Kalter Krieg auf 200 Metern

Museum im früheren Regierungsbunker

Kalter Krieg auf 200 Metern

Dunkel duckt sich der Eingang in den Weinberg. Kalte Luft weht den Besuchern entgegen. Es ist ein Stollen des früheren Regierungsbunkers, der sich hier im Ahrtal öffnet. Tief im Berg ist ein Museum eingerichtet worden. Es zeigt Relikte des Kalten Krieges.

"Das sieht ganz genauso aus, wie es früher war", sagt Karl-Heinz Knebel im gemütlichen rheinischen Singsang. Der pensionierte Maschinenschlosser steht mitten in seinem ehemaligen Arbeitsplatz, der jetzt zum Museum wurde, und guckt sich interessiert um. Hier links gingen die Dekontaminationskammern ab, und rechts lag das Kontrollzentrum. Er zeigt auf einen roten Knopf im Schaltpult, der im Ernstfall die gesamte Anlage abgeriegelt hätte. In einem anderen Raum steht das Kanzlerbett. Der Regierungschef hätte auch über eine eigene Dusche verfügt - der Bundespräsident aber, berichtet Knebel verschmitzt, hätte eine eigene Badewanne gehabt. In dem 200 Meter langen Stollen sind auch eine Sicherheitsschleuse mit Drucktoren, der Friseursalon, eine Küche, Krankenzimmer und eine Zahnarztpraxis zu sehen.

30 Tage Überleben

Besucher bekommen einen Einblick in den Ort, der jahrzehntelang der geheimste der alten Bundesrepublik war. In der Nähe von Bonn gelegen, sollten in dem 19 Kilometer langen Röhrensystem unter dem Weinberg 3.000 Personen des öffentlichen Lebens vor einem Angriff mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen geschützt werden und 30 Tage überleben können. Seit 1972 war der Bunker in Betrieb, alle zwei Jahre gab es Übungen für den Ernstfall, doch funktionieren musste die Stadt unter dem Berg zu jeder Zeit. Gemeinsam mit seinen Kollegen pflegte und wartete Knebel die Anlage, erzählen durften sie niemandem von ihrem Arbeitsplatz. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges verlor der Bunker seine Existenzberechtigung, Ende der 90er Jahre beschloss die Regierung, die Anlage aufzugeben. 2001 begann der Rückbau: Alles wurde aus dem Berg geräumt, sogar die Farbe von den Wänden gekratzt. "Das hat einem schon Leid getan, dass hier alles kaputt gemacht wurde", meint Knebel.

Orangerote Lampen zu himbeerfarbenen Sesseln

Umso mehr freut es ihn, dass jetzt zumindest ein kleiner Teil der Anlage für Besucher eingerichtet wurde. Knebel öffnet Türen und schaut in die Räume. Er weist auf die himbeerfarbenen Sessel hin, die noch während der Eröffnung aus dem Deutschen Historischen Museum in Berlin zurück in den Bunker gebracht worden sind. "Dazu die orangefarbenen Lampen von damals", bemerkt Knebel. Beinahe wirkt es, als inspiziere er die Anlage wie früher - bevor er die Tür wieder schließt, sucht seine Hand den Schalter, um das Licht auszumachen.

Endlos weiter durch den Berg

Nach 200 Metern endet der Gang: Ein großes Gitter schließt den begehbaren Teil des Stollens ab. Die riesigen Ausmaße der früheren Anlage werden für die Besucher dennoch sichtbar, hinter dem Gitter führt die rohe Tunnel-Röhre scheinbar endlos weiter durch den Berg. Imposant für die Besucher, doch weit entfernt von der früheren Größe des Bunkers. "Jetzt bin ich aber doch ein bisschen enttäuscht", sagt Knebel, der fast sein ganzes Arbeitsleben hier unten verbracht hatte und täglich die fünf Teile des Atombunkers mit Elektrokarren und Fahrrad abfuhr. "Man hätte einen kompletten Teil erhalten sollen, das wären immerhin 600 Meter gewesen." Trotzdem wird er wohl öfter wiederkommen, schließlich hat er 40 Jahre hier gearbeitet. "Das können Sie nicht einfach so wegwischen".

Stand: 28.02.2008, 19:17