Analyse der Kommunalwahl 2020 für Dortmund

Analyse der Kommunalwahl 2020 für Dortmund

Wer hat wen warum gewählt? Unsere Fotostrecke liefert die Antworten.

Grafik über Dortmund Stimmen der 16- bis 24-Jährigen

Dortmunds Jugend wählt grün. Wie im ganzen Land und in zahlreichen anderen Städten treffen die Grünen mit ihren Umweltthemen bei den 16- bis 24-Jährigen einen Nerv. Das ist jetzt keine gänzlich neue Erkenntnis, aber viermal so viele Stimmen wie die CDU bei einer Ratswahl sind schon bemerkenswert. Auffällig: Im Gegensatz zu vielen anderen Städten spielt die SPD bei den jüngeren Menschen in Dortmund noch eine Rolle. Völlig abgeschlagen ist dagegen die AfD mit gerade mal zwei Prozent, wie in Köln ist selbst die Satire-Partei Die Partei deutlich stärker als die AfD.

Dortmunds Jugend wählt grün. Wie im ganzen Land und in zahlreichen anderen Städten treffen die Grünen mit ihren Umweltthemen bei den 16- bis 24-Jährigen einen Nerv. Das ist jetzt keine gänzlich neue Erkenntnis, aber viermal so viele Stimmen wie die CDU bei einer Ratswahl sind schon bemerkenswert. Auffällig: Im Gegensatz zu vielen anderen Städten spielt die SPD bei den jüngeren Menschen in Dortmund noch eine Rolle. Völlig abgeschlagen ist dagegen die AfD mit gerade mal zwei Prozent, wie in Köln ist selbst die Satire-Partei Die Partei deutlich stärker als die AfD.

Deutliche Unterschiede gibt es in den einzelnen Altersgruppen. Sind die Grünen bei den Jungen die klare Nummer eins, liegen sie bei den Älteren nur noch auf Rang drei - mit gerade mal der Hälfte der Stimmen der CDU. Spitzenreiter bei den über 60-Jährigen ist die SPD, die bei den älteren Dortmundern noch immer Volkspartei ist, dasselbe gilt mit Abstrichen für die CDU. Abgeschlagen sind FDP und Linke, die AfD ist bei den über 60-Jährigen zwar deutlich beliebter als bei den unter 25-Jährigen, zweistellig ist sie aber auch hier nicht.

Nahezu keine Unterschiede gibt es in Dortmund zwischen den Geschlechtern. SPD und CDU sind gar fast gleichauf, Linke, FDP und AfD sind bei Männern lediglich etwas beliebter als bei Frauen. Für den einzigen Ausreißer sorgen die Grünen, die bei Frauen sechs Prozentpunkte mehr erringen konnten als bei den Männern.

Welche Themen treiben die Menschen um? In Dortmund war es vor allem die Umwelt, also ein Thema, das sich nicht allein auf kommunaler Ebene lösen lässt. Dahinter kommt die Wirtschaft, die in der Corona-Krise eine besondere Bedeutung für viele Menschen hat. Weiter hinten landen hingegen Verkehr und Stadtplanung, in anderen Städten eins der großen Wahlkampfthemen.

Sonderbar: Umwelt und Klima war laut der Umfrage das bestimmende Thema der Dortmunder Ratswahl, bei den Wählern des Siegers spielt es aber keine große Rolle. Wer das Kreuz bei der SPD machte, interessiert sich vor allem für die Wirtschaft, dahinter kommen Bildung, Arbeitsmarkt, Verkehr und öffentliche Sicherheit nahezu gleichauf.

Auch bei CDU-Anhängern spielt die Umwelt eine untergeordnete Rolle, im Gegensatz zu Wirtschaft und Sicherheit - zwei klassische Themen der Union. Dahinter kommen Einwanderung, Verkehr und Bildung, aber eben nicht die Umwelt.

Die Umwelt bewegt aber natürlich vor allem eine Gruppe: 77 Prozent der Grünen-Wähler geben Umwelt und Klima als wahlentscheidendes Thema an. Die übrigen Politikfelder liegen unter 30 Prozent. Am stärksten ist noch der Verkehr, der aber ja auch Schnittstellen mit der Umweltpolitik hat. Und obwohl die meisten Grünen-Wähler jung sind, steht die Bildung nur auf Rang drei.

Seit dem Zweiten Weltkrieg kommt der Dortmunder Oberbürgermeister stets von der SPD - und auch dieses Mal könnte es so laufen. Entschieden ist aber lange nichts, Thomas Westphal muss in die Stichwahl gegen Andreas Hollstein von der CDU. Ein Vorteil: Er hat Wähler aus allen Altersklassen, zwar steigen die Werte mit dem Alter der Wähler, aber selbst bei den Jüngsten holte er mehr als ein Viertel der Stimmen.

Andreas Hollstein hat dagegen ein fast klassisches CDU-Ergebnis: Kaum Wähler bei den Jungen, beliebt bei den Alten. Mit teils deutlich unter 20 Prozent bei den Wählern bis 44 Jahre dürfte es schwer werden, Westphal in der Stichwahl zu schlagen.

Bei den jüngeren Wählern deutlich die Nummer eins unter allen Bewerbern für das OB-Amt ist Daniela Schneckenburger von den Grünen. Doch im Gegensatz zum CDU-Kandidaten Hollstein geht es mit jeder Altersgruppe weiter nach unten, bei den über 70-Jährigen sind es nur noch elf Prozent. Trotzdem werden die Mitbewerber, die in die Stichwahl gehen, um jeden einzelnen Grünen-Wähler kämpfen.

Wie im Rat so auch bei der OB-Wahl: Die Jungen wählen grün, die Älteren schwarz und rot. Daniela Schneckenburger von den Grünen und Andreas Hollstein von der CDU erreichen nur bei den Jüngeren bzw. Älteren recht gut Werte, während Thomas Westphal von der SPD in beiden Altersgruppen recht stark ist.

Wer hat Thomas Westphal gewählt? Natürlich zu allererst SPD-Wähler, aber eben nicht nur. Auch 15 Prozent der Grünen-Anhänger gaben Westphal ihre Stimme - obwohl ihre Partei eine eigene Kandidatin aufgestellt hatte. Auch von Linken und AfD bekam der SPD-Mann zweistellige Werte. Und selbst bei FDP und CDU konnte er punkten.

Die SPD-Wähler gingen weniger fremd: Lediglich drei Prozent stimmten bei der OB-Wahl für CDU-Kandidat Andreas Hollstein, der aber immerhin acht Prozent der Grünen-Anhänger für sich begeistern konnte. Seine Basis bleibt aber selbstredend die eigene Partei. Bei AfD und FDP kann er zumindest zweistellig punkten.

Den niedrigsten Wert innerhalb der eigenen Basis erreichte Daniela Schneckenburger von den Grünen, nicht mal drei Viertel wählten die hauseigene Kandidatin. Da dürften einige Grünen-Anhänger bei der OB-Stimme taktisch gedacht und gewählt haben. Immerhin bekam Schneckenburger 14 Prozent der Linken-Wähler, beim Rest war für sie so gut wie nichts zu holen.

Stand: 14.09.2020, 15:36 Uhr