen Motiv eine Reminiszenz an Spanien und den Bürgerkrieg erkannte.

Stand: 17.09.2021, 08:00