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Samuel Barber: Adagio für Streicher op. 11

WDR Sinfonieorchester Video 07.05.2021 08:48 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Samuel Barber - Adagio für Streicher op. 11

Von Verena Großkreutz

Samuel Barber

Samuel Barber

Während Samuel Barbers eigener Bestattung am 23. Januar 1981 in New York ist es ja nicht erklungen: sein Adagio for strings, das abseits des Genres Trauermarsch wohl die populärste Beerdigungsmusik ist. Viele berühmte Persönlichkeiten wurden zu seinen Klängen zu Grabe getragen: Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy, Grace Kelly, Albert Einstein. Auch bei der medialen Aufbereitung von Schreckensereignissen wie 9/11 spielt es nach wie vor eine große Rolle. Und natürlich taucht das Adagio auch regelmäßig in Filmen auf, wenn es um melancholische oder traurige Bilder geht.

Fluch und Segen zugleich

Eine schlichte Melodie, die sich in einem schmerzhaft und atemlos sich verdichtenden Geschehen in die Ewigkeit fortzuspinnen scheint: das macht Barbers Adagio zum "traurigsten klassischen Stück" aller Zeiten. Als solches empfanden es zumindest die Hörer*innen der BBC, die 2004 darüber entscheiden durften. Ein Stück von betörender, zeitloser Schönheit und erhabenem Ernst ist es allemal.

Für Barber war sein bekanntestes Werk Segen und Fluch zugleich: Segen, weil es ihn berühmt machte. Fluch, weil er dadurch zum One-Hit-Wonder wurde. Dass der US-amerikanische Komponist unter anderem auch drei Opern, zwei Sinfonien, ein Violinkonzert geschrieben hat – wen interessiert das heute? Selbst das Werk, aus dem er sein Adagio 1938 herausgerissen hat, um es für ein Konzert des berühmten Dirigenten Arturo Toscanini für Streichorchester zu arrangieren, hört man äußerst selten: sein Streichquartett op. 11, in dem das Adagio von zwei schnellen Sätzen umschlossen wird. Er komponierte das Quartett 1936 als Stipendiat in Rom.

Im Vergleich zum Streichquartett, in dem das Adagio naturgemäß karger, rationaler klingt, schwelgt das spätere Arrangement geradezu im farbig angereicherten Klang des Streichorchesters. Das schleppende Tempo, das seufzende Thema, das durch alle Stimmen wandert, die ruhige, wellenförmige Steigerungskurve ohne Kontraste, die in sphärischen Höhen gipfelt, die dunkle Grundierung durch Liegetöne – all das tut ein Übriges, um die Menschen zu Tränen zu rühren.

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