Kritik am Sicherheitskonzept der Loveparade

Übersichtskarte des Loveparade-Geländes

Viele Warnungen wurden ignoriert

Kritik am Sicherheitskonzept der Loveparade

Schon vor dem katastrophalen Ende der Loveparade in Duisburg gab es viele Stimmen, die Bedenken geäußert hatten. Experten von Feuerwehr und Polizei kritisierten das Veranstaltungskonzept. Doch ihre Warnungen wurden nicht beachtet. Eine Chronologie.

2009: Die Loveparade, die in Bochum geplant war, wird von der Stadtverwaltung abgesagt. Grund: Die zu erwartende Zahl der Besucher sei zu groß für die Infrastruktur der Stadt. Vor allem der Zugang ist für die Verantwortlichen ein unkalkulierbares Risiko. Die Stadt hat eine ähnliche Struktur wie Duisburg. Maßgeblich für die Absage sind Bedenken des damaligen Bochumer Polizeipräsidenten Thomas Wenner.

Der Geschäftsführer der Kulturhauptstadt 2010, Fritz Pleitgen, erklärt im WDR Fernsehen, dass es offene Fragen bei der in Duisburg geplanten Loveparade gebe. So sei nicht klar, wie die vielen zu erwartenden Raver sicher auf das alte Bahngelände kommen sollen. "Das hätte man früher wissen müssen, bevor man sich auf so ein großes Unternehmen einlässt", sagt Pleitgen damals.

Oktober 2009: Der Feuerwehrdirektor der Stadt Duisburg warnt nach WDR-Informationen in einer schriftlichen Stellungnahme Oberbürgermeister Adolf Sauerland: Das Gelände des alten Güterbahnhofs sei ungeeingnet für eine solche Veranstaltung.

Sicherheitskonzept mit vielen offenen Fragen

Januar 2010: In einem Fernsehinterview des WDR erklärt der Sprecher des Veranstalters der Loveparade, Björn Kollen, dass viele Fragen zum Sicherheitskonzept der Veranstaltung noch nicht beantwortet seien. Ein Konzept werde gemeinsam mit der Stadt bis März ausgearbeitet. Es sei bei solchen Massenveranstaltungen nichts Ungewöhnliches, wenn kurz vor Veranstaltungsbeginn noch daran gearbeitet werde. In die Planung ist auch der Duisburger Stau- und Panikforscher Michael Schreckenberg einbezogen. Er segnet das Konzept ab, das er auch Stunden nach der Katastrophe noch verteidigt. Einen Tag später (25.07.10) erklärte er dann in einem WDR-Interview, er habe vorab auf das Risiko des Tunnels hingewiesen.

Februar 2010: Die Stadt Duisburg erhält die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen Studie. Sie zeigt mögliche Schwachstellen bei der Planung auf. Offenbar wird in dem internen Papier auf kritische Stellen hingewiesen. Dazu erklärt der zuständige Ordnungsdezernent, Wolfgang Rabe, im WDR-Fernsehen: "Das bedeutet nicht, dass dies Ausschlusskriterien sind." Durch zusätzliche Auflagen sollten die Kritikpunkte behoben werden.

Immer neue Bedenkenträger

Juni 2010: In internen Sitzungen des Planungsstabes der Loveparade kritisieren Beamte von Polizei und Feuerwehr offen das Sicherheitskonzept. Vor allem die Zugänge zum Gelände durch den Tunnel stehen in der Kritik. Stattdessen sollten die Besucher an mehreren Stellen auf das Gelände gelassen werden, so Beamte der Dortmunder Feuerwehr, die wegen ihrer eigenen Erfahrungen mit der Loveparade in die Duisburger Planung einbezogen wurden. Die Bedenken der Sicherheitsfachleute werden bei der weiteren Planung nicht berücksichtigt.

Juli 2010: Einige Tage vor der Loveparade nehmen Polizisten das Gelände in Augenschein, die für die Sicherheit der Veranstaltung sorgen sollen. Mit dabei sind auch Polizisten aus Köln. Sie werden gebeten, ihre Erfahrungen mit Großveranstaltungen einzubringen. Daraufhin kritisieren auch sie die Bemessung der Zugangswege, so Recherchen des WDR. Eine Reaktion darauf ist nicht bekannt.

Stand: 26.07.2010, 13:00