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Ludwig van Beethoven - Große Fuge B-Dur op. 133

WDR Sinfonieorchester Video 05.09.2019 17:40 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Ludwig van Beethoven - Große Fuge B-Dur op. 133

Stand: 05.07.2019, 08:00 Uhr

Von Clemens Matuschek

  • Jukka-Pekka Saraste leitet das WDR Sinfonieorchester
  • Kölner Philharmonie am 05. Juli 2019
  • Werkeinführung in Beethovens Große Fuge

Die Große Fuge op. 133 ist zwar nicht Beethovens allerletztes Werk, wird aber gern als Abschluss seines Schaffens verstanden. Entstanden ist sie als Schlusssatz des Streichquartetts op. 130. Doch auf Drängen seines Verlegers ersetzte Beethoven sie später durch ein konventionelleres Finale – und koppelte sie als Solitär unter einer eigenen Opusnummer aus.

Ludwig van Beethoven - Porträt von Carl Jäger

Ludwig van Beethoven - Porträt von Carl Jäger

Mit der Premiere im Jahr 1826 hätte Beethoven eigentlich zufrieden sein können. Zwei Sätze wurden sogar so bejubelt (damals war es noch üblich, zwischen den Sätzen zu klatschen), dass sie wiederholt werden mussten. Doch die abschließende Fuge ließ die Hörer*innen erstarren. Verzweifelt notierte ein Kritiker: "Den Sinn des fugierten Finales wagt der Referent nicht zu deuten: für ihn war es unverständlich, wie Chinesisch. Wenn die Instrumente in den Regionen des Süd- und Nordpols mit ungeheuren Schwierigkeiten zu kämpfen haben und sich unter einer Unzahl von Dissonanzen durchkreuzen, dann ist die babylonische Verwirrung fertig."

Radikale musikalische Logik

Dieser Eindruck ist auch heute durchaus nachvollziehbar, erst recht in der klanglich üppigeren Orchesterfassung. Motivfetzen und splitternde Kontrapunkte fliegen in alle Richtungen. "Vielleicht wäre so manches nicht hingeschrieben worden, könnte der Meister seine eigenen Schöpfungen auch hören", mutmaßte der Rezensent. Wohl nicht ganz zu Unrecht – Beethoven, bereits stocktaub, scheint sich keinen Deut um die akustischen Kollateralschäden seiner Satzkunst zu scheren. Für ihn ging es einzig um abstrakte musikalische Logik von radikaler Konsequenz und atemberaubender Kompromisslosigkeit. Eine Herausforderung war und ist das auch für die Musiker*innen. Auf Beethovens Frage, worin die Schwierigkeit des Stücks liege, antwortete der damalige Zweite Geiger trocken: "Im Ganzen." Sicher ist: Mit der Großen Fuge ist Beethoven in neue, unbekannte Welten aufgebrochen, in die ihm auf Jahrzehnte niemand folgen konnte.